böhmische Löwe. Vier Goldreifen verbinden die innen
gerippte Schale mit dem Fusse und mit dem silberver
goldeten Reif, der den Rand der wahrscheinlich antiken
Schale einfasst (Nr. 571, Fig. 103). Das silberne, theil-
weise vergoldete Reliqu iar (Nr. 568) in Form einer
siebenblättrigen Rose und als Agraffe dienend, hat
eine Flächenausdehnung von 11 '/ 3 Centimeter. Die obere
Hälfte ist mit reichem Laubornament, edlen Steinen und
in der Mitte mit einem Basrelief- Medaillon aus Perl
mutter verziert, darauf der Tod Marien’s dargestellt
Ist. Die Rückseite enthält in der Mitte hinter Krystall-
verschluss eine Reliquie; um denselben hat der
Künstler sieben blattförmige Medaillons auf blau-
emailirter Fläche angebracht, Christum, die vier Evan
gelisten, einen Strauss und einen Drachen darstellend.
Composition und Ausführung des Schnittes, Fassung und
Email lassen vermuthen , dass dieses schöne Werk in
der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts entstan
den ist (Fig. 82).
Auch jene bekannten zwei Elfenbeinhörner des
Domschatzes, welche unter dem Namen der Rolands-
h örne r in archaeologischen Fachschriften schon wieder
holt besprochen wurden ', waren zur Ausstellung gebracht
(Nr. 575 und 576). Derlei hauptsächlich als Jagd- und
Kriegshörner dienende Denkmale aus der karolingischen
Epoche und den beiden folgenden Jahrhunderten finden
sich ausser diesen nur in wenigen Sammlungen, wie zu
Aachen, Upsala, Angers, Jaszbereny und in der Ambra-
ser-Sammlung zu Wien. An denselben wurde die durch
den Elephantenzahn vorgezeichnete Form beibehalten
und ihnen durch meist sehr roh ausgeführte Orna
ment-Streifen und figürliche Darstellungen eine Ver
zierung gegeben, die gewöhnlich Anspielungen auf die
Jagd enthielten. Wo Kaiser Karl IV. diese Hörner,
die wahrscheinlich ausser Europa angefertigt wurden,
erworben hat, ist nicht sicher bekannt; obwohl eine
Tradition wissen will, dass sie aus dem am Rhein gele
genen Kloster Nonnenwörth stammen, so ist doch anzu
nehmen, dass er sie auf seiner ersten Römerfahrt er
warb. Das grössere und reicher verzierte Horn, daran
das Mundstück fehlt, ist in vier dessen Körper quer
umziehende Streifen abgetheilt, die durch ein Band von
schönen Blatt-Ornamenten begränzt sind. Der oberste
und unterste Streifen enthält Medaillons mit Thier
köpfen und Gladiatoren, die beiden mittleren in Galopp
dahineilende Viergespanne, dabei in der dritten Reihe
kleine Jagdscenen, Hasen und Rehe von Hunden ver
folgt. Das thierähnliche Ornament bei dem Luftloch
des Hornes ist leider verstümmelt. Das zweite Horn
ist weit einfacher und in der Hauptsache nur mit .Band
verschlingungen decorirt, die Mitte davon nimmt ein
landschaftliches Relief-Bild und eine Jagdscene ein
(Fig. 19).
Ein nicht minder werthvoller Gegenstand war die in
ihrer Ausführung äusserst edle und anziehende, elfen
beinerne Marien Statuette des Prager Domschatzes.
Die Madonna hält in eleganter Bewegung mit beiden Hän
den das auf dem linken Arm sitzende Kindlein und scheint
zu ihm blickend, mit ihm im Zweigespräch begriffen zu sein.
Diese wechselseitige Beziehung hat der Küifstler sehr
naiv ohne allen Zwang zum Ausdruck gebracht. Von
grosser Schönheit und edler Durchführung ist die wellen-
1 S- Heider Eitelberger: Kunstdenkmale des österreichischen Kaiser
staates Nr. 65.
förmig herabfliessende Gewandung dabei noch frei vom
künstlichen Faltenwurf. Gleichwie das Piedestal mit
vergoldeten Rändern, welches als Reliquiar sich unten
öffnet und mittelst eines Krystalls die Befestigung der
Reliquie zulässt, eben so sind die Krönchen Zugaben
des XV. Jahrhunderts. Die Statuette selbst, französische
Arbeit, dürfte in der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhun
derts entstanden sein (Nr. 565, Fig. 97).
Fig. 113. (Salzburg.)
Das den schon erwähnten Reliquienschreinen der
Stifte Klosterneuburg und Kremsmünster ähnliche
Emailschreinchen des Prager Domschatzes war eben
falls ausgestellt (Nr. 580). Es hat die Form einer
Tumbe und zeigt auf blauem Email-Grunde leichtes
Rankenwerk, an den Seiten Metallfigürchen, Apostel
in streng typischer Weise darstellend. Die Haupt
seite ist mit der Passionsgruppe (nämlich Christus,