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Full text: Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

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storbenen —; die beiden Fürsten sind im vollen fürstli 
chen Schmuck dargestellt und tragen das Modell des 
Klostergebäudes ihrer Stiftung auf der Hand. 
Ein Theil der Wände war mit Waffen decorirt, als: 
Bidenhänder, Flammberge, Bappiere, Bicht- und Vor 
trageschwerte, geätzte Partisanen, Hellebarden, Säbel, 
kleine Holztarschen u. s. w., entnommen den Sammlun 
gen des Joanneums und H. Karl v. Pichler in Grätz, 
der Städte Enns, Steyr, Iglau und Hradisch; auch 
fand sich ein Tableau schöner südslavischer Waffen. 
Zum Schlüsse haben wir noch 
zu erwähnen einer werthvollen Col 
lection von älteren Sevres-Porcel- 
lain-Tellern (Eigenthum des Freih. 
A. v. Rothschild Nr. 551) der Mar 
morbüste, vorstellend die Kaiserin 
Hortense (Eigenthum des Grafen 
Franz Enzenberg) und einer lebens 
grossen prachtvoll ausgeführten 
Bronze-Büste eines vornehmen Ve- 
netianers. Dieses vorzügliche Werk 
mag dem XVI. Jahrhundert ange 
hören (Nr. 223). 
Wir haben früher schon be 
merkt, dass in der mährischen Ab 
theilung einige und zwar sehr inter 
essante Siegelstempel ausge 
stellt waren, darunter die Siegel der 
Städte Leipnik, Iglau , Znaim und 
Hradisch (von welchem letzteren, 
das aus dem XV. Jahrhundert 
stammt, in Fig. 119 eine Abbildung 
folgt). Diess veranlasste das In- 
stallations-Comite, eine weitere Col 
lection älterer Siegelstempel zur 
Ausstellung zu bringen und diesel 
ben sammt den dazu gehörigen Ab 
drücken in besonderen Vitrinen 
auszulegen. Wir fanden daselbst 
etliche Städte und Gemeindesiegel 
z. B. von Braunau, Enns, Grein, 
und Wien, Siegel von Klöstern 
und Kirchen , z. B. des Klosters 
a (Ungarn) 
Fig 
Znio bei Varalja (Ungarn) von 
1291, des Dominicanerklosters in 
Steier von 1629 , des Klosters 
Chotieschau (Böhmen) von 1674, 
Siegel von Innungen, gewerblichen 
und anderen Corporationen, wie 
der Weber-Innung in Timmelkam 
(1625), der Frohnleieknamsbruder- 
schaft in Klagenfurt (1633), end 
lich Siegel von Familien und einzel 
nen Personen, z. B. des Sibotto von 
Lonstorf (1230), des Hermann von 
Kranichfeld (1240), des Sebastian 
Oed von Götzendorf (1587), des 
Alexander Schwendi (1625) , des 
Joachim Enzmillei , Grafen von 
Windhag (1669) u. s. w. Die aus 
gestellten Stempel reichen mit 
wenigen Exemplaren bis ins 
XIII. Jahrhundert zurück , einige 
118. (Gurkfeld.) gehören dem XIV. , die meisten 
hingegen dem XV. bis XVIII. Jahrhundert an. Die 
Stempel selbst sind tlieils aus Silber angefertigt, 
theils wurde Bronze (Messing) dazu verwendet. Einige 
Stempel bestehen bloss aus einer mehr oder minder 
dicken Platte, etliche sind auf der Bückseite mit einem 
theils festen, theils beweglichen, mitunter verzierten 
Bügel als Handhabe versehen. Die jüngeren Stempel 
sind bereits auf eiserne Stöcke gelöthet, oder an höl 
zernen Griffen befestigt. Wir fügen hier in Fig. 120, 121 
und 122 die Abbildung in natürlicher Grösse jenes von 
Grein und zweier ausgestellter Siegel der Stadt Wien 
bei. Die erstere (ein Silberstempel) zeigt uns das diesem 
Orte seit 1468 verliehene Wappen und zwar ein Buder- 
schiff die gefährliche Fahrt zwischen den Felsen der 
Donau unterhalb Grein machend, die zweite (Bronze 
stempel) erscheint an Urkunden um 1399 und zeigt das 
im XIV. Jahrhundert übliche Wappen von Wien, die 
letztere, ein Secret-Siegel, stammt aus dem Jahre 1503 
uud zeigt das seit 1464 übliche Siegel der Stadt mit 
dem einmal gekrönten Doppeladler sammt dem Kreuz 
schildlein auf der Brust. Der stark abgenützte Siegel 
stempel ist von Silber. An dieser Siegel-Ausstellung 
betheiligten sich die Stadt Wien, die Herren Dr.v. Hart- 
mann-Franzenshuld, v. Weitenhiller, Eduard v. Plank, 
Schwerdtner, das Museum Francisco-Carolinum in Linz 
u. s. w. 
Obwohl nicht in den Bäumen der österreichischen 
Amateursabtheilung ausgestellt, müssen wir doch des 
prachtvollen Holzplafonds im Geschmacke des Zopf- 
styles , authentisch italienische Arbeit , Erwähnung 
thun, der die Decke eines Saales des südlichen Kunts- 
pavillqns schmückte und aus dem Stifte Schlierbach in 
Ober-Österreich stammt. (Eigenthümer Herr Scharff.) 
So hätten wir denn unseren Bundgang durch 
die österreichische mittelalterliche Kunstausstellung 
beendigt. 
Überblicken wir nochmals diese Ausstellung, die mit 
unter Gegenstände enthielt, die ein Alter von weit über 
tausend Jahren erreichen, und wobei wir nicht über 
sehen dürfen, dass dieselbe nur eine fragmentarische 
war, so drängt sich uns vor Allem auf, dass die 
meisten Objecte, vornehmlich deren ältere, kirchliche 
Bestimmung hatten. Es ist diess leicht erklärlich, da 
die einem gewissen gerechtfertigten Prunke sich nicht 
abschliessende christliche Kirche im Mittelalter fast aus 
schliesslich die Kunst in allen ihren Zweigen für sich in 
Anspruch nahm und sie vollauf und mit den besten 
Erfolgen beschäftigte. Es war daher unvermeidlich, dass 
diese Ausstellung, wenn auch unabsichtlich, einen kirch 
lichen Charakter erhielt. 
Verfolgt man die ausgestellten Gegenstände hin 
sichtlich ihres Alters und wendet man zugleich dem 
mannigfaltigen in Verwendung genommenen Materiale 
und der verschiedenen Kunst-Technik in den einzel 
nen Epochen einige Aufmerksamkeit zu, so ist man 
nicht nur in der Lage dafür bedeutende Repräsentan- 
ten in den einzelnen Stylrichtungen vorzuweisen, sondern 
es lässt sich auch durch dieselben ein ziemlich vollstän 
diges Bild der Entwicklungsphasen der Kleinkünste 
geben. 
Die Anfänge der Kunstthätigkeit repräsentirten die 
der Bronzezeit angehörigen Fundobjecte aus Villach,
	        
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