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Mannersdorf in Nieder-Oesterreich, von wo mittelst Verkaufes die mährischen Herrschaften
Czernahora, Hoschtitz, Namiest, Zdislawitz u. s. w. zuerst das edle Zuchtmateriale bezogen,
welches nach und nach sich im Lande verbreitete und den Grund aller jener Kreuzungen
legte, welche später die hochfeinen Merino’s, Electoral’s, Negretti’s, Infantado’s u. s. w.
lieferte und die mährischen Wollen zur gesuchtesten Weltwaare machten.
Im J. 1803 soll der Schafstand Mährens eine Million betragen und in den herrschaftlichen
Heerden bei 800.000 gezählt haben, wovon die Hälfte theils ganz tlieils halb veredelt war.
Mit der vorschreitenden Tuch-Industrie stiegen die Ansprüche an feine Wolle, doch
rcducirten die französischen Invasionen 1805 und 1809 die Zahl der Schafe, welche 1815
nur bei 400.000 betragen haben soll, 1830 aber schon wieder über 610.000 stieg und 1847
den höchsten Stand erreichte mit 601.923 veredelten und 186.813 gemeinen, daher zusammen
788.736 Stück. Die Wolle wurde damals auf 11.100 Centner und der Werth der Schafe
summt Wolle auf 3 bis 4 Millionen Gulden Conv. Mze. angeschlagen; hochfeine Wollen
erreichten per Centner einen Preis von 160 bis 200 fl.; die Fleischproduction von Schafen
wurde jährlich auf 38.644 Centner von 136.800 durchschnittlich geschlachteten Schafen angeschlagen,
letztere Zahl auch die verkauften Felle ausdrückend.
Mährens Schafzucht culminirte von 1820 bis 1847, wozu auch französische Zucht-Schafe
von Malmaison zugezogen wurden; die von der k. k. mähr, schles. Gesellschaft in
Brünn alljährlich in Mai veranstalteten Ausstellungen der Schafe versammelten die Herrschaftsbesitzer
und ihre Beamten in edlem Wetteifer, die Besitzer der „Feintuchfabriken“
erschienen als Beurtheiler und Käufer, der Wollstappel wurde censurirt, fabelhafte Preise für
Zuchtböcke erzielt, die Züchtung verirrte sich endlich im Streben nach „hochfein“ bis zu
den aus jener Zeit noch erinnerlichen „Luftböcken“ u. s. w.
Die 4. Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe 1840 in Brünn sah die ganze
brillante Versammlung der vorzüglichsten Exemplare aus allen zu jener Zeit berühmten
Schafheerden Mährens, neben den rivalisirenden aus Böhmen, Schlesien, Sachsen, Preussen u. s. w.
Die veränderten Agrarverhältnisse seit 1848 griffen auch hier störend ein und so sehen
wir in den letzt abgeflossenen 25 Jahren wieder das rapide Zurückgehen in der Quantität
und das Einlenken in andere Bahnen der Züchtungsgrundsätze, also in der Qualität der Wolle.
Noch zweimal — 1854 und 1862 — versammelten die von der k. k. mähr, schles.
Gesellschaft veranstalteten „Allgem. Productenausstellungen in Brünn“ die Prachtexemplare aus
den noch bestandenen hochfeinen Schafheerden — von denen mirabile dictu das Museum
überhaupt keine Wollproben besass, daher der Verfasser sich veranlasst fand, noch vor dem
völligen Verschwinden des „goldenen Vliesses Mährens“ von allen Schafheerden die Wollproben
zu erbitten, was auch freundliche Erfüllung fand und die Anlegung eines Wollcabinettes
im Franzensmuseum, noch in diesem letzten Augenblicke ermöglichte, so dass also
ad perpetuam memoriam die letzten Wahrzeichen der hochfeinen Schafheerden des Landes
gerettet sind.
In derselben Zwischenzeit errangen mährische Wollen in den Weltausstellungen: 1854
in München, 1855 in Paris, 1862 in London — die höchsten Auszeichnungen mit goldenen
Medaillen, ebenso noch später 1867 in Paris sogar den Orden der Ehrenlegion; hoffentlich
werden die wenigen, heute noch bestehenden Heerden hochfeiner Schafe Mährens — in der
Weltausstellung 1873 in Wien die verdiente Anerkennung ihrer Züehtungs-Consequenz finden,
zumal die rivalisirende Concurrenz nur mehr eine geringe.
Die amtliche Zählung v. J. 1857 zeigte nur mehr 469.244 Schafe und die Zählung vom
31. Dezember 1869 gar nur mehr 323.503 Stück, worunter auch das gemeine Schaf des
gesammten Kleingrundbesitzes; erinnern wir uns endlich der seit 1870 noch fortgesetzten
notorischen Auflösungen bekannter grosser Schafheerden hochfeinen Charakters, die sich auf