bis zum reichen Kunstwerk, das zwar immer nicht selbstständig ist, aber doch seine
Füllung, wie z. B. bei dem Spiegel, an Kunstwerth weit übertreffen kann, ja das Ganze
erst zum Kunstwerk macht.
Im Relief beginnt die Verzierung mit einer einfachen Abschrägung, dann mit einer
Gliederung aus Hohlkehle und Wulst, aus welchem Motiv, dessen Wirkung in Wechsel
von Schatten und Licht besteht, sich ein reiches System wechselnder Höhen und Tiefen
entwickelt, von jedem Ornament noch abgesehen. Hierbei sei gleich auf einen Fehler
aufmerksam gemacht, welcher vor wenigen Jahren als allgemeine Regel in Uebung stand.
Für den Maler nämlich hat der Rahmen noch einen besonderen Zweck. Er will sein
Bild durch den Rahmen isolirt sehen; er will, gewissermassen wie durch ein Fenster, in
das Bild hineinsehen, sich in dasselbe versenken und durch die ausserhalb des Rahmens
befindlichen Gegenstände nicht gestört werden. Er hält daher den Rahmen hoch im
Relief und lässt ihn nach innen hin abfallen und legt das Bild tief unten, so dass der
Rahmen weit vorspringt. Dadurch entsteht ein doppelter Uebelstand. Einmal wirft der
hohe Rahmen gewöhnlich zu viel Schatten über das Bild und macht es dunkel, und zum
Andern verbindet sich ein solcher Rahmen nicht mit der Wand, an welcher das Bild
hängt, zumal dann, wenn er gar von aussen her nach unten oder hinten unterschnitten
ist. Ein feinfühlendes Auge verlangt aber eine solche Verbindung zwischen Wand und
Bild. Diesem Uebelstand der äusseren Isolirung wird dadurch abgeholfen, dass man den
Rahmen, wie nach innen, so auch nach aussen, im Profil abfallen lässt; den ersteren
Uebelstand der Beschattung aber vermeidet man dadurch, dass man das Profil nur in
mässiger Höhe hält oder das Bild nicht so in die Tiefe setzt. Die Isolirung, welche der
Künstler verlangt, ist gar nicht das eigentliche Ziel, denn das Bild an der Wand ist ja
nicht für sich allein da, sondern bedeutet einen Wand- und Zimmerschmuck, muss sich
also auch dem Ganzen unterordnen.
In vielen Fällen wird ein blos durch Profilirung verzierter Rahmen, sei er einfacher
oder reicher gegliedert, dem umschlossenen Kunstwerk gegenüber ästhetisch völlig
genügen. Geschmack und Reichthum verlangen aber in der Regel mehr, und so tritt ein
eigentliches Ornament hinzu. Dieses Ornament kann nun sehr verschiedener Art sein,
frei als Laub oder in verwandten stilvollen Formen oder zu architektonischen Gebilden
ausgestaltet, In gewöhnlicher Verwendung, ohne viel auf Zeit und Stil zu achten, stehen
die einfachen griechischen Elemente der Ornamentik, der Perlstab, der Eierstab, das Wellenornament,
gereihtes Epheulaub und anderes. Bei diesen Ornamenten fällt die Rücksicht
auf die Richtung, ob es senkrechte oder wagrechte Theile des Rahmens sind, ganz
hinweg. Es handelt sich nur darum, die glatte Einfachheit aufzuheben. Windet sich aber
das Laub in Ranken, so ist in der Composition wohl darauf Rücksicht zu nehmen, wo
sein Platz ist, ob es den Rahmen oben und unten, oder an den Seiten zu schmücken
hat. Im letzteren Falle muss es selber aufsteigende Bewegung haben, im ersteren von
der Mitte aus nach rechts und links verlaufen. Nur im gereihten Ornament fallen diese
Rücksichten hinweg.
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