64
Fig. 96.
an Mitra und Rtlckenbändern ist in hübscher Zeichnung
ausgeführt. Im Ganzen wiegt diese Infel etwas mehr als
fünf Pfund (Fig. 113, Nr. 206).
Die schon besprochene Überhöhung der Schilder an
den Infein nahm bis in die Renaissance- und Rococco-
zeit zu und erreichte im XVII. Jahrhundert wahrhaft kolos
sale Dimensionen, die dieser Kopfbedeckung die Ge
stalt eines Ungethüms, das Aussehen eines unförmlichen,
die menschliche Gestalt ihres Trägers erdrückenden
Gebäudes gaben. Man überfüllte die zu diesem Zwecke
so riesig gebildeten Giebel mit Massen von Perlen,
Edelsteinen und Gold-Ornamenten, dass die Mitra
dadurch ein fast unerträgliches Gewicht bekam. Erst
seit dieser Zeit, kann man sagen, ist der Wachsthum
dieses Ungethümes stehen geblieben, ja man findet in
der Gegenwart schon theilweise eine Wendung zum
Besseren, und etwas bescheidenere Dimensionen für die
Infein angenommen. Als Beispiel einer solchen Mitra
von überschwenglicher Grösse diente die unter Nr. 189
ausgestellte , von rother Seide mit Goldstickerei, die
dem Stifte Kremsmünster angehört.
Das Faltistorium aus de m Frauenstifte am N o n n-
berg in Salzburg (Nr. 195) gehört zu den interessan-
(Wien.)
testen Überresten der romani
schen Sculptur. Es ist aus Holz
angefertigt, roth angestrichen,
an den Fussenden in Bronze
besatz in Form von Löwen
tatzen, in deren Klauen sich
verschiedene Figuren in Todes
qualen winden, an vielen Stel
len der Füsse mit kleinem El
fenbeinschnitzwerk und an den
Seitenlehnen mit Tempera-
Malereien geziert. Die Ober-
theile der beweglichen Enden
schliessen mit prachtvoll stylisirten Löwenköpfen aus
Elfenbein, die Schnitzwerke der Flächen bestehen theils
aus dem Mönchsleben entnommenen Scenen, theils aus
Heiligen - Gestalten und Ornamenten. Die Seitentheile,
zwischen welchen das Sitzleder eingespannt ist, sind am
Rande mit 2 sehr schön stylisirten Drachen ausgestattet.
Die Zeit der Anschaffung dürfte mindestens mit jener
der Verleihung des Rechtes der Abtissin, sich des
Stabes und des Faltistoriums bedienen zu dürfen, Zu
sammentreffen, d. i. 1235, die Schnitzereien hingegen