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dürften dem XI. Jahrhundert entstammen und könnten
italienische Arbeit sein. Die Tempera-Malereien sind
bedeutend jünger. Jedenfalls hat diesem Stuhle ein
älterer zum Vorbilde gedient (Fig. 23, 24).
Der zweite Wand-Schrein enthält eine grössere An
zahl kostbarer Profangegenstände, als einen Pocal aus
vergoldetem Silber , auf dem Deckel ein Blumenstrauss
(Nr. 253), einen zweiten solchen mit einem Bergmann
am Deckel (Nr. 259), einen Pocal aus Bauchtopas mit
erhaben eingeschnittener Maske und Blattwerk (Nr. 257),
sämmtlich aus dem XVII. Jahrhundert und Eigenthum
des Grafen von Meran. Einen ähnlichen, aber etwas
höheren Pocal aus Silber brachte das Stift St. Florian
zur Ausstellung (Nr. 240). Ein Pocal aus Bergcristall,
Geschenk des Kaisers Karl VI. bei Gelegenheit seiner
Durchreise durch Wippach am 5. September 1728 an
Friedrich Grafen Lanthieri, gegenwärtig noch im Be
sitze dieser Familie. Aus dem Museum zu Linz fand
sich ein dem XVI. Jahrhundert angehöriges grosses
Trinkhorn (Nr. 183) ausgestellt. Dazu ist ein Auerochs-
horn benützt, das in Messing gefasst und mit zwei sol
chen Füssen versehen ist; am oberenKinge dasemaillirte
hohenlohische Wappen. Es stammt von Georg I. von
Hohenlohe, Bischof zu Passau (1388), der zu Ebels
berg bei Linz residirte. Ein zweites solches Horn (Nr.
266) gehört dem Baron Kudolph Mandell in Grätz; es
ist in vergoldetem Silber gefasst und weit zierlicher
ausgestattet (der Träger eine Figur) als das erst
erwähnte, dürfte auch um mehr als ein Jahrhundert
älter sein. Ein höchst werthvoller Gegenstand ist die dem
Grafen Heinrich Herberstein in Eggenberg gehörige
Taufschüssel sammt Kanne aus dem XVI. Jahrhundert,
Silber, vergoldet; in der Mitte der Schüssel das Wappen
der Familie, herum in Hochreliefs die Verkündigung,
Geburt, Kreuzigung und Auferstehung. Auf der sehr
elegant geformten, in Fig. 116 abgebildeten Kanne,
in gleicher Arbeit das Opfer Abraham’s (Nr. 262 und
263). Hier fanden sich auch zwei Krüge von Silber aus
dem XVI. Jahrhundert, der eine gravirt, Eigenthum des
Grafen vonMeran(Nr. 261), der andere theil weise vergol
det, mit reicher Filigranarbeit, Eigenthum desM. Lublin in
Brody (Nr. 264); ferner eine sechseckige Büchse aus Lapis
lazuli, die silberne Fassung mit schöner Emailmalerei,
XVII. Jahrhundert (Graf Heinrich Herberstein, Nr. 265),
, ein sechseckiges Schmuckkästchen des Stiftes Kloster
neuburg mit spitzer Bedachung ; die Flächen aus ge
schnitzten Knochen, auf deren jedem zwei Figuren, an
den Ecken hingegen Schildträger dargestellt sind. Auf
dem Deckel fliegende Genien in Beinrelief. Die Orna-
mentirurig des dem XIV. Jahrhundert angehörigen Käst
chens ist aus farbigem Beinmosaik angefertigt (Nr. 245).
Ein sehr schöner Krug aus Elfenbein mit dem Sieges
zuge David’s in Hautrelief, die Fassung mit ver
goldetem Silber, XVII. Jahrhundert, Stift Neukloster
(Nr. 242).
Von kirchlichen Gegenständen sahen wir hier ein
Altärchen von Ebenholz mit Säulen von Lapis lazuli, in
der Mitte ein Oelbild auf Kupfer, darstellend Christus
am Oelberg, gemalt von Scozzi (Stift Schotten in Wien,
Nr. 244). Ein Reliquienschrein aus Holz, 8*/ 3 " lang,
5" 3"' tief, 8i/i" hoch von sehr eleganter Form und
theilweise bemalt (Fig. 87). Sämmtliche Flächen sind
mit Pergament überzogen, worauf auf Goldgrund theils
Scenen aus dem Leben Christi, theils Heiligengestalten
und auf dem Deckel die Symbole der vier Evangelisten
gemalt sind. XIV. Jahrhundert, Eigenthum des Stiftes
Klosterneuburg in Niederösterreich (Nr. 246); ein zwei
ter, etwas grösserer Schrein aus Holz, V lang, 9" tief,
9" hoch. Die vier Seitenflächen hat man an den in
Quadraten Feldern geschnitzte und vergoldete Roset
ten, die Kanten des Deckels sind mit Krabben besetzt
und die Flächen des Letzteren mit Ornamenten bemalt.
XV. Jahrhundert (Fig. 88); ebenfalls Eigenthum des
Stiftes Klosterneuburg (Nr. 247).
Fig. 97. (Prag.)
Das kostbare Kreuz aus dem Stifte Hohe nfurt in
Böhmen (Nr. 248). Diese Abtei darf sich rühmen, in
diesem Gefässe eine der schönsten Leistungen zu be
sitzen, welche die Goldschmiedekunst je hervorge
bracht hat. Dieses kostbare, theils aus vergoldeten
Silberplatten, theils ans reinem Golde angefertigte Reli-
quiar hat die Form eines Patriarchen-Kreuzes mit zwei
Queren, die fünf Enden sind lilienartig gestaltet.
Einer ununterbrochenen Tradition nach hat dieses
Kreuz der im Jahre 1290 zu Frauenberg als Rebell
enthauptete und zu Hohenfurt beerdigte Zavis von
Rosenberg und Falkenstein der dortigen Kirche ge
schenkt; was auch dadurch bestätigt wird, dass in
einem im Jahre MCCCCLXXIX nach einem noch älteren
Originale gemachten Todtenverzeichnisse des Stiftes
ausdrücklich die Worte zu lesen sind: „24. Augusti
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