Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Die Plastik Wien´s in diesem Jahrhundert : Vorlesung gehalten im österr. Museum am 31. October 1876

4

(geb.  zu  Wiesensteig,  gest.  zu  Pressburg  1783).  In  dem  Kreise,  dieser
Bildhauer  begegnen  wir  Italienern,  Oesterreichern,  vorzüglich  Tirolern,
Deutschen  aus  dem  Reiche.  Man  muss  sich  erinnern,  dass  damals  Wien
die  Residenz  des  deutschen  Kaisers  war,  dass  Salzburg  noch  nicht  zu
Oesterreich  gehörte  und  dass  letzteres  im  Reiche  selbst  die  Vorlande
besass.  Auch  war  im  vorigen  Jahrhundert  die  Herrschaft  Oesterreichs  in
Italien  eine  festbegründete.
Der  Bleiguss  und  die  Marmortechnik  blieben  das  ganze  18.  Jahrhundert ­
  in  Uebung;  der  Erzguss  wurde  vernachlässigt.  Die  ornamentlichen
  Stucco-  und  Holzarbeiten  zeigen  die  ganze  technische  Virtuosität
der  Barockzeit.  J.  M.  Fischer’s  Mosesbrunnen  am  Franziskanerplatze  (1798)
stand  schon  ganz  auf  dem  Boden  der  modern-antiken  Weltanschauung.
Die  antikisirenden  Tendenzen  der  Neuzeit  traten  schon  in  den  Jahren
1780—1790  in  den  Vordergrund;  die  Akademie  schloss  sich  der  Reformbewegung ­
  der^deutschen  Kunst  an,  die  durch  Winckelmann,  Rafael  Mengs
und  Carstens  eingeleitet  wurde.  Mil  dem  Verfall  der  Barockkunst  verfiel
auch  die  grosse  Zahl  der  Praktiker  und  Routinisten,  die  in  den  Palästen
und  Gartenanlagen  der  Grossen  und  in  den  prunkvollen  Kirchen  Beschäftigung ­
  fanden,  während  durch  das  Studium  der  antiken  Kunst  in  den
akademischen  Kreisen  die  Plastik  neue  Gesichtspunkte  gewann  und  sich
dadurch  ein  Gegensatz  zwischen  dem  handwerklich  routinirten  Künstler
und  dem  akademisch  geschulten  bildete,  den  man  früher  nicht  kannte,
ein  Gegensatz,  der  bis  auf  den  heutigen  Tag  nicht  ganz  verschwunden
ist.  Dazu  kamen  noch  die  äusseren,  der  Entwicklung  der  Kunst  nichts  weniger ­
  als  günstigen  Verhältnisse.  Mit  der  französischen  Revolution  begann
die  Unsicherheit  aller  staatlichen  und  gesellschaftlichen  Verhältnisse;  nach
und  nach  hörten  die  grossen  prunkvollen  Bauten  auf.  Noch  jetzt  leidet
Deutschland  und  Oesterreich  an  den  Nachwehen  der  grossen  französischen
Kriege;  eine  tiefgreifende  Verarmung,  welche  jede  grössere  Bestellung  verbot;
das  Sparsystem  von  Staatswegen  und  die  bureaukratische  Bevormundung
waren  die  Folgen.  Mit  dem  Hervorkehren  derNützlichkeitstheorie  verschwanden ­
  auch  alle  idealen  Gesichtspunkte  in  den  Kreisen  der  wirkenden  Staatsmänner, ­
  jene  idealen  Gesichtspunkte  ,  ohne  w'elche  im  Staate  Kunst  und
Wissenschaft  nicht  gedeihen  können.  Nur  zwei  Werke  sind  es,  welche
aus  jener  Zeit  bis  in  die  Gegenwart  herüber  mächtig  emporragen;  das
eine  ist  das  Denkmal  Kaiser  Josef  II.  von  Zauner,  das  zweite  das  Grabmal
der  Erzherzogin  Christine  von  Canova  in  der  Augustinerkirche,  im  Aufträge ­
  des  Herzogs  von  Sachsen-Teschen,  des  Gründers  der  »Albertina«,
angefertigt.  Derselbe  gehört  in  den  Kreis  jener  hervorragenden  Mitglieder
der  damaligen  vornehmen  Gesellschaft,  die  leider  jetzt  von  Jahr  zu  Jahr
geringer  werden,  wie  die  Kaunitz,  Lamberg,  Collalto,  Schönborn,  Liechtenstein, ­
  Harrach,  Fries  u.  A.
Mit  dem  Monumente  Josef  II.  hat  Kaiser  Franz  in  würdiger  Weise
ein  Versprechen  eingelöst,  das  er  nach  dem  Tode  des  unvergleichlichen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.