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Full text : Die Plastik Wien´s in diesem Jahrhundert : Vorlesung gehalten im österr. Museum am 31. October 1876

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Brüche  nicht  selten  zerstört.  Die  verhältnissmässig  grösste  Ausbeutung  scheinen  diese
Brüche  in  jener  Zeit  erlangt  zu  haben,  wo  König  Ludwig  I.  in  Bayern  die  grossen  monumentalen ­
  Werke  geschaffen  hat,  für  welche  der  Sculpturschmuck  beinahe  durchwegs
aus  den  Marmorbrüchen  von  Schlanders  und  Laas  geholt  wurde.  Für  architektonische
Arbeiten  hat  er  stets  nur  eine  sehr  geringe  Verwendung  gefunden,  obgleich  er  sich  hiefür
auch  ganz  besonders  qualificirt.
Nach  längerer  Pause,  während  welcher  eine  ganz  unregelmässige  Ausbeutung  —
mehr  eine  Art  Raubbau  —  in  Uebung  gewesen  zu  sein  scheint,  hat  vor  beiläufig  12
Jahren  Herr  Steinhäuser  einen  Theil  der  Brüche  in  Betrieb  genommen  und  Einrichtungen
gemacht,  welche  allerdings  eine  grössere  Ausbeutung  zulassen,  und  einem  rationellen  Betriebe ­
  der  dortigen  Marmorindustrie  zu  Gute  kommen.
Um  dieselben  aber  schwunghaft  zu  betreiben  und  um  sie  auf  jene  Höhe  zu  bringen,
dass  sie  mit  den  so  vorzüglich  eingerichteten  Carrara-Werken  concurriren  können,  dazu
reichen  die  Mittel,  über  welche  Herr  Steinhäuser  verfügt,  nicht  aus.  Zu  einem  rationellen ­
  Betriebe  gehört  erstens  ein  unter  Umständen  grosses  Capital,  um  die  Brüche  in
ertragsfähigen  Zustand  zu  bringen,  zweitens  die  Herstellung  guter  Communicationen  zum
Transport  der  rohen  Steine  und  endlich  sind  eine  Reihe  von  Herstellungen  zum  Bearbeiten ­
  des  Materials,  Sägen,  Bohr-  und  Schleifmaschinen  und  Hebevorrichtungen  erforderlich. ­
  Herr  Steinhäuser  scheint  sein  Augenmerk  vorzüglich  auf  die  zuletzt  genannten
Herstellungen  gerichtet  zu  haben,  wobei  allerdings  der  Betrieb  der  Brüche  und  die  Beschaffung ­
  guter  Communicationen  einigermassen  vernachlässigt  blieb.  Am  Ausgang  der
Schlucht,  in  welcher  die  Laaser  Brüche  liegen,  hat  Herr  Steinhäuser  ganz  nahe  an  dem
Orte  Laas  ein  ansehnliches  Etablissement,  welches  für  eine  weit  grössere  Erzeugung  als
die  gegenwärtige  genügen  würde,  und  zwar  mit  allen  zum  maschinellen  Betriebe  erforderlichen ­
  Herstellungen  und  unterstützt  von  einer  hinreichenden  Wasserkraft,  errichtet.
Die  Summen,  welche  auf  diese  Fabriksgebäude  und  deren  Einrichtung  verwendet  wurden,
mussten  sehr  bedeutend  sein  und  es  erweist  sich  diese  Anlage  auch  als  ganz  zweckmässig.
Herr  Steinhäuser  erkennt  nun  sehr  wohl  die  Nothwendigkeit,  dass  zur  Verbesserung  der
Brüche  und  der  Communicationswege  gleichfalls  grössere  Summen  aufgewendet  werden
sollten,  als  dies  bisher  geschehen  ist,  und  er  hat  auch  in  dieser  Hinsicht  Namhaftes  geleistet, ­
  aber  für  das,  was  geschehen  müsste,  um  Hand  in  Hand  mit  der  Leistungsfähigkeit
seiner  Fabrik  zu  gehen,  dafür  scheinen  die  Kräfte  Steinhäuser’s  zu  geringe.
