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Full text: Die österr. kunsthistorische Abtheilung auf der Wiener Weltausstellung (Exposition des amateurs)

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bürg und Admont, das Antipendium des Salzburger 
Doms, die vielen Gewänder aus Geirach, Kuttenberg, 
des Brünner-Domes den Stand der damaligen Kunst 
stickerei, die wiederholt bis zur nicht anzuempfehlen- 
den Reliefstickerei ausartete. 
Je mehr sich die Kunst der Gegenwart nähert, 
desto grösser wird die Anzahl der ausgestellten Gegen 
stände profaner Bestimmung, währeifd die Anzahl derer 
mit ursprünglich kirchlicher in der Zeit der, vom 
XVI. Jahrhundert an, die Gotliik rasch verdrängenden 
Renaissance bedeutend abnimmt. Besprechungen der 
aus dieser Zeit ausgestellten Gegenstände gestattet der 
Raum nicht, doch heben wir hervor, dass die Gold 
schmiedekunst vornehmlich durch die Gefässesammlung 
des Freiherrn von Rothschild, Grafen Meran und Gra 
fen Herberstein, die Holzschnitzerei durch Schnitz 
werke aus der ersteren Sammlung jener des Stiftes Stra- 
hov, und der Stadt Melnik, die Bildhauerei durch eine 
Fig. 121. (Wien.) Fig. 122. 
Marmorbüste aus Wiener-Neustadt, der Elfenbeinschnitt 
durch die beiden Truhen aus dem Grätzer Dome, der 
Metallguss durch die Büsten aus den Sammlungen Fürst’s 
Metternich und Miller von Aichholz, die Niellirkunst durch 
die herrlichen aus der Gallerie Manfrin stammenden 
Buchdeckel der Sammlung Rothschild, das Email von 
Limoges, Sevres-Porcellain in vorzüglichen Exemplaren 
aus dieser Sammlung vertreten werden.Nicht unbeachtet 
darf die Verwendung des Bergkrystalls zu Prunk-Gefäs- 
sen und anderen Gegenständen, Kreuzen, Gläsern, Tafel 
aufsätzen, Bestecken, Schalen, u. s. w. bleiben, wofür 
der Pocal des Grafen Lanthieri als hervorragendes Bei 
spiel erscheint. Ausserdem verweisen wir noch auf die 
vielen Renaissance-Waffen und insbesondere auf die 
Rüstung sarnrnt Helm und zwei Schilden in der Samm 
lung Rothschild und auf den schönen gleich behandelten 
Schild aus der Sammlung des Grafen Daun in Vöttau. 
Haben wir durch diesen flüchtigen Ueberblick gesehen, 
wie die Kunst des Occidents an der Hand der Jahrhun 
derte immer vorwärts schreitet und zur grösseren Ent 
wicklung gelangt, so zeigt uns die kleine Collection 
byzantinischer Kunstproducte ein in den religiösen An 
schauungen der griechischen Kirche begründetes, den 
älteren wie heutigen Kunstprodueten dieser Art abträg 
liches, starres Verharren an den mehr als tausend Jahre 
alten Vorbildern. 
Fassen wir noch zum Schlüsse die Bedeutung 
und den Nutzen dieser Ausstellung ins Auge , so 
kommen dabei mehrere Gesichtspunkte in Betracht. 
Der eine ist eine Übersicht des reichen Materials an 
Denkmalen der Kunst, Kunstindustrie und handwerks- 
mässigen Thätigkeit unseres Vaterlandes von den 
ältesten Zeiten an bis zur jüngsten Vergangenheit zu 
liefern , der andere die Aufforderung und Anregung 
der Fachgelehrten zum tieferen Eingehen auf den 
geistigen Inhalt der alten Kunstproducte, und die Be 
lehrung der Sammler, nicht jeden alten Gegenstand 
seines Alters wegen der Aufbewahrung würdig zu 
halten , sondern mit feinem Gefühle unterscheiden 
und erkennen zu lernen, was einer sorgfältigen Er 
haltung werth ist; endlich sollte diese Exposition in 
praktischer Beziehung nutzbringend werden und der 
Kunstindustrie — wenn auch nicht Vorbilder zur un 
mittelbaren Nachahmung — so doch zum Studium 
jener Principien und Eigenthümlichkeiten liefern, welche 
die Producte jeder Zeit und jedes Styles charakterisir- 
ten, zur Erforschung der an denselben angewendeten 
Kunstweisen, zu einem Studium, das für die Läuterung 
des Geschmackes uud für das Aufblühen der Kunst der 
Gegenwart und Zukunft, als dessen Fundament, unent 
behrlich ist. 
Mag mancher der Besucher ein oder das andere 
Object, insbesonderer kirchlicher Bestimmung, nur 
leichthin besichtigt, beurtheilt, ja belächelt und darin 
eine Rarität, ein Curiosum, etwas für die heutige Zeit 
Überflüssiges und Entbehrliches gesehen haben, so bil 
deten doch alle Gegenstände zusammen eine wohl ge 
gliederte Reihe von Denkmalen, aus der nicht ein Stück 
entbehrt werden kann , damit an deren Hand gründ 
liche Kunst- und culturhistorische Studien gemacht wer 
den konnten. 
Alles, was hier geboten wurde, gab Zeugniss von 
dem fortwährenden Drange des Menschen nach dem 
Schönen und Edlen, und wenn auch Verirrungen nicht 
abzuleugnen sind, fordert doch jedes Stück Achtung 
vor dem Geiste, der, seiner Individualität entsprechend, 
nach schöner Gestaltung und ästhetischem Werthe sei 
nes Productes strebte. Ein Zeitalter fordert das andere 
und jedes schöpft aus dem früheren, das ältere reicht 
dem nächsten die Fülle der Erfahrungen, der eigenen 
Errungenschaften und die Menge des Gewonnenen, es 
überlässt ihm aber auch zur Verbesserung seine Mängel 
und Fehler. Eben diese Abhängigkeit der Geschlechter 
und Zeiten soll uns Ehrfurcht vor längst gestorbenen 
Menschen, aber auch Nachsicht mit ihren Leistungen 
und Bewunderung ihrer mitunter in Form und Ge 
brauch längst veralteten Schöpfungen lehren.
	        
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