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gekreuzigt, daneben Maria und Johannes) und mit zwei
grösseren hageren Figuren geziert, die wahrscheinlich
die Synagoge und christliche Kirche, eine im XII. und
XIII. Jahrhundert sehr beliebte Darstellung, veranschau
lichen sollen. Die schräg ansteigende Bedachung zieren
Halbfiguren von Engeln. Alle diese Figuren sind aus Mes
sing im schwachen Relief ausgeführt und vergoldet.
Die Rückseite wird durch in Email ausgeführtes viel
artiges Laubornament in quadratischen Abtheilungen
belebt. Diese schöne rheinische Arbeit mag in das be
ginnende XIII. Jahrhundert gehören.
Fig. 114. (Admont.)
Der unter der Bezeichnung „Gründonnerstagkelch“
im Prager Domschatz - Verzeichnisse erscheinende
Kelch (Nr. 570) ist von Silber und vergoldet und
hat eine Höhe von 18 '/ 2 Centimeter. Seine Form ist
höchst einfach: ein sechsblättriger Fass mit hoher
Profilung, ein sechstheiliger Knauf, in seinem oberen
Theile mit sechs mit Masswerk verzierten fensterähn
lichen Durchbrechungen, und endlich eine nach unten
sich verengende, in der Mitte mit einem Lilienbande ver
zierte Cupa; so war der Kelch, wie er im ablaufenden
XIV. oder beginnenden XV. Jahrhundert angefertigt
wurde; doch kurze Zeit darauf, als der Einfluss der
Gothik auf die Producte der Goldschmiedekunst erst
unbedeutend abgeschwächt war, schmückte man ihn
mit Steinbesatz und silbernem Blattwerk am Fasse und
Nodus und am unteren Theile der Cupa, und gab ihm
ein jüngeres Aussehen als sein Alter wirklich ist. Noch
ist ein zweiter Kelch aus derselben Sammlung ausgestellt.
Derselbe stammt vom Erzbischöfe Ferdinand Grafen
von Khuenburg, ist von Silber und vergoldet, mit
Silberfiligran überzogen und stellenweise mit Email-
bildern geziert (Nr. 566). Von demselben Erzbischöfe
sind der Obertheil des Pedums und eine Mitra aus
gestellt, die bereits die jetzige nichts weniger als schöne
Form zeigen (Nr. 567). Die grosse, dem Domschatze
entnommene, sonnenförmige Monstranze (Nr. 572)
verdient besonders aufmerksame Besichtigung wegen
der an derselben angebrachten Agraffen, die dem
Hochzeitskleide eines ungarischen Magnaten aus dem
XVII. Jahrhundert entnommen wurden. Dieselben zeigen
kleine Thiergruppen (Strauss, Elephanten, Hirsche,
Hunde etc.), sind von vorzüglicher Zeichnung, mit den
herrlichsten Emails geschmückt und in geschmack
voller Weise mit Edelsteinen besetzt. Noch ist zu
erwähnen das Schmuckkästchen der Kaiserin Eleonore,
Genialin Kaiser Ferdinand II. (1622—1655), das sehr
reich mit farbigen Emailornamenten geschmückt ist und
auf dem Deckel ein Figürchen trägt.
Das Stift Strahov brachte zur Ausstellung einen
Kelch aus dem XV. Jahrhundert (Nr. 561), ein Altar
kreuz aus vergoldetem Silber, 1' 6" hoch, aus dem Ende
des XIV. Jahrhunderts, das in der gesarnmten Compo-
sition, in den Details, in dem Steinbesatz und in der
Technik an das schon beschriebene Melker Prachtkreuz
erinnert. Die Ähnlichkeit ist so auffallend, dass dieses
geradezu als eine Nachbildung des letzteren angesehen
werden kann (Nr. 562). Ferner ein noch im XIV. Jahrhun
dert angefertigtes Beliquiar aus vergoldetem Silber. Die
Reliquie -- ein Rückenwirbel — ruhet auf einem gothi-
schen Unterbaue und auf ihm steht ein zierliches Figür
chen eines Heiligen, die Reliquie ist somit nicht in ein
Gefäss verschlossen, sondern als Tlieil des Schaustückes
behandelt (Fig. 84, Nr. 563); endlich ein ganz vor
zügliches in Holz ausgeführtes Hochrelief mit dem Mono
gramm A. Dürer’s und der Jahrzahl 1497. Dieses Schnitz
werk, vier nackte Frauen vorstellend, ist nach einem Ku
pferstiche dieses Meisters in kunstvoller Weise ausgelührt
und stammt aus der ehemaligen Gallerie Orleans (Nr. 564).
Die in dem Kasten unter Nr. 556 befindliche
Bronzeschüssel, Eigenthum des Stiftes Tepl, wurde
der Tradition nach im Grabe der Hroznata gefun
den. Der Boden derselben ist ganz besonders ver
ziert. Die Mitte bildet ein Kreis, darinnen ein dreieckiger
Schild mit französischen Lilien, um den Kreis eine breite
Bordüre , die durch gravirte Ornamente in sechs Bogen
felder getheilt wird. Jedes Feld enthält eine männliche
und weibliche Figur, von denen die erstere ein musi
kalisches Instrument (Geige, Harfe etc.) spielt, wäh
rend die weibliche, bis zum Gürtel entblösste Gestalt
tanzend oder die Cymbel schlagend dargestellt ist. Die
Verzierungen sind emailirt. Die Technik und die künst
lerische Ausführung, insbesondere das böhmische Wap
pen auf der Rückseite des Bodens weisen diese Schüs
sel als ein Werk der Schule von Limoges in das XIII.
oder XIV. Jahrhundert (Nr. 356, Fig. 37).
Unter Nr. 617 war die sehr interessante Reliquien
tafel aus dem Stifte Bfevnov ausgestellt. Ursprünglich,
wie diess die Randinschrift ausdrücklich für das Jahr 1406
angibt, ein Buchdeckel, wurde etwa ein halbes Jahrhun
dertspäter daraus die heutige Reliquientafel angefertigt.
Von der Ausstattung als Buchdeckel dürften höchstens der
Steinbesatz am Rande und einige Stücke der Perlmut-
terschnitzerei, nämlich jene mit den Passionscenen und
die Wappen-Emails übrig sein; alles Übrige gehört der
späteren Umgestaltung an. Die Tafel ist 1' 11" hoch und
p 2" breit, mit einem breiten silbervergoldeten Rahmen