82
storbenen —; die beiden Fürsten sind im vollen fürstli
chen Schmuck dargestellt und tragen das Modell des
Klostergebäudes ihrer Stiftung auf der Hand.
Ein Theil der Wände war mit Waffen decorirt, als:
Bidenhänder, Flammberge, Bappiere, Bicht- und Vor
trageschwerte, geätzte Partisanen, Hellebarden, Säbel,
kleine Holztarschen u. s. w., entnommen den Sammlun
gen des Joanneums und H. Karl v. Pichler in Grätz,
der Städte Enns, Steyr, Iglau und Hradisch; auch
fand sich ein Tableau schöner südslavischer Waffen.
Zum Schlüsse haben wir noch
zu erwähnen einer werthvollen Col
lection von älteren Sevres-Porcel-
lain-Tellern (Eigenthum des Freih.
A. v. Rothschild Nr. 551) der Mar
morbüste, vorstellend die Kaiserin
Hortense (Eigenthum des Grafen
Franz Enzenberg) und einer lebens
grossen prachtvoll ausgeführten
Bronze-Büste eines vornehmen Ve-
netianers. Dieses vorzügliche Werk
mag dem XVI. Jahrhundert ange
hören (Nr. 223).
Wir haben früher schon be
merkt, dass in der mährischen Ab
theilung einige und zwar sehr inter
essante Siegelstempel ausge
stellt waren, darunter die Siegel der
Städte Leipnik, Iglau , Znaim und
Hradisch (von welchem letzteren,
das aus dem XV. Jahrhundert
stammt, in Fig. 119 eine Abbildung
folgt). Diess veranlasste das In-
stallations-Comite, eine weitere Col
lection älterer Siegelstempel zur
Ausstellung zu bringen und diesel
ben sammt den dazu gehörigen Ab
drücken in besonderen Vitrinen
auszulegen. Wir fanden daselbst
etliche Städte und Gemeindesiegel
z. B. von Braunau, Enns, Grein,
und Wien, Siegel von Klöstern
und Kirchen , z. B. des Klosters
a (Ungarn)
Fig
Znio bei Varalja (Ungarn) von
1291, des Dominicanerklosters in
Steier von 1629 , des Klosters
Chotieschau (Böhmen) von 1674,
Siegel von Innungen, gewerblichen
und anderen Corporationen, wie
der Weber-Innung in Timmelkam
(1625), der Frohnleieknamsbruder-
schaft in Klagenfurt (1633), end
lich Siegel von Familien und einzel
nen Personen, z. B. des Sibotto von
Lonstorf (1230), des Hermann von
Kranichfeld (1240), des Sebastian
Oed von Götzendorf (1587), des
Alexander Schwendi (1625) , des
Joachim Enzmillei , Grafen von
Windhag (1669) u. s. w. Die aus
gestellten Stempel reichen mit
wenigen Exemplaren bis ins
XIII. Jahrhundert zurück , einige
118. (Gurkfeld.) gehören dem XIV. , die meisten
hingegen dem XV. bis XVIII. Jahrhundert an. Die
Stempel selbst sind tlieils aus Silber angefertigt,
theils wurde Bronze (Messing) dazu verwendet. Einige
Stempel bestehen bloss aus einer mehr oder minder
dicken Platte, etliche sind auf der Bückseite mit einem
theils festen, theils beweglichen, mitunter verzierten
Bügel als Handhabe versehen. Die jüngeren Stempel
sind bereits auf eiserne Stöcke gelöthet, oder an höl
zernen Griffen befestigt. Wir fügen hier in Fig. 120, 121
und 122 die Abbildung in natürlicher Grösse jenes von
Grein und zweier ausgestellter Siegel der Stadt Wien
bei. Die erstere (ein Silberstempel) zeigt uns das diesem
Orte seit 1468 verliehene Wappen und zwar ein Buder-
schiff die gefährliche Fahrt zwischen den Felsen der
Donau unterhalb Grein machend, die zweite (Bronze
stempel) erscheint an Urkunden um 1399 und zeigt das
im XIV. Jahrhundert übliche Wappen von Wien, die
letztere, ein Secret-Siegel, stammt aus dem Jahre 1503
uud zeigt das seit 1464 übliche Siegel der Stadt mit
dem einmal gekrönten Doppeladler sammt dem Kreuz
schildlein auf der Brust. Der stark abgenützte Siegel
stempel ist von Silber. An dieser Siegel-Ausstellung
betheiligten sich die Stadt Wien, die Herren Dr.v. Hart-
mann-Franzenshuld, v. Weitenhiller, Eduard v. Plank,
Schwerdtner, das Museum Francisco-Carolinum in Linz
u. s. w.
Obwohl nicht in den Bäumen der österreichischen
Amateursabtheilung ausgestellt, müssen wir doch des
prachtvollen Holzplafonds im Geschmacke des Zopf-
styles , authentisch italienische Arbeit , Erwähnung
thun, der die Decke eines Saales des südlichen Kunts-
pavillqns schmückte und aus dem Stifte Schlierbach in
Ober-Österreich stammt. (Eigenthümer Herr Scharff.)
So hätten wir denn unseren Bundgang durch
die österreichische mittelalterliche Kunstausstellung
beendigt.
Überblicken wir nochmals diese Ausstellung, die mit
unter Gegenstände enthielt, die ein Alter von weit über
tausend Jahren erreichen, und wobei wir nicht über
sehen dürfen, dass dieselbe nur eine fragmentarische
war, so drängt sich uns vor Allem auf, dass die
meisten Objecte, vornehmlich deren ältere, kirchliche
Bestimmung hatten. Es ist diess leicht erklärlich, da
die einem gewissen gerechtfertigten Prunke sich nicht
abschliessende christliche Kirche im Mittelalter fast aus
schliesslich die Kunst in allen ihren Zweigen für sich in
Anspruch nahm und sie vollauf und mit den besten
Erfolgen beschäftigte. Es war daher unvermeidlich, dass
diese Ausstellung, wenn auch unabsichtlich, einen kirch
lichen Charakter erhielt.
Verfolgt man die ausgestellten Gegenstände hin
sichtlich ihres Alters und wendet man zugleich dem
mannigfaltigen in Verwendung genommenen Materiale
und der verschiedenen Kunst-Technik in den einzel
nen Epochen einige Aufmerksamkeit zu, so ist man
nicht nur in der Lage dafür bedeutende Repräsentan-
ten in den einzelnen Stylrichtungen vorzuweisen, sondern
es lässt sich auch durch dieselben ein ziemlich vollstän
diges Bild der Entwicklungsphasen der Kleinkünste
geben.
Die Anfänge der Kunstthätigkeit repräsentirten die
der Bronzezeit angehörigen Fundobjecte aus Villach,