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Die Kirche ist, nebenbei bemerkt, ein außerordentlich interessanter Bau, der
allerdings zum größten Teile erst der späteren Gotik entstammt.
Es sei hier nur das eine bemerkt, daß die zwei Türme der Kirche, deren
Grundlagen wohl noch in romanische Zeit reichen, sich auffälligerweise zur
Seite des Chores an den rückwärtigen Enden der Nebenschiffe befinden;
man erkennt dies schon auf den ältesten Siegeln des Stiftes, wo Adula, die
Kirche emporhaltend, dargestellt ist (Abbildung untenstehend)*. Im Ober
geschoß der an den linken Turm und das Presbyterium anstoßenden Sakristei
war nun der berühmte Ornat, der uns hier beschäftigen soll, bis zu seiner
im Frühling des Jahres 1908 erfolgten Übernahme durch das k.k. Österreichi
sche Museum für Kunst und Industrie verwahrt.
Der erste, der dem Ornate eine eingehendere kunstgeschichtliche Wür
digung zuteil werden ließ, war wohl der bekannte Kanonikus Franz Bock
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Alte Siegel des Gößer Stiftes
in einem Aufsatze der Mitteilungen der k. k. Zentralkommission vom Jahre
1858 (Seite 57 ff.), der den Titel „Der gestickte Meßornat der ehemaligen
Nonnenabtei Göß in Steiermark“ trägt; die dort beigegebenen Abbildungen
können allerdings keinen klareren Begriff von dem Werke geben.
Einige Stücke des Ornats waren auch im Jahre 1873 in der Wiener Welt
ausstellung zu sehen und später der ganze Ornat in der kirchlichen Kunstaus
stellung des k.k. Österreichischen Museums (1887); doch werden wir sehen,
daß die Stickereien, trotzdem sie großes Aufsehen erregten, bei diesen wie bei
andern Gelegenheiten zum Teile eine ganz unrichtige Beurteilung fanden.
Der frühere Gößer Pfarrer Vinzenz Finster hat in dem Blatte „Der
Kirchenschmuck“ (Blätter des christlichen Kunstvereins der Diözese Seckau,
* Nur scheint hier der eine Turm den jenseitigen zu verdecken, oder es war zunächst nur einer ausgebaut.
Das mittelste hier dargestellte Siegel ist das älteste; es ist auf einer Urkunde vom Jahre 1220 erhalten. Das rechte
Siegel kommt 1255 bis 126g, also zur Zeit Kunegundis II., von der noch die Rede sein soll, vor; das dritte war
von 1292 bis insXV.Jahrhundert im Brauche. (Vergleiche Mitteilungen der k.k. Zentralkommission 1873, Seite 316
und 317.)