72
Mosaik-Reliefs, darstellend die Verkündigung Marien’s
nach dem bekannten Bilde Fiesole’s (Nr. 371), eines Haus-
altärchens mit schönem Elfenhein-Diptychon (Nr. 381),
eines sehr zierlichen gothischen, silbernen vierpass
förmigen Reliquiar’s zum Anhängen, aus dem XV. Jahr
hundert (Nr. 388), des Rosenkranzes eines geistlichen
Ritters, die Kugeln von Eisen mit Silber und Gold
tauchirt (Nr. 461), eines grossen Crucifixes von Elfen
bein aus dem XVII. Jahrhundert (444) und eines Haus-
altärchens mit Flügeln, darauf sehr feine Holzschnitze
reien.
Indem wir uns auf das früher Uber die Krummstabe
Gesagte beziehen, geben wir hier eine gedrängte Beschrei
bung des Krummstabes aus dem Stifte Raigern.
Der Obertheil ist aus vergoldetem Messing, der Schaft aus
Messing angefertigt, letzterer, der den spät-gothischen
Charakter an sich trägt, unzweifelhaft ein jüngerer Er
satz für den ursprünglichen, wahrscheinlich hölzernen
Stiel. Der Nodus besteht eigentlich aus drei Theilen,
deren oberer und unterer achtseitig ist, der dritte Theil
klein , ringförmig und in einer Art Einkehlung Zwi
schenteil beiden anderen Theilen angebracht. Aus dem
Nodus entwickelt sich die schön gebogene Krümmung
mit einer Rückbiegung beginnend. Dieselbe ist an
ihrem oberen Rande mit dünnen, wellenförmig einge
kerbten, eine einfache Schlinge bildenden Krabben be
setzt. Auf den beiden flachen Aussenseiten der Krüm
mung findet sich je eine Inschrift auf dunkelrothem und
dunkelblauem Emailgrunde mit gothischen Minuskeln
zwischen goldenen niellirten Laubverzierungen. Die
Inschrift lautet : Christus vincit, Christus regnat, Christus
imperat, — Jhesus autem transiens per medium illorum
ihat. Die Mitte der Krümmung ziert ein Doppelreliel
aus Elfenbein, jüngere Arbeit, dessen Darstellungen mit
der erwähnten Inschrift im Zusammenhänge stehen. Die
eine Seite des Reliefs zeigt die Mutter Gottes mit dem
Kinde am Arme, an den Seiten je ein Engel mit einem grün
bemalten Stab, die andere Seite den gekreuzigten Er
löser mit Maria und Johannes. Beide Flachseiten sind mit
Fig. 106. (Linz.)
sind von mustergültigen Formen. Das Franzensmuseum
zu Brünn stellte ein kugelförmiges Ciborium aut schlan-
kemFusse von Messing aus, das noch aus dem XVI. Jahr
hundert stammt. Auf selbem finden sich folgende In
schriften : Am Fusse: ego sum panis, auf der Schale.
hoc est corpus jesu christi, am Deckel: corpus dni
nostrijesu j- (Fig. 63, Nr. 491). Das den Deckel krönende
Patriarchenkreuz dürfte eine jüngere Zuthat sein.
Der beengte Umfang, den wir dieserBesprechung wid
men können, nöthigt uns, mancher immerhin werthvoller
Gegenstände nur kurz zu erwähnen, wie eines hübschen
Fig. 107. (Velthurns.)
Mährisch-Trübau unter Ladislaus von Zierotin (1597
bis 1620). Dieses Kelches bedienten sich die mährischen
Brüder. Schöne Arbeiten repräsentiren die ndt reichem
Filigranbesatz gezierten Messkännchen des Augustiner-
Stiftes in Brünn, ferner die silberyergoldeten Mess-
kännchen sammtTasse und eine desgleichen Kanne sammt
Tasse des StiftesNeureisch (Nr. 406, 386und407). Diese
Gegenstände, obgleich dem XVIII. Jahrhundert angehörig,