Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Kunstschau Wien 1927

nehmen,  romantische  frauen  könnten  da  jedenfalls  ihrer  würdige  dingerchen
  finden,  aber  man  geht  den  weg  der  breiten  heerstrasse.  wie
schrecklich,  den  wert  eines  Schmuckgegenstandes  nach  dem  gemeinen
wert  des  einzelnen  seelenlosen  infamen  steines  zu  taxieren,  der  in
ihn  hineingefasst  ist?  !  ?  ich  sah  einst  einen  dichter  donaukiesel  sammeln ­
  auf  einer  art  von  sanddüne  und  seine  taschen  damit  füllen,  hellbraune, ­
  graue,  grünliche,  schwarzweisse,  rostrote,  er  legte  sie  zu  hause
in  eine  schale  von  bergkristall,  zeigte  es  seinen  besuchem  als  seinen
besten  schätz,  und  in  der  tat  war  es  einer,  man  blickte  gleichsam  wie
auf  den  märchenhaften  grund  eines  gebirgsflüsschens,  wo  man  alles
unerhört  klar  erkennt,  man  sah  milde  und  dennoch  leuchtende  färben,
obzwar  es  nur  gesammelte  donaukiesel  waren,  man  taxierte  nicht
mehr  nach  dem  marktwerte  der  weltenbörse,  sondern  nach  dem  werte,
den  das  kultivierte  äuge  einer  sache  verleiht  —  —  —.  donaukiesel
oder  edelstein,  was  tuts,  wenn  er  nur  besonders  ist  ?  !  gestickte  taschen,
pölster,  gürtel,  gürtelschnallen,  haisketten,  alles  wäre  wert,  besonderen ­
  vorgeschrittenen  exzeptionellen  frauen  zu  füssen  gelegt  zu
werden  als  anerkennung,  dass  sie  dieser  besonderheiten  wert  wären!?
äuge,  äuge,  mit  deinem  fatalen  historischen  trüben  blick  von  Jahrhunderten ­
  her,  wann  wirst  du  endlich  schauen  in  die  natur  gottes,
ohne  zu  zwinkern?!“
1909  öffnete  sich  die  kunstschau  allen,  brachte  eine  internationale
Übersicht  über  die  schöpferisch  schaffenden,  in  allen  folgenden  kundgebungen,
  die  seit  ihrer  gründung  erfolgten,  ist  sie  in  ihrem  kem  die
gleiche  geblieben:  „eine  kräfterevue  österreichischen  kunststrebens“.
auch  das  verhalten  der  „geniessenden“  —  für  die  meisten  davon  eine
recht  ironische  benennung  —  ist  seitdem  dasselbe  geblieben,  die  gesprochenen ­
  und  geschriebenen  „herzensergüsse“  haben  sich  nicht  geändert ­
  und  man  könnte  eine  ergötzliche  auslese  machen,  dass  sich  die
erregung  jedesmal  wieder  einstellt  und  von  neuem  aufspringt,  nenne
ich  ein  gutes  Zeichen,  immer  wenn  mir  jemand  mit  einer  in  der  nase
konzentrierten  Verachtung  zu  beteuern  sucht,  dass  er  sich  um  die
„neue  kunst“  nicht  schere,  antworte  ich:  „das  beruht  auf  gegenseitigkeit,
  die  ,neue  kunst*  schert  sich  auch  nicht  um  sie!“  dieses  sichere,
durch  nichts  zu  störende  und  abzulenkende  weg-wissen  hat  die  künst-1er
  der  kunstschau,  geführt  und  beraten  von  josef  hoffmann,  immer
verbunden.

WIEN  APRIL  1927

L.  W.  ROCHOWANSKI
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.