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Diese Anstalt war im Jahre 1873 gegründet worden. Die erste Veranlassung
dazu war wohl eher in der Person ihres Leiters gelegen, als dass sie
aus der Nothwendigkeit der Sachlage hervorgegangen wäre. Der Chemiker
Franz Ko sch, der früher Arcanist der Wiener Porzellanfabrik gewesen und
nach deren Aufhebung zur Tabaksfabrication versetzt worden war, hatte ein ganz
specielles Geschick auf dem Gebiete der Keramik bewiesen, und es erschien
schade, solche Begabung und Erfahrung auf einem anderen, der Kunstindustrie
fernstehenden Gebiete verwendet zu sehen. Ihn wieder seinem eigentlichen Berufe
zurückzugeben, dadurch aber dem Kunstgewerbe nützlich zu sein, war das erste
Motiv zur Gründung der »Chemisch-technischen Versuchsanstalt«, welche seiner
Leitung unterstellt wurde. Ihre Aufgabe war eine doppelte: einmal sollte sie,
wenn man den Ausdruck nicht missverstehen will, gewissermassen eine
Erfindungsanstalt sein, welche dem Gewerbe neue Wege, neue Verfahrungsweisen
zeige und für dasselbe Versuche und Analysen anstelle. Zweitens aber
trat sie in Verbindung mit der Kunstgewerbeschule. Das eigenthümliche Talent
von Kosch warf sich nun auf die Erfindung neuer Decorationsweisen, auf Wiedererfindung
oder Erleichterung alter Technik, zunächst insbesondere auf dem Gebiete
der glasirten Keramik, des Emails und dann auch der patinirten und gefärbten
Metalle. Alsbald machte sich das Bedürfniss geltend, diese neuen Findungen oder
Verbesserungen auch künstlerisch zu erproben, und zu dem Ende wurde jene
unter Macht’s Leitung stehende Schulabtheilung gegründet. Nunmehr mit der
Uebersiedlung in das neue Schulhaus traten beide auch räumlich in Verbindung,
sehr zum Vortheil der Sache, da, wie noch später erwähnt werden wird, aus
dieser Verbindung ein besonderer Kunstzweig, der des gemalten Emails, in eine
neue, dem Museum eigenthümlich angehörende Blüthe trat.
Entsprechend den erweiterten Räumlichkeiten und dem immer wachsenden
Interesse am Kunstgewerbe in allen Kreisen der Gesellschaft, sowie in allen
Culturländern wuchs die Zahl der Schüler mehr, als es zu wünschen war, mehr,
als Oesterreich sie brauchen und verwenden konnte. Es dauerte daher auch nicht
lange, so wurden die ausgebildeten Schüler unserer Anstalt zahlreich in das Ausland
gerufen, sei es als Lehrer, sei es als Künstler in den Fabriken. Das mag
allerdings als ein Beweis für die Tüchtigkeit der Schule gelten, ist aber insofern
auch zu bedauern, als vortreffliche, auf Kosten des Landes ausgebildete Kräfte
in die Fremde zogen und der heimischen Industrie Concurrenz machten.