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Dass die Anlässe zur Bestellung selbstständiger Bildhauerwerke sich
in Oesterreich vermehren und dass die Zahl selbstständiger und vorzüglicher
Bildhauerwerke sich steigere, das ist dasjenige, worauf man alle
Aufmerksamkeit verwenden muss. Denn die Bildhauerei schrumpft von
selbst zusammen, wenn die Anlässe zu Kunstwerken sich vermindern, wenn
den Auftraggebern das Bestimmungsrecht und die Wahl des Künstlers
verkümmert wird, und wenn insbesondere bei den grossen öffentlichen Bauten
das architektonische Moment einseitig betont wird und das selbstständige
Bildhauerwerk daselbst nicht zur rechten Geltung kommen kann.
Diesen Anforderungen zu genügen ist jetzt reicher Anlass bei dem Baue
des Parlamentshauses, der Hofmuseen, des Hofburgtheaters und des Stadthauses.
Nicht bald wird wieder ein so günstiger Moment eintreten, die
figurale Plastik zur Geltung zu bringen. Ein Kunstzweig wie die Bildhauerei,
für welche auch der gebildete Theil des Publicums relativ ein
geringes Verständniss hat, kann nur gehoben werden, wenn das Interesse
für das Kunstwerk selbst wachgerufen wird. So lange es dem
Publicum gleichgiltig ist, ob die Statue von dem A oder B gemacht
wird, so lang werden äussere Massregeln die Bildhauerei nicht heben.
Das betheiligte Publicum muss der Künstler und das Kunstwerk gleichmässig
interessiren. Die äusseren Verhältnisse haben sich wesentlich
zu Gunsten der Bildhauerei gewendet, an der Akademie der bildenden
Künste ist die Bildhauerei wieder ein Hauptfach geworden, das nicht in’s
Schlepptau der Malerei oder Architektur genommen wird. Es ist auch
durch die Wahl des Rectors die Möglichkeit gegeben, dass die Leitung
der Akademie zeitweilig in die Hände eines Bildhauers kq^nrnt, die Professoren
der Akademie haben ihre selbstständigen Ateliers, und es wird nicht
ein Jahr vergehen, so wird ein wohlorganisirtes Museum von Gypsabgüssen
zum Studium für Künstler und für Kunstfreunde geöffnet sein, wie
es nirgendwo in Oesterreich besteht. An der Universität werden die humanistischen
Studien und die classische Archäologie und Kunstgeschichte
im ausgedehnten Masse betrieben, und es wird langsam sozusagen die geistige
Atmosphäre geschaffen, welche zum Gedeihen der Plastik unerlässlich
ist. Die humanistischen Studien, die vor dem Jahre 1848 nur dem Namen
nach gepflegt wurden, bilden gegenwärtig einen integrirenden 1 heil der
Universitätsstudien, und es wird hoffentlich auch die jüngere Bildhauei generation
es nicht versäumen, ihren Geist mit Aufnahme der Anschauungen
des classischen Alterthums zu nähren. Es ist unter der Bildhauergeneration
wieder der Ehrgeiz wachgerufen worden, sich als Träger einer
selbstständigen Kunst zu fühlen, und auch das Publicum beginnt Über die
Bedeutung der Plastik nachzudenken, und wendet sich, wenn auch langsam,
doch sicher dem Kunstzweige zu, der lange vernachlässigt und gering geschätzt
wurde. Aber alle die äusseren Verhältnisse würden gar nichts
nützen, wenn die Hauptsache fehlte, das Kunstwerk, für das man sich interessirt
und innerlich erwärmt. Die Gesellschaft, der Staat, der Hof, sie
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