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MAK

Full text : Katalog der Wiener-Congress-Ausstellung 1896

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Plastik,  mehr  von'  der  Oberfläche  nahm.  Aber  da  Thorwaldsen
moderne  Empfindungen  in  griechisches  Gewand  hüllt  und  diesen
Gegensatz  mit  unübertrefflicher  Virtuosität  zu  versöhnen  weiss,
so  steht  er  uns  wieder  um  so  viel  näher.  Und  in  der  That,  wer
möchte  des  Alexander-Zuges  entrathen,  des  „Adonis“,  des  löwenbändigenden ­
  „Amor“  und  des  „Ganymed“,  der  „Hebe“,  der  Venus
und  vor  Allem  auch  seiner  späten  Werke,  mit  welchen  er  in  die
christliche  Romantik  einlenkt.  Dass  es  Thorwaldsen  nicht  beschieden
  war,  das  vom  Fürsten-Staatskanzler  Metternich  für  die
Karls-  oder  Augustinerkirche  bestellte  Grabdenkmal  des  Feidmarschalls
  Fürsten  Schwarzenberg  auszuführen,  worüber  ein  Brief
Thorwaldsen’s  im  Haus-,  Hof-  und  Staatsarchive  erliegt,  müssen
wir  lebhaft  beklagen.
In  Deutschland  entwickelt  sich  von  Dannecker  durch  Schadow
bis  Rauch  der  idealistische  und  realistische  zum  typischen  Classicismus,
  zum  stilvollen  Realismus,  wie  Goethe  ihn  in  der  Literatur
in  stufenweiser  Ausbildung  gestaltet  hat.  In  Frankreich  begründen
Julien,  Chaudet  (der  für  die  französische  Plastik  bedeutet,  was
David  für  die  Malerei),  dann  Bosio,  Cortot  und  Pradier  den  Classicismus,
  dem  lange  noch  der  Zopf  anhängt,  während  Rüde,
Ducret  und,  vor  Allem  P.  .J.  David  aus  Angers  in  den  ersten
Decennien  unseres  Jahrhunderts  jenen  durch  die  classische  Schule
gedämpften  Naturalismus  entwickeln,  der  in  Frankreich  Epoche
gemacht  hat.  Unserer  Betrachtung  und  der  österreichischen
Kunst  näher  stehen  jene  drei  deutschen  Künstler,  welche  die
Kunstgeschichte  stets  mit  liebevoller  Verehrung  nennen  wird.
Dannecker  verdanken  wir  die  beste  Porträtbüste  seines  Lands
mannes  und  Freundes  Schiller  und  ein  ausgezeichnetes  Marmorbildniss
  des  Erzherzogs  Karl.  Bei  der  Behandlung  antikisirender
Stoffe  ist  sein  Stil  gesucht,  wie  die  bekannte  „Ariadne“  beweist. ­
  Schadow  hingegen  bringt  im  Laufe  seines  langen,  drei
Generationen  angehörenden  Lebens  die  deutsche  Plastik  auf  die
Höhen  eines  durch  gründliches  Studium  geläuterten  Classicismus,
auf  denen  endlich  Rauch  die  herrlichsten  Werke  schafft.  Auch
wenn  wir  Schadow  mit  Flaxman  vergleichen,  zeigt  sich  wieder,
wie  sich  dasselbe  Vorbild  in  verschiedenen  Individuen  und  Völkern ­
  verschieden  spiegelt.  Der  Engländer  hat  zur  antiken  Figurenbildung ­
  nie  ein  rechtes  Verhältniss  gewonnen;  dem  Deutschen  ist
dies  die  Hauptsache,  aber  er  betrachtet  einsichtig  die  Antike  nur

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