Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Kunstschau Wien 1927

ihr  herz  für  klimt  zu  entdecken,  wie  lang  noch  und  er  wird  ,unser
klimt*  sein.“
bis  zum  liebevollen  wörtchen  „unser“  dauert  es  allerdings  in
Wien,  der  stadt  der  musikalischen  Ohrmuscheln  und  der  (schlechten)
denkmäler,  recht  lange,  denn  die  denkmäler  kommen  erst  später,
nach  dem  tod.  auch  stehen  sie  dann  meistens  nur  auf  den  platzen
und  nicht  immer  in  den  herzen.
aber  nicht  bloss  klimt  behandelte  man  unfreundlich,  auch  andere,
z.  b.  franz  metzner  und  emil  orlik.  wenn  sich  schon  die  besucher
abzufinden  oder  gar  hineinzufinden  bemühten,  kam  eine  neue  irritierung,
  ein  neuer  ablenkungsversuch,  eduard  pötzl  erlaubte  sich  mit
„humor“  —  das  wort  ist  doch  richtig,  ich  habe  mich  erkundigt!  —
zu  berichten:
„es  sind  doch  unbestritten  künstler  in  den  reihen  der  obermodernisten. ­
  aber  sie  bringen  es  nicht  über  das  herz,  dem  beschauer
einen  ungestörten  genuss  zu  vergönnen,  vor  allem  ihr  führer  gustav
klimt.  meister  einer  unheimlich  ausgebildeten  technik.  wozu  nützt  er
sie?  um  ein  gemisch  von  pfauenschweifen,  perlmuttermuscheln,  silberkrätze,
  fiittergold  und  Schneckenschleim  mit  eingestreuten  braunen
grieben  zu  malen,  das  fast  auf  allen  bildern  wiederkehrt,  manchmal
ist  ein  stück  menschlichen  antlitzes  oder  körpers  dabei,  manchmal
nicht,  manchmal  wieder  des  schönen  fleisches  zu  viel,  diesmal  zeigt
uns  eine  danae  ihre  reize,  doch  nicht  etwa  stehend,  sitzend,  liegend,
nein,  zu  gewöhnlich,  die  danae  ist  zusammengerollt  wie  ein  bündel
alter  stopfwäsche,  und  in  dieser  läge,  die  kein  weib  der  weit  jemals
freiwillig  eingenommen  hat,  lässt  sie  uns  einen  halben  busen  und
einen  schenke!  bewundern,  das  übrige  ist,  wie  gewöhnlich,  mit  perlmutter-
  und  pfauenschweifmotiven  etc.  ausgefüllt.  ich  kann  mir  nicht
helfen,  ich  finde  es  ungesund,  einen  weiblichen  körper  so  einseitig
darzustellen.  ich  bin  für  natürliche  dinge  eingenommen,  und  wenn
man  mir  das  bild  antrüge,  so  würde  ich  sagen:  ,verehrter  meister,
rollen  sie  mir  die  person  zunächst  wieder  auf,  dann  wollen  wir  weiter
reden,  meinetwegen  darf  ein  rostbraten  gerollt  sein,  aber  bei  einer
danae  hat  es  keinen  sinn‘.“
„oder  der  professor  metzner.  auch  ein  könner.  aber  manche  seiner
hieratischen  fratzen  sind  zum  davonlaufen.  und  dann  seine  neuartigen
karyatiden.  er  knickt  ihnen  einfach  den  köpf  ab  und  lässt  sie  damit
scheinbar  ein  gesims  tragen,  der  anblick  ist  geradezu  widersinnig  und
peinlich,  auch  machen  sich  manche  seiner  figuren  allzuviel  mit  den
zehen  zu  schaffen,  wobei  sie  ihren  körper  furchtbar  verkrümmen
müssen,  es  ist  ja  nicht  zu  leugnen,  dass  nachdenkliche  menschen  zur
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.