MAK

Full text: Das Markgrafthum Mähren nach seinen landwirthschaftlichen Verhältnissen im weiteren Sinne, statistisch skizzirt : im Auftrage des Executiv-Comité der Brünner Landes-Commission für die Weltausstellung 1873 in Wien

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b) Der sog. Brimsen-Käs, 
meistens von Schafmilch erzeugt und nach zwei Orten besonders genannt, dies sind die be 
kannten Curorte Luhatschowitz und Roznau. 
Auf dem Gute Luhatschowitz werden jährlich circa 30 Centner roher Schafkäse er 
zeugt, welcher successive nach der Reifeperiode zu Brimsenkäse verarbeitet, d. h. ersterer 
nach dortigem Sprachgebrauche geschält und bloss der weiche Kern verarbeitet wird. 
Bei dieser Manipulation resultiren: 
an reinem Brimsenkäse 76 Perzent, 
an Käse-Abfällen 18 „ 
an Manipulationsschwund .... 6 „ 
Von den Käseabfällen geben 2 / 3 einen ordinären, scharfen Schmierkäse, ’/ 3 wird in’s 
Schweinefutter eingemischt. 
Weit ausgedehnter ist die Erzeugung des Brimsenkäses in der sog. Wallach ei, welche 
die Bezirke Wall.-Meseritsch, Wsetin und Roznau begreift. Aus letztgenanntem Bezirke 
Roznau, welcher circa 6 □ Meilen umfasst mit 14 Gemeinden, 24.000 Seelen — sind die 
folgenden Details nachweisbar. 
In diesem Bezirke befinden sich nach letzter Viehstandszählung circa 3000 Melkschafe, 
die lediglich auf den Hochpuncten — Sallaschen genannt —- der Karpathen geweidet 
werden, von wo der Nachhausetrieb zum Uebernachten wegen grosser Entfernung nicht 
möglich ist. 
Auf diese Sallaschen werden dem Besitzer oder Pächter der Weiden, die Schafe zur 
Weide übergeben und bleiben daselbst über den Sommer bis zum Herbst im Freien. 
Auf diesen Sallaschen sowohl, wie auch in jenen Wirthschaften, welche ihre Schafe auf 
die grosse Weide nicht geben, sondern auf ihren eigenen Hutungen ernähren, werden die 
Schafmütter zweimal des Tages gemolken, nämlich Früh und Abends. Was an Schafmilch 
gewonnen wird, davon verzehrt einen unbedeutenden Theil das Gesinde, aus dem anderen 
wird etwas Schafbutter und aus dem grössten Theile der Käse — die sog. B r i m s a — erzeugt. 
Da die Ablammung nicht gleichzeitig geschieht, so kann die Abspänung der Lämmer 
und der sofortige Austrieb der Mütter auf die Weide, höchstens erst am 24. Mai stattfinden. 
Das Schaf gibt im Durchschnitt täglich IV2 Seidel Milch und können also in der Weide 
periode bis 31. August, also durch 100 Tage, von 3000 Melkschafen 450.000 Seidel Milch er- 
molken werden. 
Die Schafmilch ist erfahrungsmässig in der ersten Periode des Graswuchses, in der 
Qualität bedeutend geringer als beim zweiten Weidegang, wo die Käseerzeugung in Quantität 
und Qualität bedeutend zunimmt. 
Von der oben bezifferten Schafmilch werden 
ä 12 Seidel per Pfund . . . 187 Centner, und 
ä 8 „ „ „ . . . 281 „ 
daher im Ganzen circa 468 Wiener Centner Schafkäse im Roz 
nau'er Bezirke erzeugt; Abnehmer sind Handelsleute der ganzen österr. Monarchie. 
Wenn dieser Brimsenkäse genuin ohne Beimischung von Kuhmilch erzeugt wird, so ist 
er binnen 14 Tagen reif und sehr geschmackvoll, denn er wird nach der hier üblichen Ab 
sonderung von der Käsemilch (Molke) abgetrocknet, dann gerieben oder fein gebröckelt, ge 
salzen und in Dösen eingedrückt in Versandt gegebeu. 
Wird auch hie und da Kuhmilch beigemischt, so ist dies bei der grossen Menge der 
Erzeugung von Schafkäse, von keiner Bedeutung; Ziegenmilch beigemischt, bleibt der Schaf 
milch ganz gleich.
	        
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