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MAK

Full text : Der Gösser Ornat im k. k. österr. Museum für Kunst und Industrie

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dem  XII.  und
XIII.  Jahrhunderte ­
  entstammen ­
  und  daß
es  gerade  gewebte ­
  Borten
Borte  einer  Mitra  in  St.  Peter  zu  Salzburg  X  u  ...
U  zu  sein  scheinen, ­
  die  als  Vermittler  des  Musters  zu  gelten  haben.  Wir  haben  in  jener
Zeit  die  meist  in  Gold  und  etwas  farbiger  Seide  hergestellten  Bortenwebereien
oder  Bortenwirkereien  nun  aber  gewiß  als  südliche  —  sizilianische  oder
weiter  orientalische  —  Erzeugnisse  anzusehen*;  in  den  nördlichen  Ländern
ist  in  der  angeführten  Zeit  gewiß  noch  keine  derartige  Bortenerzeugung  anzunehmen. ­
  Einige  verwandte  Motive  (Hakenkreuze  und  andere)  können  allerdings ­
  auch  unabhängig  vom  Süden  Vorkommen,  aber  kaum  so  viele  vereinigt.
Das  auffälligste  Stück  an  dem  ganzen  Ornate,  wie  er  sich  heute  zeigt,
ist  vielleicht  das  Pluviale  (Cappa,  Chormantel),  wovon  wir  hier  auf  Seite  13,
14  und  15  drei  Abbildungen  bieten.  Die  erste  zeigt  das  ganze  Stück  ausgebreitet, ­
  die  zweite  die  Rückseite  allein,  in  Falten  angeordnet,  wie  sie  sich
ungefähr  beim  Tragen  ergeben;  die  dritte  Darstellung  bringt  die  wichtigste
figürliche  Darstellung  des  Mantels  in  etwas  größerem  Maßstabe.  Bei  der
Gesamtansicht  des  Stückes  ist  der  äußerste  Rand,  der  offenbar  durch  Jahrhunderte ­
  eingeschlagen  war,  wieder  freigelegt;  in  dieser  Ausdehnung  beträgt
die  Breite  302  Zentimeter,  die  Höhe  (in  der  Mitte)  156  Zentimeter.  Es  sei
gleich  hervorgehoben,  daß  der  kreisförmige  Rand  unbedingt  der  ursprüngliche
ist,  da  die  eigentümlich  stufenartig  ausgehenden  Stiche  der  Stickerei  in  der
schmalen  (auch  hier  noch  umgeschlagenen)  Kante  nur  das  ursprüngliche
Ende  der  Stickerei  bezeichnen  können.  Auch  ist  der  Längsrand  oben  —
wenigstens  in  den  beiden  äußeren  Vierteln  —  zweifellos  gesichert.  Man

erkennt  aber  sofort,  daß  die  obersten  Teile  um  den  Halsausschnitt  mit  den
vier  Figuren  in  den  Bogenstellungen,  den  Tieren  und  geometrischen  Ornamenten ­
  nachträglich  eingesetzt  sind,  ebenso  auch  ein  Stück  unter  dem
großen  Runde,  das  den  Teil  eines  Kleeblattbogens  mit  der  Gestalt  einer
knienden  Frau  und  anderm  erkennen  läßt;  wir  wollen  diese  Teile  einstweilen ­
  von  der  Betrachtung  ausschließen.  Aber  auch  sonst  noch  ist  die
Gesamtanordnung  höchst  auffällig.  Man  wundert  sich  kaum,  wenn  Lind
in  einem  kurzen  Berichte  über  die  Wiener  Weltausstellung,  auf  der  die
Stücke,  wie  gesagt,  zum  Teile  zu  sehen  waren,  meint**:  „Der  Chormantel  .  .  .
ist  eines  der  interessantesten  Gewänder,  es  ist  aus  zwei  Hälften  zusammengesetzt ­
  und  in  den  Stickereien  teils  ornamental,  teils  figural  gehalten.“  Auch
bei  Bock  (Liturgische  Gewänder,  II.,  Seite  296)  heißt  es:  „Leider  hat  der
Gößer  Chormantel  durch  Hinzufügung  und  Hinwegnahme  einzelner  Teile

*  Vergleiche  A.  Schnütgen  in  der  Zeitschrift  für  christliche  Kunst,  igoo,  Sp.  3.  —  Natürlich  kannte  auch
die  byzantinische  Weberei  solche  Motive  und  damit  im  Zusammenhänge  die  osteuropäische  Stickerei.
**  Dr.  Karl  Lind,  „Die  österreichische  kunsthistorische  Abteilung  der  Wiener  Weltausstellung“,  Mitteilungen ­
  der  k.  k.  Zentralkommission,  1873,  Seite  14g  ff.
            
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