— das künstlerische streben dieser gruppe ist ganz universell und
erstreckt sich auf alle sichtbaren menschlichen äusserungen, immer
jedoch von der architektur ausgehend, das beweisen vor allem die
wiener Werkstätten, ein den mannigfachen deutschen ,Werkstätten*
ähnliches unternehmen, das den bedeutendsten beitrag zur kunstschau
geliefert hat. in allen ihren äusserungen sind sie schöpferisch, was die
technische Vorzüglichkeit ihrer arbeit anbetrifft, so stehen sie vielleicht
heute in den deutsch sprechenden ländern überhaupt an erster stelle.
— es ist eine märchenweit, in die man aus der trivialen alltäglichkeit
hineinzutreten glaubt. — diese wiener moderne kunst ist vielleicht
das einheitlichste und vollkommenste, was unsere zeit bisher hervor*
gebracht hat.“
damals haben sich auch noch dichter um die kunst gekümmert,
die empfangenen genussschwingungen umgedichtet und weiterge*
tragen, heute schreibt man in einem ganz sonderbaren, überflüssigen,
Ordnungskästchen mit etiketten und barometern suchenden, wissenschaftlich
gesalbten betrachtungston. die dichter aber schweigen,
gerade sie müssten schreiben, das hätte wert, wozu diese heutigen
kunstgeschichtlichen Wertungsversuche? unsere kunst den menschen
unserer zeit in das gefühl hineinzuführen, oder ihr gefühl für unsere
kunst zu beleben und von verstaubten eindrücken zu befreien, ist
Wichtigkeit, das endgültige Werturteil wird schon die zeit selbst einmal
sprechen, natürlich werden es auch die bebrillten beamten der
kunsthistorik mit dem pathologischen blick nach hinten tun.
damals haben sich noch dichter um die kunst gekümmert, peter
altenberg dichtete:
„raum 26, kunstschau.**
„in den vitrinen liegen die kunstgewerblichen gegenständchen,
wie exotische käfer in den vitrinen im hofmuseum! wie nahe an die
mysteriöse pracht und vielfältige bescheidenheit der natur selbst ist
das kunstgewerbe da herangerückt! vom braun ins grau, vom grau
ins grün, vom lila ins schwsn-z gehen da tausend wunderbarer Stimmungen.
wie Schlangenhäute, Schmetterlingsflügel und merkwürdige
nationaltrachtenfarben, kroatisch, slovakisch, ist da alles, so in den
herrlichen unbestimmten verwaschenen tönen der natur selbst, die
man bisher nicht erfasst hatte, herbstnebel und buchenlaubrotbraun,
grau und grün in morgendämmerungen. und alles, alles gearbeitet mit
liebevollsten händen, eigentlich aber bereits mit dem herzen! überall
liebe und achtung für den Stoff, sein gefüge und seine art! immer
gleichend der haut herrlicher seltener tierchen — . man darf
einzelnes nicht brutal vornehmen, es zerlegen, ihm seinen nimbus