So sehr diese neue Strömung in der Malerei seine Begründung hat, so sehr ist im
Kunstgewerbe und in den ornamentalen Vorlageentwürfen die Extremform noch
stärker vertreten, denn das dekorative Element erobert eine führende Stellung. So
überwuchert das Ornament gleichzeitig mit der theatralisch effektvoll-sinnlichen
Figur und bringt den Schritt der totalen Abkehr von der klassischen Antike, wenn
auch die Themen immer antike bleiben. Die Zeichnungen werden dabei klein-
teilig, schmückend und pretiös. Den Höhepunkt dieser merkwürdigen Entwick
lung bildet die Verunklärung, Vexierbildhaftigkeit und Absurdität. Es werden
Dinge dargerstellt, die die Funktion der Welt in Frage stellen, Bewegungen, die
nicht mehr ausführbar sind und die über das Grotesk-Komische zum Unheimlichen
führen. Die Figuren erstarren und ihre Tätigkeit wird sinnlos. Die Absurdität ist
erreicht.
In einer nahezu unendlichen Variationsbreite wird dieser Prozeß, in den ornamen
tal-dekorativen Entwürfen dargeboten, deren Haupttenor immer wieder den Aus
gangspunkt von der Antike und die radikale Ablehnung der antiken Prinzipien dar
stellt. In dieser hoffnungslosen Diskrepanz bewegen sich die Variationen des
Manierismus.
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