besetzt, das der Kirche zu Bartholomäiberg in
Vorarlberg gehört (Nr. 256). An den Enden der Quer
balken zwei nimbirte Halbfiguren in Relief, theilweise
emailirt, am Fusse eine solche ohne Nimbus. Christus,
halbrunde Figur, trägt die Charakteristik der für diese
Darstellung üblichen frühromanischen Conception, hat
jugendliches Aussehen, ein bis zu den Knien reichendes,
blau emailirtes Lendengewand, ist bärtig und gekrönt,
die Füsse sind auf einen Schemel nebeneinander gestellt
und abgesondert angenagelt; die ebenfalls blau emailirte
Rückseite ist an den Balken-Enden mit je einer vier
passförmigen Platte, darauf in Schmelzfarben die Evan
gelistensymbole und in der Mitte mit einer grösseren
rhombenförmigen Platte besetzt, darauf, ebenfalls in
Schmelz dargestellt, der triumphirende Christus. (Fig. 40).
Obwohl noch mit gothischen Reminiscenzen ausge
stattet, gehört doch das Vortragekreuz der Pfarr
kirche Gross-Lobming in der Steiermark (Nr. 258)
in das XVII. Jahrhundert. An dem runden Knaufe sind
in kleinen silbervergoldeten Medaillons Heiligengestal
ten dargestellt und die Flächen der Vorder- und Rück
seite des Kreuzes mit durchbrochenen Metallplatten
auf rothem Sammtgrunde belegt. Die Vorderseite zeigt
in der Mitte Christus am Kreuze, an den Enden der
Querbalken Maria und Johannes und an dem oberen
und unteren Ende des Kreuzes zwei Heilige; die Rück
seite zeigt in der Mitte Christus als Weltrichter und in
den Kreuzes-Enden die Symbole der vier Evangelisten.
Endlich ist noch zu erwähnen ein kunstreich geschnitz
tes grosses Elfenbein-Crucifix aus dem XVII. Jahr
hundert, Eigenthum der Stadtpfarrkirche in Linz (Nr.238).
Von den zwei hier ausgestellt gewesenen Kelchen
gehört der einfachere der Pfarrkirche zu Juden bürg,
er hat die bescheidene gothische Form, stammt aus dem
XV. Jahrhundert; der zweite und weitaus werthvollere
Kelch von 6" 3"' gehört dem Stifte Admont; er ist
zwar in der Hauptsache im gothischen Style ausge-
fiihrt, zeigt jedoch noch zahlreiche Reminiscenzen des
romanischen Styles, wozu besonders die runde Form
des Fussses und der kugelförmige Knauf gehören.
Dieses zähe Festhalten an den Formen des in der vorher
gegangenen Zeit üblichen und in der Architektur bereits
abgelehnten Styles ist ein Characteristicum des Klein
kunsthandwerks. Auf der Fläche des Fusses sind vier ovale
Medaillons mit folgenden Darstellungen in Hautrelief
angebracht: 1. Maria Verkündigung, 2. Geburt Christi,
3. Opferung im Tempel, 4. Christus am Kreuze mit Maria
und Johannes. Am Rande der ziemlich hoch profilirten
Fussfläche unter den Medaillons lesen wir die in gothi
schen Majuskeln geschriebene Worte: „Mater . dei.
miserere mei.“ Den Zwischenraum der Reliefbildchen
hat der kunstreiche Goldschmied mit vier grösseren
und vier kleineren spitzigen Dreifüssen ausgefüllt. An
dem Ständer ober dem Knaufe sind die Worte: Ave
Maria, unter demselben die Worte: Gratia plena zu
lesen. Um den runden etwas platt gedrückten Knauf
lauft in niellirten Buchstaben die Inschrift: Dns . engel-
bertus . drichopf . hunc. calicem . comparavit . anno dni
MCCCL. DerKnaufist in Halbkreisen mit Thier-,(Pelikan-)
und Pflanzenbildungen verziert. Dieser silber-vergoldete
Kelch (7 3 / 4 " hoch) ist eines der schönsten Muster dieser
Gefässe, von einfacher Haltung und Harmonie der Theile.
(Fig. 54).
In diesem Kasten fanden sich auch mehrere Platten
von vergoldetem Kupfer mit herrlichem Email champleve
geschmückt. Die grösste darunter stellt vor Christum
in der Glorie, auf dem Regenbogen sitzend, in der linken
Hand ein Buch, die rechte zum Segen erhoben. In den
vier die Mandorla umgebenden Feldern die Evangelisten
mit den nimbirten Köpfen ihrer Symbole. Die Darstel
lungen umrahmt ein Inschriftsstreifen, darauf folgende
Worte: + in me preterito | n (sic) prese | ns manet atq
| futurum. Auf vier anderen Platten sind die sitzenden
Figuren der Evangelisten (2 mit zwei, 2 mit vier Figuren)
unter Rundbögen dargestellt. Sämmtliche Apostel tragen
je ein Buch, Petrus die beiden Schlüssel. Diese dem
XII. Jahrhundert entstammenden Emails, Eigenthum
des Stiftes Voran, gehörten wahrscheinlich einem
Reliquienbehälter an, wurden in neuerer Zeit zu einem
höchst geschmacklosen Kästchen ähnlich einer Rauch-
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Fig. 99. (Innsbruck.)