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Full text: Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

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war die römische Mitra, wie sie in bestimmter gleich- 
massiger Weise vom XL Jahrhundert an die Päpste in 
signum pontificii zu tragen und zu verleihen pflegten. 
Diese im Ganzen niedrige Pontifieal-Mitra der 
Päpste, deren feststehende Form erst vom Ende des 
X. Jahrhunderts an durch erhaltene gleichzeitige bildliche 
Darstellungen nachzuweisen ist, hatte eine spitze kegel 
förmige Gestalt und spaltete sich im aufsteigenden 
Theile der Kopfbedeckung in zwei Theile, einen leeren 
Winkel dazwischen bildend. Diese beiden Theile , von 
dreieckiger Gestalt, eigentlich schildförmigeVerzierungen 
der Kopfbedeckung (cornua), überragten meistens gleich- 
massig den Vorder- und Hinterkopf und wurden durch 
ein Zwischenfutter verbunden. 
Die Form der römischen Mitra, die jedoch hin 
sichtlich der Form der Schilder sich ebenfalls allmälig 
verwandelte, und vom stumpfen Winkel, der im IV. bis 
VIII. Jahrhundert kaum das Haupt des bischöflichen 
Trägers überragte und allmälig höher werdend bis zu einer 
scharfen Spitze im XII. Jahrhundert sich entwickelte, 
war von nun an die allgemein massgebende. 
Für ihre Aussenseite wurde sehr häufig nur eine 
Gattung oft sehr kostbaren Stoffes, meistens gemustert und 
aus Seide, von weisser oder rother Farbe verwendet; doch 
Fig. 91. (Salzburg.) 
gibt es auch hinreichende Beispiele von Mitren, bei 
denen der in eine starke Falte gelegte Stoff, womit jene 
offen gebliebene Stelle, die durch die Theilung der 
Spitze in die beiden Cornua entsteht, ausgefüllt wird, 
nicht mit jenem gleich ist, der zur eigentlichen Mütze 
verwendet wurde, sondern in Farbe und Beschaffenheit 
mit dem Stoffe übereinstimmt, den man zum Futter ver 
wendete. 
Eine Verzierung der Mitra bildet jener Bandstreifen 
(aurifrisia), der in grösserer oder geringerer Breite ent 
weder den unteren Saum derselben umfasst, oder nach 
aufwärts steigend die beiden Schilder in zwei Hälften 
theilt, oder endlich die Mitra in der doppelten Weise 
ziert. Einen besonderen Schmuck bilden ferner jene De- 
pendenzen (fanones, pendilia, stolae), die an der Rück 
seite der Mitra angebracht sind, bandartig auf die Schul 
tern des Bischofs fällen und meistens aus dem Stoffe der 
aurifrisia angefertigt sind. Bisweilen aber finden wir zu 
diesen Stolen besonders kostbare Stoffe verwendet und 
darauf prachtvolle Verzierungen in Stickerei angebracht. 
Obgleich als eigentlicher Schmuck der Mitra nur 
die Borte erscheint, so wurden doch auch bisweilen 
Metall-Agraffen auf derselben und besonders an den 
fanones angebracht, von denen manche durch vor 
zügliche Zierlichkeit sehr beachtenswerth sind. Ausser 
dem findet man noch Edelstein- und Perlenbesatz ver 
wendet. 
Die Äbte waren bei dem Tragen der Mitren an ge 
wisse Beschränkungen gebunden. Doch scheinen diese 
im XII. und XIII. Jahrhundert in den Tagen Papst 
Clemens IV. (1265 — 1268) von den mitrirten Äbten 
ausser Beachtung gekommen zu sein, da damals Abba- 
tial-Mitren durch ihre besonders reiche Ausstattung von 
denen der Bischöfe fast nicht mehr zu unterscheiden 
waren. Papst Clemens IV. sah sich veranlasst, diesen 
Missbrauch zu rügen und gestattete bloss jenen Äbten, die 
exempt waren, d. h. die unmittelbar unterm römischen 
Stuhl standen und nicht vom Diöcesan-Bischofe abhin 
gen, die Mitra aurifrisiata, d. i. gestickt, jedoch ohne 
Metall - Ornamente oder Edelstein- und Perlenbesatz, 
den übrigen aber nur die Mitra simplcx. 
Obgleich im Ganzen eine belangreiche Anzahl von 
Mitren des XII. und XIII. Jahrhunderts besonders in 
den Schatzkammern älterer Kirchen, in öffentlichen und 
Privatsammlungen erhalten blieb, so ist doch die Zahl 
jener im österreichischen Staate vorfindlichen ziemlich 
gering. Auf der Ausstellung finden sich deren vier. 
Drei davon besitzt das Benedictiner-Stift St. Peter in 
Salzburg. Das eine dieser oberhirtlichen Gewandstücke 
dürfte aus der letzten Hälfte des XII. Jahrhunderts 
stammen und hat eine Höhe von 8" 3"' und eine Breite 
von 10"und 8'". Der klein gemusterte Grundstoff dieser 
vom Zahn der Zeit schon arg beschädigten formschönen 
Mitra pretiosa (Fig. 52) ist aus weisser Seide ange 
fertigt. Eine breite Goldborte, theils mit meanderför- 
migen , theils mit Geflecht - Mustern eingearbeitet, 
schmückt diese Mitra in circuitu und titulo. Der Rand der 
Borte ist auf beiden Seiten mit eingewebten Sprüchen 
gemustert, doch sind davon nur mehr einzelne der im 
schwarzen Grund mit Gold gewirkten Buchstaben und hie 
und da auch Worte lesbar. Im Stifte St. Peter befindet sich 
eine vor alter Zeit genommene Abschrift dieser Rand 
schrift; sie lautet: Praevia stella maris, lapsis via jure 
vocaris, | Da oordi lumen verum eognoscere Numen; |
	        
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