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fullscreen: Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild: Ungarn, Band 1

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zu haben; auch eilt er, um beim Maisbrechen, welches sehr viele Hände beschäftigt, für den 
Drusch womöglich keine Taglöhner mehr zu brauchen. 
Alle diese Arbeiten lassen sich in commassirten Bezirken leichter, mit weniger Sorge 
und geringerem Verlust ausführen, verursachen aber sehr beträchtliche Schwierigkeiten, wo 
das Getreide meilenweit gefahren werden muß und das Heimbringen des Maises den 
Landwirth zu spät an die Herbstaussaat gelangen läßt, so daß er, wenn mittlerweile die 
Straßen grundlos geworden, sein Zugvieh zugrunde richtet und seine Äcker für die 
Frühlingssaat nicht mehr genügend bestellen kann. 
Der Geschäftsbetrieb des capitalskräftigen Großgrundbesitzers, aber auch schon des 
kleineren Tanyabesitzers, ist jetzt nicht mehr so extensiv; beide geben sich Mühe, die Statik 
zu erhalten und auch der letztere hält es bereits für seine unabweisliche Pflicht, dem Boden 
das zu ersetzen, was ihm durch die Production entzogen worden. 
Unter den Handelspflanzen sind auf der ganzen großen Ebene zwei von besonderer 
Wichtigkeit: der Hanf und der Tabak. Zur Deckung des Hausbedarfes bauen die Klein 
besitzer überall im Lande Hanf, für den Handel aber, besonders für die Ausfuhr, nur die 
Comitate Bacs-Bodrog und allenfalls Torontäl in erwähnenswerthem Maße. Der Hanf 
aus der Bäcska wird wegen seiner Länge und Zähigkeit von den Seilern besonders 
geschätzt; auch für andere Artikel taugt er, bei denen jedoch die Jute unserem heimischen 
Hanf starke Concurrenz macht, so daß er einem großen Druck unterliegt und seine 
Production im Großen auf wesentliche Hindernisse stößt. Ein wichtigeres Gewächs ist der 
Tabak, dessen Prodnctionsbereich im Lande zwischen 85.000 und 94.000 Joch schwankt; 
so waren im Jahre 1887 93.179 Catastraljoch im Lande mit Tabak bepflanzt. Einen Theil 
dieses Flächenraumes bebauen die größeren Besitzer und Pächter, auf den: Rest bauen die 
Kleinbesitzer ihren Tabak. 
Der größere Besitzer läßt seinen Tabak durch sogenannte Gärtner cultiviren, die er 
mit Wohnung und Nahrung versieht; die Kosten hiefür gelten bis zur Einlösung des 
Productes durch das Ärar als Vorschuß. Der Gärtner übernimmt, im Verhältniß zur 
Größe und Arbeitskraft seiner Familie, die Cultivirung eines Terrains von drei bis fünf 
Joch. In guten Jahren ist der Nutzen des auf Halbpart prodncirenden Landwirthes 
befriedigend, böse Jahre aber, obgleich sie auch den Gärtner berühren, treffen den Besitzer 
am härtesten. 
Der Kleinbesitzer baut den Tabak auf kleinerem Flächenraum und trocknet ihn unter 
dem Vordach. Selten bildet bei ihm der Tabak das Hauptproduct. Stellenweise bringt er 
zur Einlösung ein gutes Gewächs, und die „Gartenblätter", welche hauptsächlich von 
Kleinbesitzern und Gartenbauern geliefert werden, pflegen werthvoll zu sein. Der Tabak 
wäre besonders für Kleinbesitzer von großer Wichtigkeit. Aus vielen Gegenden könnten sie
	        
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