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Brüche nicht selten zerstört. Die verhältnissmässig grösste Ausbeutung scheinen diese
Brüche in jener Zeit erlangt zu haben, wo König Ludwig I. in Bayern die grossen monumentalen
Werke geschaffen hat, für welche der Sculpturschmuck beinahe durchwegs
aus den Marmorbrüchen von Schlanders und Laas geholt wurde. Für architektonische
Arbeiten hat er stets nur eine sehr geringe Verwendung gefunden, obgleich er sich hiefür
auch ganz besonders qualificirt.
Nach längerer Pause, während welcher eine ganz unregelmässige Ausbeutung —
mehr eine Art Raubbau — in Uebung gewesen zu sein scheint, hat vor beiläufig 12
Jahren Herr Steinhäuser einen Theil der Brüche in Betrieb genommen und Einrichtungen
gemacht, welche allerdings eine grössere Ausbeutung zulassen, und einem rationellen Betriebe
der dortigen Marmorindustrie zu Gute kommen.
Um dieselben aber schwunghaft zu betreiben und um sie auf jene Höhe zu bringen,
dass sie mit den so vorzüglich eingerichteten Carrara-Werken concurriren können, dazu
reichen die Mittel, über welche Herr Steinhäuser verfügt, nicht aus. Zu einem rationellen
Betriebe gehört erstens ein unter Umständen grosses Capital, um die Brüche in
ertragsfähigen Zustand zu bringen, zweitens die Herstellung guter Communicationen zum
Transport der rohen Steine und endlich sind eine Reihe von Herstellungen zum Bearbeiten
des Materials, Sägen, Bohr- und Schleifmaschinen und Hebevorrichtungen erforderlich.
Herr Steinhäuser scheint sein Augenmerk vorzüglich auf die zuletzt genannten
Herstellungen gerichtet zu haben, wobei allerdings der Betrieb der Brüche und die Beschaffung
guter Communicationen einigermassen vernachlässigt blieb. Am Ausgang der
Schlucht, in welcher die Laaser Brüche liegen, hat Herr Steinhäuser ganz nahe an dem
Orte Laas ein ansehnliches Etablissement, welches für eine weit grössere Erzeugung als
die gegenwärtige genügen würde, und zwar mit allen zum maschinellen Betriebe erforderlichen
Herstellungen und unterstützt von einer hinreichenden Wasserkraft, errichtet.
Die Summen, welche auf diese Fabriksgebäude und deren Einrichtung verwendet wurden,
mussten sehr bedeutend sein und es erweist sich diese Anlage auch als ganz zweckmässig.
Herr Steinhäuser erkennt nun sehr wohl die Nothwendigkeit, dass zur Verbesserung der
Brüche und der Communicationswege gleichfalls grössere Summen aufgewendet werden
sollten, als dies bisher geschehen ist, und er hat auch in dieser Hinsicht Namhaftes geleistet,
aber für das, was geschehen müsste, um Hand in Hand mit der Leistungsfähigkeit
seiner Fabrik zu gehen, dafür scheinen die Kräfte Steinhäuser’s zu geringe.
Es dürfte hier wohl der geeignete Ort sein, darauf hinzuweisen, welche grosse
Vortheile der ganzen Gegend durch einen lebhaften Betrieb der Marmorindustrie erwachsen
würden, Vortheile, die sich ausser der Erweiterung ergiebiger Erwerbsquellen für eine
wenig wohlhabende Bevölkerung auch ganz direct — wie beispielsweise durch die Gewinnung
eines ganz ausgezeichneten Schottermaterials, an welchem gegenwärtig ein empfindlicher
Mangel bemerkbar ist — geltend machen würden. Der letztere Umstand ist
hier besonders als ein Motiv angeführt worden, welches die hohe Landesregierung zur
Leistung eines Beitrages für Verbesserung der Verkehrswege zu den Brüchen bestimmen
könnte, während andere vitale Interessen, ob solche nun den engen hiervon betroffenen
Bezirk eines Landes, oder eine für den Gesammtstaat wichtige Industrie betreffen, der
Erwägung des hohen k. k. Handelsministeriums nicht entgehen dürften.
Zur besseren Würdigung des in letzterer Beziehung Erforderlichen scheint eine
nähere Beschreibung der Brüche, ihrer Lage, Zugängigkeit und Ergiebigkeit unerlässlich.
Gegenwärtig sind von Herrn Steinhäuser vier Brüche in Betrieb gesetzt; drei derselben
liegen in dem engen, schluchtartigen Thale, welches sich vom Orte Laas nach den
Laaser Gletschern hinaufzieht, der vierte Bruch liegt eine Stunde südlich von Schlanders.
Von dem beiläufig 2000' über’m Meer liegenden Orte Laas steigt der Weg nach den erstgenannten
drei Brüchen anfänglich, beiläufig eine Stunde lang, sehr steil hinan, so dass
er mit vierräderigen Karren nicht befahren werden kann, sondern nur mit schlittenartigen
Fuhrwerken, welche an manchen Stellen mit Seilen befördert werden müssen. Nachdem
die grösste Steigung erreicht ist, geht beiläufig eine halbe Stunde lang der Weg in einer
massigen, für Wagen zulässigen Steigung fort. Die genannten drei Brüche liegen nun an
dem rechten, dem Wege gegenüberliegenden Ufer des von den Gletschern herabstürzenden
Baches und zwar an durchaus steilen Bergwänden. An vielen Stellen sieht man diese
Glimmerschieferwände durchzogen von Kalkstein, und dürfte die Ausbeute von Marmormateriale
in diesem Thale wohl unerschöpflich genannt werden können.
Der erste Bruch, zu dem man von der Thalsohle aus gelangt, liegt beiläufig 600'
über dieser, im Ganzen sicher über 5ooo' üb. Meer, und an einer steilen Wand, dass das
gewonnene Materiale in’s Thal nur herabgeworfen oder geseilt werden kann. EristTernellabrücklbruch
genannt und liefert sehr gutes und sehr reichhaltiges Materiale, welches,
da es schichtenartig bricht, für Stufen, Platten und andere architektonische Arbeiten
besonders verwendbar erscheint. Im Thale, eine halbe Stunde weiter aufwärts schreitend,
aber mit sehr geringer Steigung, gelangt man an den Fuss des zweiten sogenannten Jen-