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Full text: Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

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Diese sind auf farbige Flächen gestickt und theilweise 
von Inschriften umgeben, deren eine lautet: Chunegundis 
Abbatissa hoc opus est operata. Die Darstellungen sind 
auf feinem Stramin gestickt und zwar derart, dass auf 
den unterliegenden feinen Canevas zuerst sämmtliche 
Figuren in scharfen Contouren angedeutet und sodann 
theils in Ketten- und Sprungstichen, theils in Flecht 
end Flammenstichen bestickt wurden. Die Grundfarbe 
ist roth. 
Die zweite etwas kleinere Dalmatica ist in Bezug 
auf Reichthum bildlicher Darstellungen viel einfacher, 
doch in der Technik gleich. Der Chormantel hingegen 
ist eines der interessantesten Gewänder, er ist aus zwei 
Hälften zusammengesetzt, und in den Stickereien theils 
ornamental, theils figural gehalten. Als Mittelstück zeigt 
sich ein grosses Rundmedaillon mit der Vorstellung der 
Mater Dei, auf einem Faltistorium sitzend. In der band 
förmigen Einrahmung des Medaillons ein leider nicht 
mehr lesbares Legendarium und ausserhalb die Evan 
gelisten-Symbole; der Mantel ist sehr beschädigt und 
wurden die Lücken durch nicht passende Stücke aus- 
gefüllt, darauf finden sich Darstellungen der Apostel. 
Unter der Madonna kniet als späteres, von einer andern 
ursprünglichen Stelle entnommenes Flickwerk die Abtis 
sin Chunegunde, unter deren Amtsführung dieser präch 
tige Ornat entstand. Den übrigen Theil des Mantels 
füllen nur symbolische Thiergestalten in quadraten Fel 
dern aus. Das dazu gehörige Antipendium ist 9' 5" breit, 
3'2" hoch. Auf dieser palla altaris sind in grösseren, durch 
kleine Kreise mit einander verbundenen Medaillons 
dargestellt: Maria als Himmelskönigin , der englische 
Gruss und die Anbetung der heil, drei Könige. In der 
Umrahmung- der ersteren Darstellung liest man die 
Votivverse: Sis clemens Christi j Mater Domui precor 
isti | Istam Christi gregem J Rege per placitam f legem. | 
Zu beiden Seiten Marien’s, ausserhalb des Medaillons, 
knien weibliche Gestalten, wovon die eine die Stifterin 
der ehemaligen Nonnenabtei Göss (adula fundatrix) 
mit dem Bildnisse der Kirche und die zweite laut der 
dabei befindlichen Inschrift (Chunegundis abbatissa me 
fecit) die Verfertigerin und Geschenkgeberin des An- 
tipendiums vorstellt. Über der Darstellung Marien’s er 
blickt man zwei Engel, die in kniender Stellung dem 
Heilande zugewendet sind, zu beiden Seiten der drei 
Medaillons vielfarbig gestickte Ornamente, welche auf 
der einen Seite von Quadraturen eingeschlossen und 
auf der anderen Seite von rhomboidenförmigen Linien 
umgebon sind. S. Mitth. d. Centr. Comm. III. 
Noch ist eines kleinen Antipendiums zu erwähnen; 
dasselbe ist mit den in Seide gestickten Darstellungen 
von Heiligen und den Wappen der Familien Rosenberg 
und Wallsee geziert und gehört dem XV. Jahrhundert 
an. Die Stickereien sind meist im Plattstiche ausgeführt, 
leider ist dieser kleine Altarvorhang sehr beschädigt 
und mit nicht dazu passenden Stücken ausgeflickt. 
(Nr. 241, EigentkUmer Franz Koch. S. Mitth. d. Centr. 
Comm. XVI. B). 
Wir haben nun der interessanten Mitren zu gedenken, 
die in den beiden Wandschränken aufgestellt waren. Der 
noch heut zu Tage bestehende Gebrauch einer beson 
deren auszeichnenden Kopfbedeckung , um die ober- 
hirtliche Würde einzelner Priester in der christlichen 
Kirche des Morgen- und Abendlandes auch äusserlich 
während der gottesdienstlichen Handlungen zu kenn 
zeichnen, reicht erweisbar bis in die Tage der Apostel 
zurück, so wie wir auch diese Übung beim biblischen 
Priesterthume des alten Bundes finden. Freilich wohl 
war die in den frühchristlichen Zeiten übliche bischöf 
liche Kopfbedeckung nicht von jener Form und Aus 
stattung, wie wir uns dieselbe seit dem späteren Mittel- 
alter bis zur Gegenwart etwa unter dem Worte Mitra 
im Gebrauche der katholischen Priesterschaft vorstellen. 
Was die Form der frühchristlichen Mitra anbelangt, 
so ist es sehr schwierig, darttberBestimmtes anzugeben, 
da hiefiir nicht nur die sicherste Quelle, nämlich derlei 
uralte bis zur Gegenwart erhaltene Kopfbedeckungen, 
fehlt, sondern auch keinerlei Abbildungen derselben in 
Sculptur oder Malerei sich bis in unsere Zeiten erhalten 
Fig. 85. (Prag.)
	        
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