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MAK

Full text : Katalog der Wiener-Congress-Ausstellung 1896

Denn  dass  auch  das  Kunstgewerbe  sich  dieser  in  Literatur
und  hoher  Kunst  eingeschlagenen  Richtung  nicht  entziehen  kann,
liegt  in  der  Natur  der  Sache.  Auch  das  Kunstgewerbe  wird  classisch,
soweit,  ja  mehr  noch  als  die  Bedürfnisse  des  modernen  Lebens
dies  gestatten  wollten.  Schon  der  Stil  Ludwig’s  XVI.  hatte,  durch
die  archäologischen  Forschungen  angeregt,  damit  begonnen,  dei
buntbewegten,  verschnörkelten  Ornamentik  des  Rococo  die  strengeren ­
  Motive  der  griechisch-römischen  Decorationsweise  entgegenzustellen, ­
  und  auch  die  Formen  wurden  steifer,  Tische  und  Stühle
erhielten  anstatt  der  geschweiften  gerade  dünne  Beine;  aber  noch
war  die  Freude  an  reicherem  Schmucke  lebendig  und  man  bevoizugte
  noch  immer  prachtvolle  Bronzeverzierung  und  die  Einlegetechnik.
  Die  Revolution  aber  und  das  erste  französische  Kaiseithum
  kehrt  ganz  zur  griechischen  Kunst  zurück.  Im  sogenannten
Empirestil  mit  seiner  Vorliebe  für  militärische  Trophäen  und
Embleme  prägt  sich  das  Kriegsideal  und  die  ganze  Herbheit  des
Cäsarismus  aus.  In  der  Ornamentik  mischen  sich,  wie  theilweise
in  der  Architektur  der  Epoche,  aus  historischen  Gründen  mit  den
griechischen  ägyptische  Motive,  und  für  die  Formen  der  Geräthe,
welche  dem.  Schmucke  des  Hauses  wie  den  Bedürfnissen  des  täglichen ­
  Lebens  dienen,  werden  zum  Theile  in  recht  wunderlicher
Art  die  Urbilder  der  griechischen  Architektur  massgebend.  Hatte
die  erste  Renaissance,  als  welche  wir  die  Karolingische  Epoche
bezeichnen  können,  antike  Motive,  so  weit  sie  sie  verstand,  übernommen, ­
  aber  nur  in  rohester  Weise  äusserlich  zusammengeschweisst;
  und  hatte  die  zweite  Renaissance,  die  italienische,
die  gesammte  antike  Ornamentik  erneuert,  aber  in  den  Formen
mit  urkräftiger  Originalität  die  Forderungen  einer  neuen  vorgeschrittenen ­
  Zeit  erfüllt;  so  sucht  diese  dritte  Renaissance  ihre  Aufgabe ­
  in  directer  Nachahmung  der  Antike,  indem  sie  der  Gefahr
nicht  entgeht,  auch  dort  nachahmen  zu  wollen,  wo  kein  Vorbild
vorhanden  ist.  Tempel  und  Altäre,  architektonische  Fatjaden  und»
Säulen  sind  die  Typen,  aus  welchen  unser  modernes  Inventar,
Tische,  Kästen,  Stühle,  Uhrbehälter  und  Oefen  und  all  das  Kleingeräth
  geformt  wird,  welches  das  Haus  wohnlich  und  behaglich
machen  soll.  Die  sinnvolle  Ornamentation  der  antiken  Keramik,
wie  die  eigenartige  Decoration  der  Wände,  die  man  in  Pompeji
kennen  gelernt,  wird  auch  dort  verwendet,  wo  der  Zweck  des
Gegenstandes  oder  sein  Material  andere  Forderungen  erheben.  Und
            
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