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Full text : Die Plastik Wien´s in diesem Jahrhundert : Vorlesung gehalten im österr. Museum am 31. October 1876

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wandbruches.  Derselbe  liegt  allerdings  etwas  weniger  steil,  aber  mindestens  500'  noch
höher  als  der  Ternellabrücklbruch;  er  liefert  das  feinkörnigste  und  schönste  Materiale
(jedenfalls  die  Primasorte  des  Laaser  Materials).  Dieser  Bruch  ist  es,  welcher  vorzüglich
für  die  Sculpturwerke,  die  unter  König  Ludwig  I.  in  grosser  Anzahl  ausgeführt  wurden,  in
Verwendung  kam.  Es  ist  dies  dieselbe  Felswand,  an  deren  Rückseite  die  Marmorbrüche
von  Schlanders  liegen.  Qualität  und  Ergiebigkeit  des  Materiales  in  diesem  Bruche  sind
ausser  Zweifel,  aber  die  Gewinnung  desselben  ist  mit  Schwierigkeiten  verbunden,  namentlich ­
  da  in  diesem  Bruche  allem  Anscheine  nach  lange  Zeit  ein  regelmässiger  Betrieb  nicht
stattgefunden  hat  und  vorerst  grössere  Mittel  zur  Instandsetzung  desselben  aufgewendet
werden  müssten.  Aus  diesem  Grunde  war  Herr  Steinhäuser  bestrebt  ein  an  Qualität  ähnliches ­
  Materiale  in  günstigerer  Lage  aufzufinden,  ln  der  That  hat  er  an  der  Thalsohle
noch  weiter  aufwärts  und  in  geringer  Höhe  über  derselben,  daher  gut  zugängig,  vor  nicht
langer  Zeit  einen  Bruch  eröffnet  (im  sogenannten  Faltinboden',  den  dritten  gegenwärtig  in
diesem  Thale  betriebenen  Marmorbruch.  Das  Materiale  hat  die  nächste  Verwandtschaft  mit
jenem  des  Jenbruch  und  kann  tiefer  hinein  vielleicht  demselben  an  Qualität  nahkommen;
nach  den  bisherigen  Proben  überragt  das  Materiale  des  Jenbruch  diejenigen  der  anderen
Brüche  noch  ganz  wesentlich.  Der  vierte  Bruch  endlich,  Mort  el  labru  ch  (Val  Martell),
liegt  in  dem  von  Schlander’s  südlich  abzweigendem  Thale;  der  Weg  bis  zur  Wand,  an
welcher  derselbe  liegt,  ist  ganz  gut  mit  Wägen  fahrbar  und  hat  massige  Steigung.  Die
Wand,  an  welcher  der  Bruch  liegt,  ist  auch  steil  und  wird  das  Materiale  herabgestürzt
oder  könnte  bei  besserem  Betriebe  geseilt  werden.  Die  Zugängigkeit  bei  diesem  Bruche
ist  ohne  Vergleich  besser  als  jene  der  Brüche  von  Laas;  das  Materiale  ist  derber  ,  von
gröberem  Gefüge,  aber  wie  es  scheint  gleichförmig  und  bricht  in  sehr  grossen  Stücken,
wie  ein  eben  am  Fusse  des  Bruches  zur  Bossirung  zu  einer  Mosesstatue  bereitliegender,
18'  langer  Block  beweist.  Dieses  Materiale  scheint  zu  architektonischen  und  decorativen
figuralischen  Arbeiten  besonders  geeignet  und  besitzt  grosse  Aehnlichkeit  mit  demjenigen
von  der  Insel  Naxos.  _  .  ,
Die  eben  näher  bezeichnten,  von  Herrn  Steinhäuser  gegenwärtig  benutzten  Bruche
bilden  jedenfalls  nur  einen  geringen  Theil  der  Ausbeute,  welche  in  diesen  beiden  Thälern
  an  Marmormateriale  möglich  wäre,  und  betreibt  auch  Herr  Schmidinger  in  Höflein
bei  Schlanders  seine  sogenannten  Schlandersbrüche  nur  mässig.  Aber  obgleich  es  ausser
Frage  steht,  dass  auch  an  anderen  Punkten  in  diesen  Thälern  Materiale  von  vorzüglicher
Qualität  aufzufinden  wäre,  so  könnten  die  Gefertigten  selbst  unter  der  Voraussetzung,  dass
grössere  Geldmittel  dafür  aufgewendet  würden,  auf  die  Eröffnung  neuer  Brüche  nicht  einrathen.
