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Full text : Die Plastik Wien´s in diesem Jahrhundert : Vorlesung gehalten im österr. Museum am 31. October 1876

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Schwarzenberg.  In  derselben  Zeit  entstand  das  Arsenal  mit  der  Ruhmesund
  Eintrittshalle,  in  welchen  eine  grosse  Anzahl  von  Marmor-Standbildern ­
  österreichischer  Heerführer  aufgerichtet  wurden.  Die  erwähnten
Kolossalbildwerke  gaben  Veranlassung  zur  Gründung  der  kaiserlichen
Erzgiesserei,  welche  in  die  Hände  des  Bildhauers  Anton  Fernkorn,  eines
Erfurters  von  Geburt,  gelegt  wurde,  der  in  München,  speciell  in  der  Stieglmeier’schen
  Erzgiesserei  daselbst,  seine  Studien  gemacht  hatte  und  mit  dem
Verständniss  eines  erfahrenen  und  gewissenhaften  Bildhauers  die  Kenntniss
des  Erzgusses  verband.  Auf  diesem  Wege  erhielt  Wien  eine  Kuusterzgiesserei
  und  man  hatte  nicht  mehr  nöthig,  sich  bei  solchen  Anlässen  nach
München,  Nürnberg  oder  nach  Lauchhammer  zu  wenden.  Seit  dieser  Zeit
besteht  dieses  Institut  und  ist  in  ununterbrochener  Thätigkeit;  neuester
Zeit  trat  die  Turbain’sche  Bronzegiesserei  auf,  die  sich  auch  an  höhere
künstlerische  Aufgaben  wagt.  Alle  Erzgiessereien,  die  sonst  in  Oesterreich ­
  bestanden,  haben  nur  eine  kurze  Zeit  ihr  Leben  fristen  können;
jene,  aus  welcher  die  Bronzefiguren  der  Hofkirche  in  Innsbruck  hervorgingen, ­
  ist  in  eine  Brauerei  verwandelt.  Die  älteren  Erzgüsse,  denen  wir
in  Prag  begegnen,  scheinen  in  Nürnberg  ausgeführt  worden  zu  sein;  was
in  Krakau  an  Erzgusswerken  existirt,  stammt  aus  der  Zeit  der  Blüthe  der
dortigen  deutschen  Bürgercolonie,  wo  das  Magdeburger  Recht  noch  Stadtrecht ­
  war,  die  Verhandlungen  der  Commune  noch  in  deutscher  Sprache
geführt  wurden  und  die  Verbindungen  zwischen  Nürnberg  und  Krakau
lebendige  waren.  Die  Wiederbelebung  der  monumentalen  Plastik  in  Wien
und  die  Belebung  des  Erzgusses  gehen  Hand  in  Hand  mit  den  Bestrebungen, ­
  den  Staatsgedanken  durch  Bildwerke  zu  verkörpern.  Beides  sind
die  eigensten  Werke  des  Kaisers  und  ihm  allein  verdankt  Wien  die  Erzgiesserei ­
  und  die  monumentale  Plastik  bis  auf  den  heutigen  Tag.
Eine  ungemeine  Förderung  erhielt  die  Plastik  durch  die  Stadterweiterung
  Wiens,  welche  durch  ein  Handbillet  des  Kaisers  vom  20.  December
1857  hervorgerufen  wurde.  Gegenwärtig  ist  die  Stadterweiterung  eine
vollendete  Thatsache  und  was  auch  daran  getadelt  werden  mag,  sie  ist
glänzender  durchgeführt  worden,  als  sie  intentionirt  wurde.  Die  architektonische ­
  Physiognomie  Wiens  —  und  ihr  folgend  die  von  Pest,  Brünn,
Graz,  Salzburg  und  jetzt  auch  von  Prag  —  veränderte  sich  in  Folge  derselben ­
  gründlich.  Der  Baukunst  fiel  selbstverständlich  der  Löwenantheil
der  Kunstbewegung  zu,  welche,  befreit  von  der  bauamtlichen  Bevormundung, ­
  als  selbstständige  Kunst  auftrat  —  und  [sie  verdiente  auch  diese
hervorragende  Stellung,  nicht  blos  nach  der  Grösse  der  Aufgaben,  welche
sie  durchzuführen  hatte,  sondern  auch  nach  dem  Talente  der  Architekten,
welche  die  Baubewegung  in  die  Hand  genommen  haben,  wie  die  Oesterreicher ­
  Van  der  Nüll,  Siccardsburg,  Romano,  Ferstel,  Hasenauer  und
Schwendenwein,  der  Schwabe  Schmidt,  der  Däne  Hansen  und  die  Norddeutschen ­
  Förster  und  Semper.  Die  Wiener  Stadterweiterung  fand  die
Architekten  vorbereitet  und  geschult;  ihre  Kunst  war  daher  vom  ersten
            
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