Es  dürfte  hier  wohl  der  geeignete  Ort  sein,  darauf  hinzuweisen,  welche  grosse
Vortheile  der  ganzen  Gegend  durch  einen  lebhaften  Betrieb  der  Marmorindustrie  erwachsen
würden,  Vortheile,  die  sich  ausser  der  Erweiterung  ergiebiger  Erwerbsquellen  für  eine
wenig  wohlhabende  Bevölkerung  auch  ganz  direct  —  wie  beispielsweise  durch  die  Gewinnung ­
  eines  ganz  ausgezeichneten  Schottermaterials,  an  welchem  gegenwärtig  ein  empfindlicher ­
  Mangel  bemerkbar  ist  —  geltend  machen  würden.  Der  letztere  Umstand  ist
hier  besonders  als  ein  Motiv  angeführt  worden,  welches  die  hohe  Landesregierung  zur
Leistung  eines  Beitrages  für  Verbesserung  der  Verkehrswege  zu  den  Brüchen  bestimmen
könnte,  während  andere  vitale  Interessen,  ob  solche  nun  den  engen  hiervon  betroffenen
Bezirk  eines  Landes,  oder  eine  für  den  Gesammtstaat  wichtige  Industrie  betreffen,  der
Erwägung  des  hohen  k.  k.  Handelsministeriums  nicht  entgehen  dürften.
Zur  besseren  Würdigung  des  in  letzterer  Beziehung  Erforderlichen  scheint  eine
nähere  Beschreibung  der  Brüche,  ihrer  Lage,  Zugängigkeit  und  Ergiebigkeit  unerlässlich.
Gegenwärtig  sind  von  Herrn  Steinhäuser  vier  Brüche  in  Betrieb  gesetzt;  drei  derselben ­
  liegen  in  dem  engen,  schluchtartigen  Thale,  welches  sich  vom  Orte  Laas  nach  den
Laaser  Gletschern  hinaufzieht,  der  vierte  Bruch  liegt  eine  Stunde  südlich  von  Schlanders.
Von  dem  beiläufig  2000'  über’m  Meer  liegenden  Orte  Laas  steigt  der  Weg  nach  den  erstgenannten ­
  drei  Brüchen  anfänglich,  beiläufig  eine  Stunde  lang,  sehr  steil  hinan,  so  dass
er  mit  vierräderigen  Karren  nicht  befahren  werden  kann,  sondern  nur  mit  schlittenartigen
Fuhrwerken,  welche  an  manchen  Stellen  mit  Seilen  befördert  werden  müssen.  Nachdem
die  grösste  Steigung  erreicht  ist,  geht  beiläufig  eine  halbe  Stunde  lang  der  Weg  in  einer
massigen,  für  Wagen  zulässigen  Steigung  fort.  Die  genannten  drei  Brüche  liegen  nun  an
dem  rechten,  dem  Wege  gegenüberliegenden  Ufer  des  von  den  Gletschern  herabstürzenden
Baches  und  zwar  an  durchaus  steilen  Bergwänden.  An  vielen  Stellen  sieht  man  diese
Glimmerschieferwände  durchzogen  von  Kalkstein,  und  dürfte  die  Ausbeute  von  Marmormateriale ­
  in  diesem  Thale  wohl  unerschöpflich  genannt  werden  können.
Der  erste  Bruch,  zu  dem  man  von  der  Thalsohle  aus  gelangt,  liegt  beiläufig  600'
über  dieser,  im  Ganzen  sicher  über  5ooo'  üb.  Meer,  und  an  einer  steilen  Wand,  dass  das
gewonnene  Materiale  in’s  Thal  nur  herabgeworfen  oder  geseilt  werden  kann.  EristTernellabrücklbruch
  genannt  und  liefert  sehr  gutes  und  sehr  reichhaltiges  Materiale,  welches, ­
  da  es  schichtenartig  bricht,  für  Stufen,  Platten  und  andere  architektonische  Arbeiten
besonders  verwendbar  erscheint.  Im  Thale,  eine  halbe  Stunde  weiter  aufwärts  schreitend,
aber  mit  sehr  geringer  Steigung,  gelangt  man  an  den  Fuss  des  zweiten  sogenannten  Jen-
            
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