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MAK

Full text : Kunstschau Wien 1927

herüber,  von  unserem  jetzt  wunderbaren  stadtpark  herüber  kommen
wiesendüfte  und  aus  einem  weissgrünen  keramischen  brunnen  plätschert ­
  Wasser,  die  tischtücher  sind  weiss-goldgelb  und  die  riesigen
tischschirme  sind  grellrot.  man  kann  von  diesem  raume  nur  sagen,
dass  er  wirklich  zum  ausrasten,  zur  erholung,  zur  erfrischung  geschaffen ­
  sei.  in  jedem  ausstellungsraum  ist  man  gereizt  und  ermüdet,
muss  gehen,  stehen,  urteile  abgeben,  sich  über  die  Situation  erheben,
sich  zum  kunstkritiker  auf  blähen  ohne  grund  und  berechtigung;  alles
das  macht  reizbar,  schwächt,  enerviert,  aber  kaum  betritt  man  dieses
herzige  cafe,  so  wird  man  beruhigt  und  sitzt  stundenlange,  auch  erhält
man  zu  allen  tageszeiten  eine  gute  bouillon  in  tassen.  eine  eigentümliche ­
  weit  ist  hier  vorhanden,  wie  wenn  fast  alle  eines  sinnes  wären
und  erfüllt  von  kommenden  idealen,  hoffnungsfreudig  und  träumerisch,
lebensvoll  und  still  vor  sich  hinstarrend,  sitzen  die  jungen,  schönen
künstlerinnen  da,  alle  apart  und  besonders,  man  sieht  da  grete  wiesenthal
  mit  dem  beethoven-blick  und  den  zarten  bewegungen.  man  sieht
die  maierin  lilith  lang,  wie  reh  und  gazelle  schlank  und  unerhört  anmutig. ­
  man  sieht  die  herrliche  emilie  flöge,  eingebettet  in  breiten  tüllhalskrausen
  wie  ein  lebendig  gewordenes  bildnis  eines  genialen  modernen ­
  malers.  man  sieht  lauter  menschen,  die  den  tag  erwarten  neuer
Zeiten,  wie  wenn  man  in  den  dämmerungen  am  hochschneeberg
stundenlang  es  erwartet,  dass  die  wölken  vom  sturm  verjagt  werden,
es  endlich  lichter  werde,  wärmer  und  die  sonne  allmählich  sich  durchsetze.“ ­

man  spielte  auch  auf  dem  wunderbaren  kleinen  gartentheater.
helene  jamrich,  gertrude  barrison,  grete  und  eise  wiesenthal  tanzten
und  entzückten,  man  gab  max  mells  pantomime  „der  silberne  schieier“,
mit  der  musik  von  karl  lafite  und  —  eine  besondere  köstlichkeit  —
die  pantomime  „der  geburtstag  der  infantin“  nach  oskar  wilde  mit
der  musik  des  jungen  franz  schrecker,  in  der  inszenierung  von  e.  j.
wimmer.
hinweg  über  alle  lieblosen,  verschlossenen  ablehnungen  brach
sich  die  ehrliche  leistung  der  kunstschau-künstler  bahn,  allenthalben
entstanden  ihnen  begeisterte  mithelf  er;  bahr  rief,  hevesi,  richard
muther,  berta  zuckerkandl  in  der  „wiener  allgemeinen  zeitung“,  gustav
eugen  diehl  im  „erdgeist“  und  viele  andere,  hermann  muthesius
schrieb:  „viel  stärker  noch  als  in  münchen  tritt  das  architektonische
bestreben  in  der  ,kunstschau‘  in  wien  hervor,  einer  ausstellung  jener
gruppe  von  künstlem,  die  sich  um  die  namen  klimt,  hoffmann  und
moser  scharten,  hier  ist  das  architektonische  gefühl  bis  zur  reife  entwickelt, ­
  der  sublime  geschmack  zur  höchsten  Verfeinerung  gesteigert.
            
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