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Diese sind auf farbige Flächen gestickt und theilweise
von Inschriften umgeben, deren eine lautet: Chunegundis
Abbatissa hoc opus est operata. Die Darstellungen sind
auf feinem Stramin gestickt und zwar derart, dass auf
den unterliegenden feinen Canevas zuerst sämmtliche
Figuren in scharfen Contouren angedeutet und sodann
theils in Ketten- und Sprungstichen, theils in Flecht
end Flammenstichen bestickt wurden. Die Grundfarbe
ist roth.
Die zweite etwas kleinere Dalmatica ist in Bezug
auf Reichthum bildlicher Darstellungen viel einfacher,
doch in der Technik gleich. Der Chormantel hingegen
ist eines der interessantesten Gewänder, er ist aus zwei
Hälften zusammengesetzt, und in den Stickereien theils
ornamental, theils figural gehalten. Als Mittelstück zeigt
sich ein grosses Rundmedaillon mit der Vorstellung der
Mater Dei, auf einem Faltistorium sitzend. In der band
förmigen Einrahmung des Medaillons ein leider nicht
mehr lesbares Legendarium und ausserhalb die Evan
gelisten-Symbole; der Mantel ist sehr beschädigt und
wurden die Lücken durch nicht passende Stücke aus-
gefüllt, darauf finden sich Darstellungen der Apostel.
Unter der Madonna kniet als späteres, von einer andern
ursprünglichen Stelle entnommenes Flickwerk die Abtis
sin Chunegunde, unter deren Amtsführung dieser präch
tige Ornat entstand. Den übrigen Theil des Mantels
füllen nur symbolische Thiergestalten in quadraten Fel
dern aus. Das dazu gehörige Antipendium ist 9' 5" breit,
3'2" hoch. Auf dieser palla altaris sind in grösseren, durch
kleine Kreise mit einander verbundenen Medaillons
dargestellt: Maria als Himmelskönigin , der englische
Gruss und die Anbetung der heil, drei Könige. In der
Umrahmung- der ersteren Darstellung liest man die
Votivverse: Sis clemens Christi j Mater Domui precor
isti | Istam Christi gregem J Rege per placitam f legem. |
Zu beiden Seiten Marien’s, ausserhalb des Medaillons,
knien weibliche Gestalten, wovon die eine die Stifterin
der ehemaligen Nonnenabtei Göss (adula fundatrix)
mit dem Bildnisse der Kirche und die zweite laut der
dabei befindlichen Inschrift (Chunegundis abbatissa me
fecit) die Verfertigerin und Geschenkgeberin des An-
tipendiums vorstellt. Über der Darstellung Marien’s er
blickt man zwei Engel, die in kniender Stellung dem
Heilande zugewendet sind, zu beiden Seiten der drei
Medaillons vielfarbig gestickte Ornamente, welche auf
der einen Seite von Quadraturen eingeschlossen und
auf der anderen Seite von rhomboidenförmigen Linien
umgebon sind. S. Mitth. d. Centr. Comm. III.
Noch ist eines kleinen Antipendiums zu erwähnen;
dasselbe ist mit den in Seide gestickten Darstellungen
von Heiligen und den Wappen der Familien Rosenberg
und Wallsee geziert und gehört dem XV. Jahrhundert
an. Die Stickereien sind meist im Plattstiche ausgeführt,
leider ist dieser kleine Altarvorhang sehr beschädigt
und mit nicht dazu passenden Stücken ausgeflickt.
(Nr. 241, EigentkUmer Franz Koch. S. Mitth. d. Centr.
Comm. XVI. B).
Wir haben nun der interessanten Mitren zu gedenken,
die in den beiden Wandschränken aufgestellt waren. Der
noch heut zu Tage bestehende Gebrauch einer beson
deren auszeichnenden Kopfbedeckung , um die ober-
hirtliche Würde einzelner Priester in der christlichen
Kirche des Morgen- und Abendlandes auch äusserlich
während der gottesdienstlichen Handlungen zu kenn
zeichnen, reicht erweisbar bis in die Tage der Apostel
zurück, so wie wir auch diese Übung beim biblischen
Priesterthume des alten Bundes finden. Freilich wohl
war die in den frühchristlichen Zeiten übliche bischöf
liche Kopfbedeckung nicht von jener Form und Aus
stattung, wie wir uns dieselbe seit dem späteren Mittel-
alter bis zur Gegenwart etwa unter dem Worte Mitra
im Gebrauche der katholischen Priesterschaft vorstellen.
Was die Form der frühchristlichen Mitra anbelangt,
so ist es sehr schwierig, darttberBestimmtes anzugeben,
da hiefiir nicht nur die sicherste Quelle, nämlich derlei
uralte bis zur Gegenwart erhaltene Kopfbedeckungen,
fehlt, sondern auch keinerlei Abbildungen derselben in
Sculptur oder Malerei sich bis in unsere Zeiten erhalten
Fig. 85. (Prag.)