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MAK

Full text : Kunstschau Wien 1927

eingehenden  betrachtung  ihrer  zehen  geneigt  sind  und  wohl  auch  in
freien  stunden  daran  ein  wenig  herumschaben,  aber  wenn  ich  bildhauer
  wäre,  so  würde  ich  solche  fussnarzisse  nicht  in  marmor  verewigen ­
  oder  nur  dann,  wenn  etwa  ein  gesuchter  hühneraugenoperateur
ein  solches  kunstwerk  für  sein  atelier  bei  mir  bestellen  würde.“
„geradezu  inbrünstige  sezession  aber  sind  kokoschkas  ,die  traumtragenden, ­
  entwürfe  für  gobelins^  ein  im  ersten  augenblick  rätselhaftes ­
  gemenge  von  stümperhaft  gezeichneten  scheusslichkeiten.  nach
längerem  besinnen  erst  erinnert  man  sich  an  die  schlichten  darbietungen
  volkstümlicher  kunst,  wie  wir  sie  in  den  verschwiegenen
Stätten  antreffen,  wo  der  durch  den  Stoffwechsel  angeregte  menschengeist
  oftmals  primitive  szenen  aus  diesem  naturvorgang  selbst  oder
andere  einschlägige  impressionen  und  Vorstellungen  mit  bleistift,  zuweilen ­
  auch  in  färben,  die  gerade  zur  hand  sind,  auf  die  wände
zaubert,  es  ist  nun  wohl  denkbar,  dass  ein  bemittelter  kunstfreund
in  seinem  heim  den  entsprechenden  raum  nebst  Wasserkünsten  sybaritisch
  auch  mit  gobelins  ausstatten  will,  welche  das  gepräge  der  angedeuteten ­
  naiven  Volkskunst  an  sich  tragen,  warum  der  entwurf  ,die
traumtragenden'  heisst,  kann  ich  mir  allerdings  nicht  erklären,  vielleicht ­
  soll  er  ausdrücken,  dass  einem  so  was  nur  im  schlaf  einfallen
kann.“
so  schrieb  pötzl  und  egger-lienz  schloss  sich  ihm  an.  nicht  einmal
das  eingefügte  kaffeehaus  mit  den  tapeten  von  franz  zülow  und  die
von  franz  lebisch  geschaffenen  gartenanlagen  mit  theater  beruhigten
die  scharf  und  hingebungslos  kritisierenden  besucher.  die  gartenanlagen ­
  wurden  sofort  mit  dem  „beseripark“  am  franz  josef-kai  verglichen ­
  und  das  urteil  fiel  natürlich  zu  gunsten  des  letzteren  aus.
man  war  mit  allem  unzufrieden,  das,  was  in  den  ausstellungsräumen
zu  sehen  war,  war  zuviel  des  „neuen“,  das  im  kaffeehausgarten  wieder
zu  wenig,  man  bemerkte  mit  entrüstung,  dass  „die  keliner  genau  so
bedienen  als  in  den  anderen  wiener  gartenrestaurants“  und  dass  „das
essen  auch  nicht  anders  schmecke  und  dass  es  noch  immer  durch  den
mund  in  den  magen  eingeführt  werde“,  auch  die  anwesenden  künstler
und  herren  „mit  ganz  hochgeschlossenen  westen  und  unterdrückten
kravatten,  auf  1830  posierend,  und  damen  in  smaragdgrünen  nachthemden“
  wurden  zur  rechenschaft  gezogen,  nur  peter  altenberg  dichtete ­
  in  der  „wiener  allgemeinen  zeitung“  unter  der  Überschrift  „cafe
kunstschau“  die  folgenden  Zeilen:
„aus  dem  gewirre  der  kunstschau  betritt  man  diese  friedvolle,
von  netten,  hellgrauen,  niedem  mauern  umgebene  oase.  eine  reine,
frische  luft  weht  da  und  unbewohnt  scheinende  alte  paläste  blicken
            
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