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Full text : Das Markgrafthum Mähren nach seinen landwirthschaftlichen Verhältnissen im weiteren Sinne, statistisch skizzirt : im Auftrage des Executiv-Comité der Brünner Landes-Commission für die Weltausstellung 1873 in Wien

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Mannersdorf  in  Nieder-Oesterreich,  von  wo  mittelst  Verkaufes  die  mährischen  Herrschaften
Czernahora,  Hoschtitz,  Namiest,  Zdislawitz  u.  s.  w.  zuerst  das  edle  Zuchtmateriale  bezogen,
welches  nach  und  nach  sich  im  Lande  verbreitete  und  den  Grund  aller  jener  Kreuzungen
legte,  welche  später  die  hochfeinen  Merino’s,  Electoral’s,  Negretti’s,  Infantado’s  u.  s.  w.
lieferte  und  die  mährischen  Wollen  zur  gesuchtesten  Weltwaare  machten.
Im  J.  1803  soll  der  Schafstand  Mährens  eine  Million  betragen  und  in  den  herrschaftlichen ­
  Heerden  bei  800.000  gezählt  haben,  wovon  die  Hälfte  theils  ganz  tlieils  halb  veredelt  war.
Mit  der  vorschreitenden  Tuch-Industrie  stiegen  die  Ansprüche  an  feine  Wolle,  doch
rcducirten  die  französischen  Invasionen  1805  und  1809  die  Zahl  der  Schafe,  welche  1815
nur  bei  400.000  betragen  haben  soll,  1830  aber  schon  wieder  über  610.000  stieg  und  1847
den  höchsten  Stand  erreichte  mit  601.923  veredelten  und  186.813  gemeinen,  daher  zusammen
788.736  Stück.  Die  Wolle  wurde  damals  auf  11.100  Centner  und  der  Werth  der  Schafe
summt  Wolle  auf  3  bis  4  Millionen  Gulden  Conv.  Mze.  angeschlagen;  hochfeine  Wollen
erreichten  per  Centner  einen  Preis  von  160  bis  200  fl.;  die  Fleischproduction  von  Schafen
wurde  jährlich  auf  38.644  Centner  von  136.800  durchschnittlich  geschlachteten  Schafen  angeschlagen, ­
  letztere  Zahl  auch  die  verkauften  Felle  ausdrückend.
Mährens  Schafzucht  culminirte  von  1820  bis  1847,  wozu  auch  französische  Zucht-Schafe
  von  Malmaison  zugezogen  wurden;  die  von  der  k.  k.  mähr,  schles.  Gesellschaft  in
Brünn  alljährlich  in  Mai  veranstalteten  Ausstellungen  der  Schafe  versammelten  die  Herrschaftsbesitzer ­
  und  ihre  Beamten  in  edlem  Wetteifer,  die  Besitzer  der  „Feintuchfabriken“
erschienen  als  Beurtheiler  und  Käufer,  der  Wollstappel  wurde  censurirt,  fabelhafte  Preise  für
Zuchtböcke  erzielt,  die  Züchtung  verirrte  sich  endlich  im  Streben  nach  „hochfein“  bis  zu
den  aus  jener  Zeit  noch  erinnerlichen  „Luftböcken“  u.  s.  w.
Die  4.  Versammlung  deutscher  Land-  und  Forstwirthe  1840  in  Brünn  sah  die  ganze
brillante  Versammlung  der  vorzüglichsten  Exemplare  aus  allen  zu  jener  Zeit  berühmten
Schafheerden  Mährens,  neben  den  rivalisirenden  aus  Böhmen,  Schlesien,  Sachsen,  Preussen  u.  s.  w.
Die  veränderten  Agrarverhältnisse  seit  1848  griffen  auch  hier  störend  ein  und  so  sehen
wir  in  den  letzt  abgeflossenen  25  Jahren  wieder  das  rapide  Zurückgehen  in  der  Quantität
und  das  Einlenken  in  andere  Bahnen  der  Züchtungsgrundsätze,  also  in  der  Qualität  der  Wolle.
Noch  zweimal  —  1854  und  1862  —  versammelten  die  von  der  k.  k.  mähr,  schles.
Gesellschaft  veranstalteten  „Allgem.  Productenausstellungen  in  Brünn“  die  Prachtexemplare  aus
den  noch  bestandenen  hochfeinen  Schafheerden  —  von  denen  mirabile  dictu  das  Museum
überhaupt  keine  Wollproben  besass,  daher  der  Verfasser  sich  veranlasst  fand,  noch  vor  dem
völligen  Verschwinden  des  „goldenen  Vliesses  Mährens“  von  allen  Schafheerden  die  Wollproben ­
  zu  erbitten,  was  auch  freundliche  Erfüllung  fand  und  die  Anlegung  eines  Wollcabinettes
  im  Franzensmuseum,  noch  in  diesem  letzten  Augenblicke  ermöglichte,  so  dass  also
ad  perpetuam  memoriam  die  letzten  Wahrzeichen  der  hochfeinen  Schafheerden  des  Landes
gerettet  sind.
In  derselben  Zwischenzeit  errangen  mährische  Wollen  in  den  Weltausstellungen:  1854
in  München,  1855  in  Paris,  1862  in  London  —  die  höchsten  Auszeichnungen  mit  goldenen
Medaillen,  ebenso  noch  später  1867  in  Paris  sogar  den  Orden  der  Ehrenlegion;  hoffentlich
werden  die  wenigen,  heute  noch  bestehenden  Heerden  hochfeiner  Schafe  Mährens  —  in  der
Weltausstellung  1873  in  Wien  die  verdiente  Anerkennung  ihrer  Züehtungs-Consequenz  finden,
zumal  die  rivalisirende  Concurrenz  nur  mehr  eine  geringe.
Die  amtliche  Zählung  v.  J.  1857  zeigte  nur  mehr  469.244  Schafe  und  die  Zählung  vom
31.  Dezember  1869  gar  nur  mehr  323.503  Stück,  worunter  auch  das  gemeine  Schaf  des
gesammten  Kleingrundbesitzes;  erinnern  wir  uns  endlich  der  seit  1870  noch  fortgesetzten
notorischen  Auflösungen  bekannter  grosser  Schafheerden  hochfeinen  Charakters,  die  sich  auf
            
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