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Full text: Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

eingefasst, darauf der Besatz von ungeschliffenen Stei 
nen und drei Emails mit den Wappen des Stiftes und Böh 
mens. An den Ecken-Medaillons, die in Email translucide 
die Evangelisten-Symbole zeigen. Das vertiefte Mittelfeld 
theilt sich der Breite nach in drei senkrechte Felder, da 
von die beiden äusseren je 4 unter spät-gothischen mit 
Perlmutter verzierten Baldachinen eingestellte Perlmut 
terreliefs: die Verkündigung, als Doppelbild, Geburt, 
drei Könige, GeiselungundKreuzestod, und je 2 Evange 
listen enthalten, während sich im mittleren ein Cylinder 
befindet, der die Bestimmung hat, einen Armknochen der h. 
Margaretha aufzunehmen. Eine schöne spät-gothische Ar 
chitektur in Form von weitvorspringendcn Baldachinen 
dient oben und unten dem Cylinder zur Stütze, der ausser 
dem in der Mitte durch einen aus Lilienornamenten ge 
bildeten Reif gehalten wird. Die Goldschmiedezunft in Prag 
brachte zur Ausstellung einen Kelch und das sogenannte 
E1 i g i u s - R e 1 i q u i a r. Dieses interessante Gefäss stammt 
aus dem Jahre 1378 und hat die Form einer niedrigen Bi 
schofsmütze, wie selbe während des zu Ende gehenden 
XIV. Jahrhunderts noch allenthalben üblich war. Das Reli- 
quiar hat eine Höhe von 12" und bestellt ans einem silber 
vergoldeten Gehäus-Gerippe mit eingefügten Krystall- 
wänden. Von einem breiten metallenen Reifen als dem 
Unterbau des ganzen Gefässes erheben sich die Span 
gen und Stützen mit zierlichem gothischen Ornament, 
wie an einer wirklichen Mitra die beiden Schilder 
bildend. Auf jedem Cornu ist besonders ein quer 
laufendes Band mit Vierpass-Ornament bemerkens- 
werth; den oberen Cornurand schmücken zierliche 
Blätterknorren, die Spitze eine Kreuzblume. In diesem 
durchsichtigen Gehäuse erblickt man hinter den hellen 
Krystalltafeln einen rothen Seidenstoff, der die Mitra 
des heil. Eligius, des Patrons der Goldschmiede ver 
hüllet. Karl IV. erhielt diese Reliquie von König Karl 
von Frankre ch und schenkte sie den Prager Gold 
schmieden , welche dieselbe sofort kostbar fassen 
Hessen. Die gleichzeitige Inschrift mit der Chiffre des 
Kaisers d. i. dem gekrönten K versehen, enthält in zwei 
Zeilen folgende Worte: anno domini MCCC 1. XXVIII 
imfola seti eligii apportata est per serenissimum princi- 
pem at. dominum dominum karolum quartum roma- 
Horum imperatorem semper augustum et boemie regem 
donatum ei a domino Karolo rege francie que nobis 
avrifabris pragensibus per ipsum dominum nostrum im 
peratorem data est et donata ex gratia speciali. (Nr. 91, 
Fig. 85, s. Mittli. d. Centr.-Comm. VIp.280u.XIII. p.VI.) 
Die Decanalkireke zu Melnik stellte eine sil 
berne und theihveise vergoldete Hostienbüchse aus. 
Sie ist kreisrund und hat inclusive der Figuren eine 
Höhe von 5" bei einem Durchmesser von 4%". Das 
Gefäss, das mit Rücksicht auf die Ornamentation aus 
dem ablaufenden XV. oder beginnenden XVI. Jahrhun 
dert stammen mag, ruht auf drei Füssen, deren jeder 
einen knienden musicirenden Engel vorstellt. Die 
Schaleist untenflach und hat senkrechte Seitenwandung, 
die nach oben mit einem fortlaufenden gothischen 
Lilienornament abschliesst. Um die ganze Aussenseite 
der Wandung schlingt sich ein meisterhaft durcbgefUhr- 
tes Ornament aus rankenden Blumen und Blättern, das, 
selbständig ausgeführt, reliefartig aufliegt. Der abheb 
bare Deckel ist nach aussen mit einem Zaune abge 
schlossen, was die geflochtene Umzäunung des Ölberges 
vorstellen soll. Inner desselben ist die Todesangst 
Christi am Ulberge dargestellt. Wir sehen Christum 
gegen einen Felsen gewendet knien, darauf der Kelch 
steht, um ihn liegen schlafend seine Begleiter Petrus, 
Jäeobus und Johannes. Die Figuren sind ungenügend, 
die Gruppirung lebhaft. Mit Rücksicht auf Zeichnung 
und Ausführung ist anzunehmen, dass dieses Werk ein 
Goldschmied von Strebsamkeit und künstlerischer Bega 
bung angefertigt hat, dem manche bedeutende Werke 
dieses Kunsthandwerkes aus früheren Zeiten nicht unbe 
kannt geblieben sind, wodurch in ihm eine gewisse und 
an dem Werke deutlich merkbare Läuterung des Ge 
schmackes bewirkt wurde (Nr. 589, Fig. 64). 
Fig. 115. (Wien.) 
Um der anderen, minder werthvollen in diesem 
Kasten aufgespeicherten Gegenstände noch zu geden 
ken, sei noch erwähnt: Ein dem König Mathias Corvi- 
nus zugeschriebener Rosenkranz von durchbrochener 
Arbeit, XV. Jahrhundert, Eigenthum der Stadt Budweis 
(Nr. 554); ein Becher von Holz mit feinem figuralen 
Schnitzwerk, Eigenthum der Stadt Melnik (Nr. 588); 
derselbe ist P2" hoch, hat die Formeines sich nach oben 
erweiternden Cylinders, war ein Ehrenbecher, womit 
ausgezeichneten Gästen der Stadt der Ehrentrunk 
credenzt wurde. Uber und über mit Holzschnitzwerk in 
Relief, Scenen aus dem Leben Christi verziert, erinnert 
er an die russischen Holzschnitzwerke, die mit figuralen 
Gruppen ganz bedeckt sind. Ähnlich ist der niedrige 
Deckel behandelt. Der Becher stützt sich auf kleine 
Löwen mit Wappenschildern, an einem derselben die 
Jahreszahl 1582. Zwei Wärmeäpfel, runde, zierlich 
durchbrochene Gefässe, bestimmt zur Erwärmung der 
Hände des Priesters während des Messopfers, der erste 
von reicher, zierlich durchbrochenen Arbeit in Erz und 
theilweise vergoldet und dem Herrn Richter in Königs- 
saal gehörig, scheint eher orientalische Arbeit zu sein. 
Der andere mag aus dem XIV. Jahrhundert stammen. 
Wir finden hier noch Pocale und Krüge, theils aus 
edlem Metall, theils mit Elfenbeinbesatz, kleine Casetten 
von Silber mit Gravirungen, Elfenbeinplättchen mit 
schönem Relief, zwei schön geformte Markenzähler zum
	        
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