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Full text : Die Plastik Wien´s in diesem Jahrhundert : Vorlesung gehalten im österr. Museum am 31. October 1876

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Das  erste  Denkmal  auf  plastischem  Gebiete  war  der  monumentale
Franzensbrunnen  am  Moldau-Quai,  entworfen  von  Kranner  und  ausgeführt
von  Jos.  Max  im  Aufträge  des  Vereines.  Der  Erzguss  wurde  von  Miller
in  München  ausgeführt.  Das  Franzens-Denkmal  wurde  mit  Unterstützung
der  Stände  Böhmens  geschaffen,  reich  ausgestattet  mit  allegorischen  Gestalten ­
  der  verschiedenen  Kreise  Böhmens.
Ein  zweites  Denkmal,  welches  denselben  Ideenkreisen  entsprang,  war
das  Monument  Karl  des  IV.,  welches  dem  Dresdner  Bildhauer  Jul.  Hähnel
  übergeben  und  in  Lauchhammer  in  Sachsen  gegossen  wurde.  In  den
damals  sehr  leise  auftretenden  slavischen  Oppositionskreisen  sah  man  es
nicht  gerne,  dass  die  böhmischen  Adeligen  sich  an  diesem  Denkmale  betheiligten ­
  und  dass  ein  deutscher  Künstler  zur  Lösung  der  Aufgabe  gewählt ­
  wurde;  aber  damals  gingen  die  Interessen  der  Parteiführer  des  Adels
Hand  in  Hand  mit  den  Trägern  der  deutschen  Kunst.  Mit  diesem  Werke
trat  J.  Hähnel  zum  ersten  Male  als  Bildhauer  in  den  Österreichischen  Ländern ­
  auf,  um  später  in  Wien  eine  hervorragende  Stelle  einzunehmen.
Später  wurde  auch  das  Radetzky-Monument  auf  der  Kleinseite  mit  Unterstützung ­
  des  Monumentalfonds  geschaffen,  welcher  dem  Kunstvereine
glücklicherweise  zur  Verfügung  stand  und  noch  heutigen  Tages  zur  Verfügung ­
  steht.  Die  statuarische  Arbeit  führten,  nach  Ruben’s  Zeichnungen,
die  Bildhauer  Jos.  und  Em.  Max  aus;  gegossen  wurde  es  bei  Burgschmiedt
  in  Nürnberg.  Auf  diese  Weise  trat  die  Plastik  in  Prag  zu  einer
Zeit  schon  selbstbewusst  auf,  als  in  Wien  Niemand  höhere  Zielpunkte  diesem ­
  Kunstzweige  gesetzt  hat  und  setzen  durfte.  Selbst  auf  dem  Gebiete
der  Wissenschaft  war  damals  in  Wien  kein  besonders  reges  Leben  zu  entdecken; ­
  war  doch  auf  keiner  Universität  Oesterreichs  eine  selbstständige
Lehrkanzel  für  Archäologie  und  Kunstgeschichte  vorhanden.  Die  humanistischen ­
  Studien  lagen  darnieder.  Die  philosophische  Facultät  existirte  nur
dem  Namen  nach  und  nur  als  Vorstufe  zu  den  Brodwissenschaften;  es  ist
daher  nicht  zu  verwundern,  dass  man  auch  an  ein  Museum  der  Gypsabgüsse
gar  nicht  dachte.  In  der  Akademie  der  bildenden  Künste  wurde  die  Sammlung ­
  der  Gypsabgüsse  nur  als  ein  Depot  für  Lehrmittel  angesehen.  Diese
Verhältnisse  muss  man  im  Auge  behalten,  wenn  man  die  gegenwärtige
Lage  richtig  und  gerecht  beurtheilen  will.  Dann  wird  es  jedem  Beobachter ­
  der  gegenwärtigen  Zustände  klar,  welchen  kolossalen  Fortschritt  die
Kunst  und  speciell  die  Plastik  gemacht  hat  seit  der  Zeit,  als  Kaiser  Franz
Josef  den  Thron  bestiegen  hat.
ns  ist  unzweifelhaft,  dass  während  dieser  2  5  Jahre  für  die  Plastik
viel  mehr  geschehen  ist,  als  seit  der  Gründung  der  Akademie  unter  Leopold ­
  I.  bis  zum  Jahre  1848.  Wien  ist  jetzt  auf  diesem  Gebiete,  wie  auf
dem  der  Architektur,  allen  deutschen  Großstädten,  München,  Berlin  und
Dresden,  theils  ebenbürtig,  theils  voran.  In  München,  wo  die  Kunsttraditionen ­
  König  Ludwig  I.  preisgegeben  wurden  ,  tritt  die  monumentale
Plastik  ganz  in  den  Hintergrund  und  wendet  sich  mehr  der  decorativen
            
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