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Full text: Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

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aus Klein-Glein (die Votivhände, die Schilde, der eherne 
Panzer), ans Negau (der Helm) und aus Strettweg (der 
Opferwagen). Diese ungenügende Ausstellung prähisto 
rischer Gegenstände fand ihre Ergänzung in der Aus 
stellung der antropologischen Gesellschaft zu Wien. 
Wir können zwar nicht auf die ausgestellten Funde 
menschlicher Gebeine eingehen, allein das grosse Len 
dengehänge, bestehend aus eiuer verzierten Scheibe 
mit Plättchen und Ringen aus Bronze, Armknochen mit 
Bronzeringen, Thongefässfragmente, hauptsächlich in 
Böhmen und Mähren, ferner bei Pulkau und Hallstadt 
gefunden, Pfahlbauten-Fimde aus dem Attensee und 
aus den Gewässern um Olmütz u. s. w. verdienten alle 
Beachtung. Der Römer zeit gehörten die beiden eben 
falls in der Steiermark gefundenen Gegenstände: der 
Kochtopf und die Bronzestatuette, ferner das hübsche, 
unter Nr. 94 ausgestellte Marmor-Figürchen, wie auch 
die grosse Collection werthvoller Goldmünzen an.' 
Fig. 119. (Hradisch.) 
Denkmale aus der Zeit der früh-mittelalt er 
lichen Periode sind der Stifterbecher von Kremsmün- 
ster, ein interessantes Beispiel der zu jener Zeit geübten 
Niellirkunst, die beiden fast gleichzeitigen Leuchter, die 
herrliche Elfenbeintafel aus Heiligenkreuz und ebenfalls 
Münzen. 
Der romanische Styl war nicht nur in einer 
bedeutenden Anzahl von Gegenständen vertreten, son 
dern waren diese auch fast ausnahmslos von hervorragen 
der Wichtigkeit. Wie mannigfaltig sind doch die For 
men dieses Styles, wie ernst und bedeutsam und 
zugleich bescheiden und anspruchslos! Dabei bergen 
sie eine unendliche Geistestiefe, eine Fülle von Empfin 
dungen, ein lebhaftes Streben, jeden im Dienste der 
Kirche stehenden Gegenstand mit den christlichen 
Glaubenswahrheiten in einen gewissen Einklang und in 
Beziehung zu bringen. An dem Speisekelche zu Wüten 
bietet sich ein lehrreiches Beispiel der Niellotechnik, an 
dem berühmten Verduner Altar, den fünf Reliquien 
schreinen von Prag, Klosterneuburg und Kremsmünster, 
an dem Fusse der Rotula von Kremsmünster, an der Co 
lumba von Salzburg und den Bronzekrücken der Stäbe 
von St. Peter und St. Wolfgang, den Kreuzen vonBartho- 
lomäiberg und St. Paul, der Schüssel von Tepl hervor 
ragende Beispiele der Emaillirteehnik. Bemerkenswerthe 
Elfenbeinschnitzwerke dieser Zeit sind die Klosterneu- 
1 Im Ackerbaupavil'on war eine römische Pflugschar , aus Aquileh 
stammend, ausgestellt. 
burger und Seitenstettner Tafeln, die Zwettler Figuren 
gruppe, die Rolandshörner des Prager Domschatzes, das 
Spiegelgehäuse aus Stift Rein, die Tragaltäre von 
Melk, das Fastitorium von Nonnberg, die Stäbe von Ad 
mont, Göttweig, Altenburg, Nonnberg und Klosterneu 
burg. Beachtenswerthe Producte im Fache der Gold 
schmiedekunst nennen wir den Speisekelch von St. Peter, 
das grosse Kreuz von St. Paul, den Reliquienkopf von 
Melk etc. In diese Zeit gehören auch die kirchlichen 
Ornate von Goess, St. Peter und St. Paul. 
Weit zahlreicher waren die dem in unserem Vater 
lande im Verlaufe des XIII. Jahrhunderts auftretenden 
gothischen Style angehörigen Ausstellungs-Objecte. 
Dieser Styl beschränkte sich nur bei seinem anfänglichen 
Auftreten auf die Architektur; kaum darin festgesetzt zog 
er alsdann alle Erzeugnisse der Kunst und des Kunsthand 
werks in seine Sphäre und modificirte Form und Orna 
ment. Als hervorragende Werke der Goldschmiedekunst 
jener Epoche können wir bezeichnen den schönen Kelch 
von Admont, und jenen aus dem Prager Dom, die Kelche 
von St. Paul, Mauerbach, Kranichberg, Judenburg, Eben- 
furt, Tarnow und Maria-Saal, die Monstranzen und Osten- 
sorien von Klosterneuburg, aus der Rothsehild’schen 
Sammlung, von Prieglitz, Jamnitz, Tamsweg, der hiesi 
gen Capuziner und von Seitenstetten, das Eligius- 
reliquiar aus Prag, die Reliquienmedaillons aus dem 
Prager Schatze und aus Olmütz, das Hausaltärchen aus 
dem Stifte St. Peter, den Tragaltar aus Maria-Pfarr, 
die Standkreuze von Melk, Hohenfurt, Tarnow und 
Strahov, den Prachtpoeal der Stadt Wiener-Neustadt, 
die beiden Trinkhörner, die Buchdeckel aus dem Stifte 
St. Paul, der Sammlung Rothschild und der Stadt 
Wiener-Neustadt, die Krummstäbe von St. Peter, Rai- 
gern und Kremsmünster, endlich die folgenden durch 
ihren Emailschmuck ausgezeichneten Gegenstände, als: 
das Klappaltärchen des Salzburger Domes, den Trag 
altar von Admont und das Ciborium von Klosterneuburg. 
Die Elfenbeinschnitzerei fand reichliche Vertretung 
in den vielen Elfenbeintäfelchen, Dyptiehen und Trip- 
ticben, ferner in den Kästchen, welche die Stifte Klo 
sterneuburg, Rein, St. Florian, KremsmüDster, Voran, das 
Prager Domcapitel, Dr. Dudik und A. Richter aus 
stellten; die Statue des heiligen Georg aus Wiener- 
Fig. 120. (Grein.) 
Neustadt repräsentirte den Bronzeguss, der Schrein aus 
Möchling und das grosse Holzrclief aus Herzogen- 
burg die Holzschnitzerei, ein Rosenkranz der mährischen 
Gruppe die Tauschirarbeit, endlich die Mitren aus Salz- 
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