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wandbruches. Derselbe liegt allerdings etwas weniger steil, aber mindestens 500' noch
höher als der Ternellabrücklbruch; er liefert das feinkörnigste und schönste Materiale
(jedenfalls die Primasorte des Laaser Materials). Dieser Bruch ist es, welcher vorzüglich
für die Sculpturwerke, die unter König Ludwig I. in grosser Anzahl ausgeführt wurden, in
Verwendung kam. Es ist dies dieselbe Felswand, an deren Rückseite die Marmorbrüche
von Schlanders liegen. Qualität und Ergiebigkeit des Materiales in diesem Bruche sind
ausser Zweifel, aber die Gewinnung desselben ist mit Schwierigkeiten verbunden, namentlich
da in diesem Bruche allem Anscheine nach lange Zeit ein regelmässiger Betrieb nicht
stattgefunden hat und vorerst grössere Mittel zur Instandsetzung desselben aufgewendet
werden müssten. Aus diesem Grunde war Herr Steinhäuser bestrebt ein an Qualität ähnliches
Materiale in günstigerer Lage aufzufinden, ln der That hat er an der Thalsohle
noch weiter aufwärts und in geringer Höhe über derselben, daher gut zugängig, vor nicht
langer Zeit einen Bruch eröffnet (im sogenannten Faltinboden', den dritten gegenwärtig in
diesem Thale betriebenen Marmorbruch. Das Materiale hat die nächste Verwandtschaft mit
jenem des Jenbruch und kann tiefer hinein vielleicht demselben an Qualität nahkommen;
nach den bisherigen Proben überragt das Materiale des Jenbruch diejenigen der anderen
Brüche noch ganz wesentlich. Der vierte Bruch endlich, Mort el labru ch (Val Martell),
liegt in dem von Schlander’s südlich abzweigendem Thale; der Weg bis zur Wand, an
welcher derselbe liegt, ist ganz gut mit Wägen fahrbar und hat massige Steigung. Die
Wand, an welcher der Bruch liegt, ist auch steil und wird das Materiale herabgestürzt
oder könnte bei besserem Betriebe geseilt werden. Die Zugängigkeit bei diesem Bruche
ist ohne Vergleich besser als jene der Brüche von Laas; das Materiale ist derber , von
gröberem Gefüge, aber wie es scheint gleichförmig und bricht in sehr grossen Stücken,
wie ein eben am Fusse des Bruches zur Bossirung zu einer Mosesstatue bereitliegender,
18' langer Block beweist. Dieses Materiale scheint zu architektonischen und decorativen
figuralischen Arbeiten besonders geeignet und besitzt grosse Aehnlichkeit mit demjenigen
von der Insel Naxos. _ . ,
Die eben näher bezeichnten, von Herrn Steinhäuser gegenwärtig benutzten Bruche
bilden jedenfalls nur einen geringen Theil der Ausbeute, welche in diesen beiden Thälern
an Marmormateriale möglich wäre, und betreibt auch Herr Schmidinger in Höflein
bei Schlanders seine sogenannten Schlandersbrüche nur mässig. Aber obgleich es ausser
Frage steht, dass auch an anderen Punkten in diesen Thälern Materiale von vorzüglicher
Qualität aufzufinden wäre, so könnten die Gefertigten selbst unter der Voraussetzung, dass
grössere Geldmittel dafür aufgewendet würden, auf die Eröffnung neuer Brüche nicht einrathen.
Im Gegentheile scheint gegenwärtig schon für die vorhandenen Geldmittel das
Terrain der Brüche zu ausgedehnt, und man möchte eher auf Einschränkung als auf Erweiterung
einrathen; und insbesondere zu einer Concentrirung der Mittel auf jene Brüche,
welche bei gutem Betriebe eine reichliche Ausbeute und ein höchst werthvolles Materiale
zu liefern versprechen. Hiebei sind in erster Linie die Brüche der Jenwand und zunächst
der Bruch von Ternellabrückl gemeint. Für letzteren, welcher gegenwärtig am besten
betrieben wird und wo recht ergiebige Wände aufgedeckt sind, dürfte die Anlage einer
Rutschbahn vorläufig genügen, welche nach der hiezu günstigen Situation^ des Bruches
mit verhältnissmässig geringen Mitteln zu bewerkstelligen wäre. Bei den Brüchen an dei
Jenwand, welche hiemit der besonderen Aufmerksamkeit empfohlen sein möchten, dürften
voraussichtlich grössere Geldmittel zur Aufdeckung ausgedehnter Wände aufzuwenden sein ;
bei diesem Vorgehen möchte jedoch ein möglichst sparsamer Gebrauch von dem erwiesener
Massen allzureichlich verwendeten Pulver gemacht werden.
Eine Massregel jedoch, welche für sämmtliche Laaser Brüche gleich wichtig erscheint,
ist die Verbesserung, oder richtiger gesprochen, Umlegung der oben schon geschilderten
schlechten Strasse, und zwar vornehmlich des ersten, beiläufig eine halbe Meile
langen Theiles bis zu jener Stelle, wo dieselbe dann mit geringer Steigung dem Laufe
des Baches entlang ansteigt. Bei dem hier angeregten Strassenbau, welcher auch der besonderen
Aufmerksamkeit der Landesregierung zu empfehlen wäre, dürfte die dabei wesentlich
interessirte Gemeinde voraussichtlich nach Kräften mitwirken. Die für diesen Weg
geeigneteste Trace zu bestimmen ist sehr nahegelegt; die Kosten für diesen Strassenbau
wagen die Gefertigten, bei ihrer gänzlichen Unkenntniss der Localverhältnisse, auch nicht
annähernd anzugeben; demungeachtet glauben sie die von Herrn Steinhäuser calculirte
Summe von beiläufig 3ooo fl. als viel zu niedrig angesetzt bezeichnen zu können. Wie
dem aber auch sei, erachten die Gefertigten sowohl die angedeuteten Verbesserungen
in den beiden oben näher bezeichneten Brüch en als auch die
Umlegung und die zweckentsprechende Herstellung einer Strasse zu den
Brüchen als eine Lebensfrage für die dortige Marmorindustrie, und es ist
unschwer nachzuweisen, dass die grossen in die Laaser Marmorindustrie bisher ausschliesslich
von Herrn Steinhäuser investirten Capitalien erst dann zur Verwerthung gelangen
werden wenn die ausser Verhältniss geringeren zu rationellem Betriebe und zur Ausbeutung
grösserer Materialquaniitäten unerlässlichen Mittel dafür aufgewendet werden.
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