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MAK

Full text : Kunstschau Wien 1927

—  das  künstlerische  streben  dieser  gruppe  ist  ganz  universell  und
erstreckt  sich  auf  alle  sichtbaren  menschlichen  äusserungen,  immer
jedoch  von  der  architektur  ausgehend,  das  beweisen  vor  allem  die
wiener  Werkstätten,  ein  den  mannigfachen  deutschen  ,Werkstätten*
ähnliches  unternehmen,  das  den  bedeutendsten  beitrag  zur  kunstschau
geliefert  hat.  in  allen  ihren  äusserungen  sind  sie  schöpferisch,  was  die
technische  Vorzüglichkeit  ihrer  arbeit  anbetrifft,  so  stehen  sie  vielleicht
heute  in  den  deutsch  sprechenden  ländern  überhaupt  an  erster  stelle.
—  es  ist  eine  märchenweit,  in  die  man  aus  der  trivialen  alltäglichkeit
hineinzutreten  glaubt.  —  diese  wiener  moderne  kunst  ist  vielleicht
das  einheitlichste  und  vollkommenste,  was  unsere  zeit  bisher  hervor*
gebracht  hat.“
damals  haben  sich  auch  noch  dichter  um  die  kunst  gekümmert,
die  empfangenen  genussschwingungen  umgedichtet  und  weiterge*
tragen,  heute  schreibt  man  in  einem  ganz  sonderbaren,  überflüssigen,
Ordnungskästchen  mit  etiketten  und  barometern  suchenden,  wissenschaftlich ­
  gesalbten  betrachtungston.  die  dichter  aber  schweigen,
gerade  sie  müssten  schreiben,  das  hätte  wert,  wozu  diese  heutigen
kunstgeschichtlichen  Wertungsversuche?  unsere  kunst  den  menschen
unserer  zeit  in  das  gefühl  hineinzuführen,  oder  ihr  gefühl  für  unsere
kunst  zu  beleben  und  von  verstaubten  eindrücken  zu  befreien,  ist
Wichtigkeit,  das  endgültige  Werturteil  wird  schon  die  zeit  selbst  einmal ­
  sprechen,  natürlich  werden  es  auch  die  bebrillten  beamten  der
kunsthistorik  mit  dem  pathologischen  blick  nach  hinten  tun.
damals  haben  sich  noch  dichter  um  die  kunst  gekümmert,  peter
altenberg  dichtete:
„raum  26,  kunstschau.**
„in  den  vitrinen  liegen  die  kunstgewerblichen  gegenständchen,
wie  exotische  käfer  in  den  vitrinen  im  hofmuseum!  wie  nahe  an  die
mysteriöse  pracht  und  vielfältige  bescheidenheit  der  natur  selbst  ist
das  kunstgewerbe  da  herangerückt!  vom  braun  ins  grau,  vom  grau
ins  grün,  vom  lila  ins  schwsn-z  gehen  da  tausend  wunderbarer  Stimmungen. ­
  wie  Schlangenhäute,  Schmetterlingsflügel  und  merkwürdige
nationaltrachtenfarben,  kroatisch,  slovakisch,  ist  da  alles,  so  in  den
herrlichen  unbestimmten  verwaschenen  tönen  der  natur  selbst,  die
man  bisher  nicht  erfasst  hatte,  herbstnebel  und  buchenlaubrotbraun,
grau  und  grün  in  morgendämmerungen.  und  alles,  alles  gearbeitet  mit
liebevollsten  händen,  eigentlich  aber  bereits  mit  dem  herzen!  überall
liebe  und  achtung  für  den  Stoff,  sein  gefüge  und  seine  art!  immer
gleichend  der  haut  herrlicher  seltener  tierchen  —  .  man  darf
einzelnes  nicht  brutal  vornehmen,  es  zerlegen,  ihm  seinen  nimbus
            
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