Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die Plastik Wien´s in diesem Jahrhundert : Vorlesung gehalten im österr. Museum am 31. October 1876

Die  Marmorbrüche  im  Laaser  Thale  und  die  dortige  Fachschule ­
  für  Marmorindustrie.
(Auszug  aus  einem  Berichte  der  Herren  Oberbaurath  Ritter  v.  Ferstel  und  Professor
Zumbusch  an  den  Artistischen  Aufsichtsrath  der  vom  k.  k.  Handelsministerium  subventionirten
  Fachschulen.)

Die  Fachschule  in  Laas  hat  die  Aufgabe,  tüchtige  Hilfsarbeiter  für  die  Ausführung
von  Marmorwerken  heranzubilden,  also  vorzüglich  Punktirer  und  Bildhauer  für  ornamentale ­
  Arbeiten.  Die  Organisirung  dieser  Schule  entspricht  ganz  diesem  Zwecke.  Ihr  Leiter,
Herr  J.  Steinhäuser,  ist  ein  von  Jugend  auf  in  römischer  Marmortechnik  geschulter,
tüchtiger  Bildhauer,  in  dessen  eigenstem  Interesse  es  liegt,  brauchbare  Marmorarbeiter
heranzuziehen.  Das  Punktiren  wird  nach  der  besten  Methode  gelehrt.  Die  Schüler  haben
zudem  Gelegenheit,  neben  tüchtigen  römischen  Bildhauern  zu  arbeiten,  welche  für  Herrn
Steinhäuser  Kolossalstatuen  nach  eingesandten  Modellen  in  Marmor  ausführen.  Die  Zahl
dieser  Schüler  beträgt  jetzt  13,  von  denen  einige  schon  recht  leistungsfähig  sind  Einzelne
punktiren  recht  geschickt,  andere  arbeiten  architektonische  Ornamente,  aber  auch  die  Geringsten ­
  unter  ihnen  werden  mit  5o  kr.  täglich  entlohnt.  ...
Nachdem  die  Laaser  Fachschule  und  ihre  Entwicklung  ausschliesslich  durch  die  in
Laas  und  Umgegend  betriebene  Marmorindustrie  bedingt  ist  und  mit  Hebung  der  letztem
sich  die  Schule  gewissermassen  von  selbst  ergibt,  so  dürfte  sich  das  Augenmerk  des
hohen  k.  k.  Handelsministeriums  in  erster  Linie  der  gedachten  Industrie  zuwenden,  welche
nach  allen  vorhandenen  Bedingungen  wohl  zu  einem  "weit  höheren  Aufschwünge  geeignet
sein  dürfte.  Die  Gebirge  von  Laas  und  Schlanders  enthalten  reichliches  und  vorzügliches
Marmormaterial,  das  schon  seit  Jahrhunderten  bekannt  ist,  ohne  dass  die  Brüche  ordentlich ­
  ausgebeutet  worden  wären.  Auf  den  Friedhöfen  im  Vintschgau  —  von  Meran  aufwärts ­
  —  findet  man  zahlreiche,  bis  in’s  14.  Jahrhundert  zurückreichende  Grabmonumente
und  Epitaphien;  an  der  Kirche  in  Schlanders  sind  Portal  und  Thurmmasswerk,  und  an
zahlreichen  vornehmeren  Häusern  in  dieser  Gegend  Madonnen  und  andere  Reliefs  sowie
Wappen  aus  diesem  Materiale.  Aus  dem  heutigen  Bestand  dieser  nach  Jahrhunderten
zählenden  Objecte  lässt  sich  die  vortreffliche  Qualität  und  Wetterbeständigkeit  beurtheilen.
Nirgend  finden  sich  Anzeichen  von  Verwitterung.  Die  fein  behandelten  Körpertheile  an
den  Figuren  sind  vollkommen  glatt  und  glänzend,  an  den  Architekturtheilen  kann  man
die  Meisseischläge  erkennen.  Dabei  hat  sich  die  Farbe  hell-elfenbeinartig  bis  zu  einem
tiefen  Gelb  erhalten;  beinahe  nirgend  sieht  man  die  grauen  und  schwarzen  Flecken,
welche  insbesondere  beim  Carrara-Marmor  Vorkommen.  Nach  seiner  Structur  und  auch
in  seiner  Dauerhaftigkeit  und  der  durch  die  Zeit  hervorgebrachten  Patina  erinnert  das
Materiale  lebhaft  an  den  griechischen  Marmor,  dem  es  auch  jedenfalls  viel  näher  steht,
als  dem  von  Carrara.  ,  .  ,  „  ..  .
Bei  näherer  Untersuchung  des  aus  den  verschiedenen  Brüchen  genommenen  Materials ­
  ergibt  sich  auch  der  Unterschied  verschiedener  Marmorsorten  ,  trotz  Gleichartigkeit ­
  des  Grundstoffes.  Es  gibt  Marmorsorten  von  zarterem  Korn  und  etwas  geringerer
Härte,  die  sich  für  feine  Durchbildung  von  Körper-  und  Gewandthellen  vorzüglich  eignen,
obgleich  sie  nicht  so  weich  wie  der  statuarische  Marmor  von  Carrara  sind;  Sorten  von
gröberem  Gefüge  für  mehr  decorative  Zvvecke,  und  endlich  Sorten,  welche  in  niedrigen
Schichten  (Platten)  brechen  und  für  architektonische  Zwecke  wie  geschaffen  sind.
Bei  dem  Umstande,  dass  keiner  dieser  Brüche  je  regelmässig  betrieben  wurde,
war  eine  Sonderung  des  Materials  für  die  verschiedenartigen  Zwecke  nie  möglich,  sondern ­
  es  wurde  für  den  jeweiligen  Bedarf  eben  dasjenige  Material,  welches  am  leichtesten
zu  beschaffen  war,  genommen,  und  wegen  Gewinnung  grösserer  Blöcke  wurden  die
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.