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MAK

Full text : Das Markgrafthum Mähren nach seinen landwirthschaftlichen Verhältnissen im weiteren Sinne, statistisch skizzirt : im Auftrage des Executiv-Comité der Brünner Landes-Commission für die Weltausstellung 1873 in Wien

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20.  Die  Rindviehzucht
findet,  numerisch  genommen,  in  folgenden  officiellen  Daten  den  prägnanten  Ausdruck:
im  J.  1771:  im  J.  1830:  im  J.  1857:  im  J.  1869:
56.000  Ochsen  u.  Stiere,  57.505  Ochsen  u.  Stiere,  4.419  Stiere  4.507  Stiere
60.224  Ochsen  59.161  Ochsen
150.000  Kühe  264.308  Kühe  344.052  Kühe  321.277  Kühe
206.000  Stück.  321.813  Stück.  408.695  Stück  384.945  Stück
177.572  Kälber  152.310  Kälber
586.267  Stück  537.255  Stück.
Diese  Zahlen  sind  selbstredend  und  bedürfen  für  den  Sachkundigen  keines  Commentars,
  um  aber  den  höchsten  Standpunct  der  Rindviehzucht  —  wenn  auch  nicht  in  der  Zahl,
doch  in  der  Qualität  —  zu  charakterisiren,  sei  hier  als  geschichtliche  Reminiscenz  erwähnt,
dass  zur  Zeit  der  agrarischen  Umwälzung,  d.  h.  nach  1848,  gezählt  wurden  in  Mähren:
56.403  Stiere  und  Ochsen,  261.942  Kühe,  zusammen  318.345  Stück  Altvieh,  im  Werthe  von
15Va  Millionen  Gulden  Conv.  Mze.  einschlüssig  der  Gewinnung  von  jährlich  über  13.400
Stück  Häuten.
Damals  waren  die  herrschaftlichen  Meierhöfe  —  wenigstens  zum  grossen  Theile,  —  noch
in  Eigenregie,  die  Stallungen  zeigten  edle  und  wohlgepflegte  Stiere  und  Kühe  von  Pinzgauer,
Oberinnthaler,  Vorarlberger,  Holländer  u.  s.  w.  Rage  (Original  oder  Inzucht),  der  Kleingrundbesitz ­
  profitirte  von  dem  edlen  Stammvieh  durch  Verwendung  der  Stiere  für  die  Belegung
der  einheimischen  kleinen  Kühe  und  es  fand  also  eine  stetige  Verbesserung  des  Landschlages ­
  statt.
Heute  sind  die  gutsherrlichen  Maierhöfe  grösstentheils  an  Zuckerfabriken  verpachtet,
die  edlen  Rinder  verschwunden,  nur  Mastochsen  eingestellt  mit  alljährlich  wiederkehrender
Lungenfäule  in  Folge  der  Fütterung  mit  Fabriksabfällen  —  der  Kleingrundbesitzer  entbehrt
des  Zuchtmateriales  aus  den  gutsherrlichen  leeren  Rindviehstallungen,  die  Gemeinden  suchen
vergebens  mit  den  seit  1869  von  der  Regierung  empfangenen  Subventionen  halben  Kaufpreises ­
  nach  tauglichen  Stieren,  und  so  geht  —  mit  Ausnahme  einzelner  wohlhabenden  Gegenden ­
  im  Lande  —  die  Rindviehzucht  Mährens  stetig  herab  und  —  statt  sich  vom  galizischen,
  podolischen,  ungarischen  etc.  Rindfleische  und  Tiroler,  Schweizer,  Holländer  etc.  Zuchtvieh ­
  zu  emancipiren,  geht  Mähren  ziemlich  rapid  dem  Rindviehmangel  entgegen.*)
Eine  erfreuliche  Ausnahme  hievon  macht  das  sog.  Kuhländchen  —  d.  h.  die  Umgegend ­
  von  Neutitschein,  Fulnek  etc.,  wo  der  bekannte  eigenthümliche  Landschlag  noch  erhalten ­
  ist!  —  Doch  eben  nur  für  einen  Theil  des  Landes  und  da  nicht  ausreichend.

21.  Die  Schafzucht
hat  im  Laufe  von  100  Jahren  den  Cyclus  —  vom  Beginne  der  WollVerfeinerung  und  Vermehrung ­
  der  Schafe,  bis  zur  höchsten  Stufe  der  Qualität  und  Quantität  und  wieder  zurück
auf  eine  ungeahnte  Reduction  der  Zahl  und  auf  die  nur  mehr  in  wenigen  hochfeinen  Heerden
noch  bestehende  Zucht  der  Schafe  —  zurückgelegt!
Nach  den  annäherungsweise  glaubwürdigen  Quellen  soll  die  Zahl  der  Schafe  im  Jahre
1771  bei  800.000  Stück  betragen  haben.  In  jener  Zeit  bezog  die  kaiserliche  Regierung
spanische  und  italienische  Zuchtschafe  direct  auf  die  Herrschaften  Holitsch  in  Ungarn  und
*)  Siehe  rückwärts  das  ehen  während  der  Drucklegung  beendete  Tableau  des  Zuchtrinderstandes
Mährens  nach  speciellen  Erhebungen  zu  Ende  d.  J.  1872,  wonach  498.210  Stück  überhaupt  vorhanden  waren.'
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