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Full text: Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

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Fig. 96. 
an Mitra und Rtlckenbändern ist in hübscher Zeichnung 
ausgeführt. Im Ganzen wiegt diese Infel etwas mehr als 
fünf Pfund (Fig. 113, Nr. 206). 
Die schon besprochene Überhöhung der Schilder an 
den Infein nahm bis in die Renaissance- und Rococco- 
zeit zu und erreichte im XVII. Jahrhundert wahrhaft kolos 
sale Dimensionen, die dieser Kopfbedeckung die Ge 
stalt eines Ungethüms, das Aussehen eines unförmlichen, 
die menschliche Gestalt ihres Trägers erdrückenden 
Gebäudes gaben. Man überfüllte die zu diesem Zwecke 
so riesig gebildeten Giebel mit Massen von Perlen, 
Edelsteinen und Gold-Ornamenten, dass die Mitra 
dadurch ein fast unerträgliches Gewicht bekam. Erst 
seit dieser Zeit, kann man sagen, ist der Wachsthum 
dieses Ungethümes stehen geblieben, ja man findet in 
der Gegenwart schon theilweise eine Wendung zum 
Besseren, und etwas bescheidenere Dimensionen für die 
Infein angenommen. Als Beispiel einer solchen Mitra 
von überschwenglicher Grösse diente die unter Nr. 189 
ausgestellte , von rother Seide mit Goldstickerei, die 
dem Stifte Kremsmünster angehört. 
Das Faltistorium aus de m Frauenstifte am N o n n- 
berg in Salzburg (Nr. 195) gehört zu den interessan- 
(Wien.) 
testen Überresten der romani 
schen Sculptur. Es ist aus Holz 
angefertigt, roth angestrichen, 
an den Fussenden in Bronze 
besatz in Form von Löwen 
tatzen, in deren Klauen sich 
verschiedene Figuren in Todes 
qualen winden, an vielen Stel 
len der Füsse mit kleinem El 
fenbeinschnitzwerk und an den 
Seitenlehnen mit Tempera- 
Malereien geziert. Die Ober- 
theile der beweglichen Enden 
schliessen mit prachtvoll stylisirten Löwenköpfen aus 
Elfenbein, die Schnitzwerke der Flächen bestehen theils 
aus dem Mönchsleben entnommenen Scenen, theils aus 
Heiligen - Gestalten und Ornamenten. Die Seitentheile, 
zwischen welchen das Sitzleder eingespannt ist, sind am 
Rande mit 2 sehr schön stylisirten Drachen ausgestattet. 
Die Zeit der Anschaffung dürfte mindestens mit jener 
der Verleihung des Rechtes der Abtissin, sich des 
Stabes und des Faltistoriums bedienen zu dürfen, Zu 
sammentreffen, d. i. 1235, die Schnitzereien hingegen
	        
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