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Full text: Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

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Gebrauche beim Kartenspiel, aus Bronce, eine ganz 
besonders zierliche Renaissance-Arbeit mit Carneolbesatz, 
dem Grafen Waldstein in Dux gehörig und eine kleine 
goldene Kette des älteren Todtenkopf-Ordens. 
Unter den Waffen sahen wir das prachtvolle säch 
sische Curschwert von 1533, Griff und Scheide reich 
mit Silber verziert, die getriebenen Ornamente im Re 
naissance - Style in Manier des Aldegrever, auf dem 
Knaufe die Porträts der Curfürsten: Friedrich des 
Weisen und Johann des Beständigen (Nr. 555, Eigen- 
thtimer: Fürst Edmund Clary); einen orientalischen Dolch, 
dessen Scheide reich mit Silber verziert, und ein indisches 
Dolchmesser , dessen Griff mit Edelsteinen eingelegt, 
beides Eigenthum des Fürsten Camillo Rohan. Ein mit 
Elfenbein besetzter Dolch des Herrn Anton Richter in 
Königssaal aus dem XVI. Jahrhundert, ein anderer 
Dolch von 1716 und ein persischer Dolch aus der 
Sammlung des Ritters von Leutzendorf, 
Fig. 116. (Wien.) 
Der vierte^ die Mitte des Saales einnehmende 
Schrein enthielt einen Theil der Münzsammlung des 
Deutschen Ritterordens in Wien (Nr. 347). Mit der 
Schenkung des Kulmerlandes, 1226, erhielt der deutsche 
Ritterorden vom Kaiser Friedrich II. das Münzregale. 
Nach der Kühner Handfeste vom 28. Deeember 1233 
nahm der Orden die Kölner Mark (16 Loth feines Sil 
ber) als die in der Handelswelt am meisten accreditirte 
zum Massstabe seiner Münzberechnung, und Hess aus 
derselben blos 60 Schillinge, den Schilling zu 12 Pfen 
nige, schlagen. 
Die harten Verluste im Ordenslande brachten es im 
Verlaufe von 300 Jahren dahin, dass unter dem letzten 
Hochmeister in Preussen, Albrecht von Brandenburg, 
aus einer feinen Mark Silber bereits 13'/ 4 Mark Münze 
geprägt wurden. 
Die Hauptmünzstätte des Ordens war bis 1454 zu 
Thorn, eine zweite, doch nur kurze Zeit, in Marien 
burg und eine dritte in Danzig. Nach dem Abfall der 
grossen Städte vom Orden, 1454, Hess der Orden einige 
Zeit allein in Marienburg prägen, darauf seit 1457 in 
Königsberg, und dort verblieb die Münze bis zur Secula- 
risirung des Landes (1525). 
Neben dem Orden übten auch die Ordensbischöfe 
in ihren Territorien: Dorpat, Riga und Olsel, und der 
Meister in Liefland das Münzregale aus, hingegen die 
Städte: Danzig, Elbing, Thorn und Riga erst seit ihrem 
Abfalle vom Orden (1454). 
Münzen, welche im Ordenslande geprägt wurden, 
waren: 
a) Denare oder Pfennige, Bracteate (Hohlpfennige ge 
nannt) ; einzige gangbare Münze bis auf den Hoch 
meister Wynrich von Kniprode, welcher 1382 starb. 
b) Solidus oder Schilling, die Hauptmünze des Ordens, 
als 60. Theil einer Mark von Wynrich bis auf 
Johann von Tiefen, gestorben 1497. 
c) Groschen. Dieser begann zuerst unter Johann von 
Tiefen und blieb, weil er nach dem Muster der da 
maligen polnischen Groschen zu 3 Schillingen 
geschlagen wurde, dieLieblingsmünze des Landes. 
d) Halbschoter, von denen 45 eine Mark betrugen, 
wurden zuerst unter Wynrich, dann aber auch 
unter dem Hochmeister Michael Kuchmeister (-|-1424) 
aber nur versuchsweise geprägt. 
e) Vierchen; sie galten 4 Pfennige und waren der 
vierte Theil des Halbschoters, blos unter Wynrich 
und Konrad von Rotenstein (f 1390) geprägt. 
In Liefland waren die ersten Münzen, welche man 
in Dorpat schlug, Schillinge und Artige, später münzte 
man auch Ferdinge, welche 5 Schillinge galten. Durch 
den Münzvertrag zu Walk vom 13. Januar 1426 sollte 
der Schilling von nun an Artig und der Schestling 
(i/ 2 Schilling) Scherf heissen, 3 Lübische Pfennige aber 
auf einen neuen Artig gehen, und ausser Artigen, Liibi- 
schen und Scherfen keine andere MUnzsorte im Gange 
bleiben. 
Sowohl die preussischen, wie die liefländischen 
Münzsorten waren von Silber, Goldmünzen kennt man 
nur vom Hochmeister Heinrich von Plauen (f 1470) 
und von Albrecht von Brandenburg. 
Nachdem durch Kaiser Karl’s V. Diplom vom 
6. Deeember 1526 die Administration des Hochmeister 
thums in Preussen mit dem Deutschmeisterthume ver 
bunden wurde, überging das Münzregale des Ordens in 
Preussen auf den 1529 in den Reichsfürstenstand erho 
benen Meister in Deutschland und Wälschland, Walther 
von Cronberg (f 1543) und durch ihn auf alle seine 
Nachfolger. Diese hielten sich in den Münzbestimmungen 
nach dem fränkischen Kreise, zu welchem der Ordens 
sitz Mergentheim gehörte, machten jedoch, mit Aus 
nahme des Titularkönigs von Polen und Hoch- und 
Deutschmeisters Erzherzog Maximilian I. (f 1618), 
welcher den Prägestock viel benützt hatte, von dem 
ihnen zustehenden Rechte nur einen sehr bescheidenen 
Gebrauch, bis dasselbe die letzten zwei souveränen 
Meister, Erzherzog Karl Ludwig und Erzherzog Anton 
Victor, gänzlich ausser Acht Hessen.
	        
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