  Im  Gegentheile  scheint  gegenwärtig  schon  für  die  vorhandenen  Geldmittel  das
Terrain  der  Brüche  zu  ausgedehnt,  und  man  möchte  eher  auf  Einschränkung  als  auf  Erweiterung ­
  einrathen;  und  insbesondere  zu  einer  Concentrirung  der  Mittel  auf  jene  Brüche,
welche  bei  gutem  Betriebe  eine  reichliche  Ausbeute  und  ein  höchst  werthvolles  Materiale
zu  liefern  versprechen.  Hiebei  sind  in  erster  Linie  die  Brüche  der  Jenwand  und  zunächst
der  Bruch  von  Ternellabrückl  gemeint.  Für  letzteren,  welcher  gegenwärtig  am  besten
betrieben  wird  und  wo  recht  ergiebige  Wände  aufgedeckt  sind,  dürfte  die  Anlage  einer
Rutschbahn  vorläufig  genügen,  welche  nach  der  hiezu  günstigen  Situation^  des  Bruches
mit  verhältnissmässig  geringen  Mitteln  zu  bewerkstelligen  wäre.  Bei  den  Brüchen  an  dei
Jenwand,  welche  hiemit  der  besonderen  Aufmerksamkeit  empfohlen  sein  möchten,  dürften
voraussichtlich  grössere  Geldmittel  zur  Aufdeckung  ausgedehnter  Wände  aufzuwenden  sein  ;
bei  diesem  Vorgehen  möchte  jedoch  ein  möglichst  sparsamer  Gebrauch  von  dem  erwiesener ­
  Massen  allzureichlich  verwendeten  Pulver  gemacht  werden.
Eine  Massregel  jedoch,  welche  für  sämmtliche  Laaser  Brüche  gleich  wichtig  erscheint, ­
  ist  die  Verbesserung,  oder  richtiger  gesprochen,  Umlegung  der  oben  schon  geschilderten ­
  schlechten  Strasse,  und  zwar  vornehmlich  des  ersten,  beiläufig  eine  halbe  Meile
langen  Theiles  bis  zu  jener  Stelle,  wo  dieselbe  dann  mit  geringer  Steigung  dem  Laufe
des  Baches  entlang  ansteigt.  Bei  dem  hier  angeregten  Strassenbau,  welcher  auch  der  besonderen ­
  Aufmerksamkeit  der  Landesregierung  zu  empfehlen  wäre,  dürfte  die  dabei  wesentlich ­
  interessirte  Gemeinde  voraussichtlich  nach  Kräften  mitwirken.  Die  für  diesen  Weg
geeigneteste  Trace  zu  bestimmen  ist  sehr  nahegelegt;  die  Kosten  für  diesen  Strassenbau
wagen  die  Gefertigten,  bei  ihrer  gänzlichen  Unkenntniss  der  Localverhältnisse,  auch  nicht
annähernd  anzugeben;  demungeachtet  glauben  sie  die  von  Herrn  Steinhäuser  calculirte
Summe  von  beiläufig  3ooo  fl.  als  viel  zu  niedrig  angesetzt  bezeichnen  zu  können.  Wie
dem  aber  auch  sei,  erachten  die  Gefertigten  sowohl  die  angedeuteten  Verbesserungen ­
  in  den  beiden  oben  näher  bezeichneten  Brüch  en  als  auch  die
Umlegung  und  die  zweckentsprechende  Herstellung  einer  Strasse  zu  den
Brüchen  als  eine  Lebensfrage  für  die  dortige  Marmorindustrie,  und  es  ist
unschwer  nachzuweisen,  dass  die  grossen  in  die  Laaser  Marmorindustrie  bisher  ausschliesslich ­
  von  Herrn  Steinhäuser  investirten  Capitalien  erst  dann  zur  Verwerthung  gelangen
werden  wenn  die  ausser  Verhältniss  geringeren  zu  rationellem  Betriebe  und  zur  Ausbeutung ­
  grösserer  Materialquaniitäten  unerlässlichen  Mittel  dafür  aufgewendet  werden.

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