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MAK

Full text : Katalog der Wiener-Congress-Ausstellung 1896

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Malerei  und  Bildhauerkunst“  den  sympathisch  gestimmten  Zeitgenossen ­
  predigt  und  hierauf  in  der  „Geschichte  der  Kunst  des
Alterthums“  mit  unvergleichlicher  Intuition,  ohne  eigentliche
Kenntniss  der  noch  unerschlossenen  Denkmäler,  zu  einem  Dogma
erhebt,  an  welches  Alle  glauben.  Allerorten  war  der  Boden  vorbereitet. ­
  Man  hatte  Vitruv  und  Vignola  wieder  zu  studiren  begonnen. ­
  In  Frankreich  hatte  wenige  Jahre  vor  Winckelmanns  Erstlingsschrift ­
  der  Abbe  Laugier  das  Rococo  mit  dem  Hinweise  auf
die  griechischen  Säulenordnungen  verdammt  und  Soufflot  die  Genovefakirclie
  zu  Paris  in  einer  Art  neuer  Renaissance  entworfen.
Ueberall  wird  der  Ueberladung  und  Uebertreibung  Einfachheit  und
Nüchternheit  entgegengesetzt.  Man  geht  über  die  Römer  zu  den
Griechen  zurück,  Universitäten  und  Schulen  pflegen  griechische
Sprache  und  Literatur.  Wieland  bekleidet  seine  Figuren  mit  hellenischem ­
  Costüm,  Klopstock  erneuert  die  griechischen  Versmasse,
Lessing  versucht  im  „Laokoon“  eine  neue  Grundlage  der  Aesthetik,
Goethe  verlässt  die  Bahnen  des  Götz  und  Werther  und  legt  Wort
und  Werk  in  die  Waagschale  zu  Gunsten  des  erneuten  Classicismus,
  der  wie  in  der  Literatur  so  nun  auch  in  der  bildenden
Kunst  allmälig  zur  herrschenden  Richtung  wird.
Aber  allerdings,  nicht  mit  einem  Schlage  konnte  ein  Stil
entstehen,  der  gleicherweise  auf  Antike  und  Natur  begründet,
aus  jener  vor  Allem  die  Erkenntniss  schöpfte,  wie  diese  künstlerisch ­
  zu  verwenden  sei;  und  nur  vereinzelt  stehen  Künstler  wie
Chodowiecki,  der  Vorläufer  unseres  Menzel,  wie  Graff,  Gessner,
Hess  und  im  gewissen  Sinne  auch  Hackert,  welche  abseits  von
der  breiten  Heerstrasse  des  classicistischen  Idealismus  die  einsamen ­
  Pfade  eines  gesund-beschränkten  Realismus  wandeln.  Oder
wie  der  Spanier  Goya,  dessen  urkräftige  Phantasie,  gepaart  mit
originellem  Realismus,  ihn  zu  einer  singulären  Erscheinung
machen.  Oder  wie  der  Engländer  Lawrence,  welcher  den  typischen
Realismus  seines  Lehrers  Reynolds  fortsetzt  und  als  Zeuge  des
Wiener  Congresses  hier  alle  Zierden  desselben  porträtirt,  wie  kein
Continentaler  dies  damals  vermocht  hätte.
In  Deutschland  übernimmt  die  Führung  in  der  Malerei  der
classicistische  Ideologe  Raphael  Mengs,  der  typische  Vertreter  der
erst  später  verinnerlichten,  vorerst  einseitig  auf  die  Antike  gerichteten ­
  Bewegung,  dessen  Werken,  nach  Carstens’  spöttischem
Worte,  man  es  anmerkt,  dass  er  zur  Kunst  geprügelt  worden
            
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