Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die Plastik Wien´s in diesem Jahrhundert : Vorlesung gehalten im österr. Museum am 31. October 1876

15

Seite  zu.  Berlin,  wo  die  Plastik  am  rationellsten  gefördert  wurde,  wirkte
in  Christian  Rauch,  ohne  Frage  der  bedeutendste  Bildhauer  deutscher
Nation  in  diesem  Jahrhundert.  Nur  in  Dresden  bildete  sich  eine  Bildhauerschule ­
  unter  Rietschel  und  später  unter  Hähnel,  welche  Beide  aus  der
Schule  Rauch’s  hervorgegangen  sind,  denen  sich  dann  in  würdiger  Weise
Johannes  Schilling  anschloss.  Was  sonst  auf  dem  Gebiete  der  Plastik  im
deutschen  Reiche  vorgeht,  kommt  nicht  weiter  in  Betracht.  Die  Plastik
trat  in  Wien  relativ  spät  in  den  Kreis  der  Reform  des  Unterrichtes  und
wurde  bei  der  Reorganisation  der  Akademie  der  bildenden  Künste  im
Jahre  i852  kaum  berücksichtigt.
Es  kann  nicht  genug  betont  werden,  dass  die  Plastik  vor  Allem  der
wohlbegründeten  Traditionen  und  der  Schulung  bedarf,  um  zu  gedeihen.
Das  Jahr  1848  fand  an  der  Akademie  wohl  eine  Architekturschule,  geleitet
von  Rösner,  Van  der  Nüll  und  Siccardsburg,  aber  keine  Bildhauerschule,
welche  die  Kraft  besessen  hätte,  eine  selbstständige  Schule  zu  bilden  und
Traditionen  festzuhalten,  wie  es  in  Berlin  durch  Rauch,  in  Dresden  durch
Rietschel  der  Fall  war.  Was  die  Akademie  leisten  konnte,  sowohl  nach
den  an  ihr  wirkenden  Kräften,  wie  nach  den  Räumen,  welche  ihr  zur
Verfügung  standen,  beschränkte  sich  auf  Das,  was  man  eine  allgemeine
Bildhauerschule  nennt.  Der  rein  künstlerische  Unterricht  durch  Ateliers
war  ganz  unmöglich;  es  existirten  eben  damals  keine  Ateliers  für  die
Lehrer  der  Akademie.  Man  begnügte  sich  damit,  die  ausgezeichneteren  Zöglinge ­
  der  Akademie  nach  Rom  zu  senden,  und  dort  konnte  eben,  nach  den
früher  geschilderten  Verhältnissen,  nichts  Durchgreifendes  erzielt  werden;
—  oder  man  schickte  mit  Staatsunterstützung  hervorragendere  Zöglinge
an  die  Dresdener  Akademie,  wo  sich  die  akademischen  Professoren  im
Besitze  wohleingerichteter  Staatsateliers  befanden  und  wo  auch  die  Regierung ­
  in  sehr  verständiger  Weise  Sorge  trug  und  noch'  trägt,  dass
den  Leitern  dieser  Ateliers  entsprechende  Aufträge  zu  Theil  werden,  an
welchen  sich  auch  Schüler  betheiligen.  Aus  diesen  Ateliers  gingen  drei
österreichische  Künstler  hervor,  welche  jetzt  in  Wien  eine  bedeutende
Stellung  einnehmen:  der  jetzige  Professor  an  der  Akademie,  ICundmann,
der  Bildhauer  Johannes  Benk  und  der  Hofmedailleur  Tautenhayn.  Auf
diese  Weise  trat  ein  ganzes  Jahrzehnt  hindurch  Dresden  Wien  sehr  nahe,
abgesehen  von  dem  Umstande,  dass  der  Dresdener  Professor  Plähnel  mit
bedeutenden  Aufträgen  von  Wien  ausgezeichnet  wurde.  Dass  Dresden  in
dieser  Beziehung  München  den  Vorrang  abgewann,  erklärt  sich  aus  der
damaligen  Kunstlage  in  München,  welche  noch  zu  Lebzeiten  Schwanthaler’s
  für  die  Plastik  nicht  förderlich  war  und  die  sich  auch  nach  dem
Tode  desselben  nicht  zum  Bessern  gewendet  hat.  Schwanthaler  war  mit
Aufträgen  in  einer  Weise  überhäuft,  welche  der  Entwicklung  seines  künstlerischen ­
  Talentes  nichts  weniger  als  günstig  war.  Er  wurde  eine  Art  von
künstlerischem  Fa-Presto,  und  hatte  sich  in  Kunstformen  eingelebt,  die
man  damals  stylistisch  nannte,  die  aber  in  Wahrheit  etwas  von  der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.