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MAK

Full text : Katalog der Wiener-Congress-Ausstellung 1896

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seiner  anderen  überragt  hätte  (Demetrius),  Schiller.  Jäh  unterbricht ­
  dieser  vorzeitige  Hintritt  den  nur  wenige  Jahre  früher  geschlossenen ­
  bedeutungsvollen  Bund  der  beiden  Heroen  Weimars,
der  sie  beide  nach  langer  Enthaltung  der  dichterischen  Production
wiedergegeben  hatte.  Nur  schwer  vermögen  wir  uns  in  die  geistige
Bewegung  einer  Zeit  zu  versetzen,  in  welcher  zum  ersten  Male
in  die  Erscheinung  tritt,  was  heute  zu  den  Elementen  unserer
Bildung,  unseres  geistigen  Besitzes  gehört,  verklärt  von  dem
Schimmer  der  Altehrwürdigkeit  und  zu  einer  historischen  Macht
geworden,  an  welcher  keine  Kritik  zu  rütteln  im  Stande  ist.  Bedenken ­
  wir  folgende  Erscheinungsreihe:  „Maria  Stuart“  (am  14.  Juni
1800  in  Weimar  zum  ersten  Male  aufgeführt);  „Die  Jungfrau  von
Orleans“  (1801);  „Die  Braut  von  Messina“  (am  19.  März  1803  in
Weimar  zum  ersten  Male  aufgeführt);  im  selben  Jahre:  Heinrich
von  Kleist’s  „Familie  Schroffenstein“,  Tieck’s  Minnelieder,  Hebel’s
alemannische  Gedichte;  dann  1804:  „Wilhelm  Teil“  (am  17.  März
in  Weimar  zum  ersten  Male  aufgeführt),  Jean  Paul’s  „Flegeljahre“;
1805:  Goethe’s  „Winckelmann  und  sein  Jahrhundert“,  Herder’s
„Cid“,  „Des  Knaben  Wunderhorn“  von  Arnim  und  Brentano  ;
1808:  „Faust“,  erster  Theil,  Fri  Schlegel’s  „Sprache  und  Weisheit
der  Inder“,  Humboldt’s  „Ansichten  der  Natur“;  1809:  „Die  Wahlverwandtschaften“; ­
  1811:  „Dichtung  und  Wahrheit“,  erster  Band;
Niebuhr’s  „Römische  Geschichte“;  1812:  Grimm’s  „Kinder-  und
Hausmärchen“;  1816:  „Die  italienische  Reise“  u.  s.  w.  Ueberjede
Phase  unserer  Epoche  schwebt  Goethe’s  Geist,  und  das  macht  sie
uns  besonders  werthvoli.  Schon  unseren  Grosseltern,  da  er  noch
lebte  und  wirkte,  war  er  eine  mythische  Figur  wie  uns.  Aber  wir
besitzen  ihn  als  ein  überliefertes  Gut,  der  ganze  Reichthum  seines
Geistes  liegt  vor  uns;  jenen  beschied  jedes  Jahr  neue  Gaben  von
ihm,  die  immer  neue  Seiten  seines  Wesens  enthüllten.  Sie  gewannen ­
  stückweise,  was  wir  als  Ganzes  besitzen,  ihnen  war  Offenbarung, ­
  was  uns  Dogma  ist.
Aber  auch  Wien  und  Oesterreich  nehmen  regen  Antheil  nicht
nur,  wie  wir  sahen,  an  der  bildenden  Kunst,  auch  an  der  Literatur,
an  der  Entwicklung  des  Theaters;  in  der  Musik  hat  Wien  die
Führung.  Gollin,  Grillparzer,  Raimund  sichern  Oesterreich  einen
Ehrenplatz  in  dei  Literatur;  das  Burgtheater  unter  Schreyvogel
eihebt  sich  zur  ersten  deutschen  Bühne;  Beethoven,  um  1800  auf
die  Höhe  seines  Könnens  gelangend,  schafft  in  unserer  Epoche

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