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Dr. Wilhelm Hartei.
Dann ift zu beforgen, dafs ein zu grofser Werth auf diefe äufserlichen Erfolge
publicirter Schularbeiten gelegt werde. Allerdings auch die deutfchen Seminarien
traten in letzter Zeit gerne mit ihren Arbeiten an die Oeffentlichkeit; allein es
ift fraglich, ob damit ein Fortfehritt bezeichnet wird und fie jetzt gröfsere Erfolge
erzielen, als früher bei ihrer geräufchlos befcheidenen Thätigkeit. Merkwürdig
und für die deutfehe Wiffenfchaft erfreulich find eine Reihe von Arbeiten, die
für die Bibliothek in Vorbereitung begriffen find, wie Etüde für la declination
latine par Bücheler, Chronologie des lettres de Pline le jeune parMommfen,
Hiftoire de l’alphabet grec par K i r c hh o f f, La Chronologie dans la formation
des langues europeennes par G. Curtius. Es ift eine der Aufgaben der neuen
Schule, die von anderen Nationen gewonnenen Refultate der Wiffenfchaft nicht
blos kennen zu lernen, fondern durch Ueberfetzungen der eigenen Nation
zugänglich zu machen.
Wenn es gelingt, wie es beabfichtigt ward, diefe neue Inftitution an den
Facultäten der Provinz einzubürgern, fo würden diefelben künftighin nicht
blos der einen Aufgabe obliegen, die Wiffenfchaft zu verbreiten, fondern durch
felbftthätiges Eingreifen fie zu fördern in die Lage kommen. Dafs in der That
hier die Regierung einem dringenden Bedürfniffe mit rühmlicher Liberalität
nachgekommen, dafür fpricht, dafs bereits im erften Jahre des Beftandes der
Ecole pratique des hautes etudes 342 Mitglieder fich zur Theilnahme, viele ir
mehreren Abtheilungen zugleich, meldeten, fo dafs die Zahl der Gefammtinfcrip
tionen 422 betrug und die Zahl der Laboratorien fich auf 27 erhob. Dadurch m?g
nun, wenn nicht etwa die gegenwärtige Unterrichtsleitung die junge vielverfprechende
Blüthe zerftört oder verkümmern läfst, für einen freien Betrieb efer
Wiffenfchaft und für einen genügenden Nachwuchs mitRückficht auf die 40oLeirftiihle
der Facultäten trefflich geforgt fein, dem grofsen Bedarfe der Mittelfchuhn,
und zwar der Lyceen vermag die
Ecole normale fuperieure,
die unter Nr. 3472, was fich auf ihre Gefchichte, Organifation und Leiftungsfäligkeit
bezieht, ausgeftellt hat, kaum zu entfprechen. Der Umftand, dafs die Fakultäten,
genauer die facultes des lettres et Sciences, welche hier allein in Betracht
kommen, diefe grofsen Prüfungs- und Vortragsmafchinen, fich als nicht geeigiet
erweifen konnten, Lehrkräfte für das Mittelfchulwefen in genügender Zahl ind
Qualität zu bilden, führte feit dem Ende des vorigen Jahrhundertes zu zahlreichen
Verfuchen, deren keiner ganz entfprochen zu haben fcheint. Nachdem man n.ch
1763, das heifst nach Abfchaffung des Jefuitenordens, eine Zeitlang daran gedaht
hatte, das Collegium Louis le Grand in ein Lehrerfeminar umzugeftalten, errichtete
der Convent mit Decret vom 30. Oclober 1794 die Ecole normale in Paris, in
welcher wiffenfchaftlich vorbereitete junge Männer (mindeftens 21 Jahre alt) lie
Kunft des Unterrichtes in den einzelnen Disciplinen fich aneignen follten. Sene
eigentliche ftraffe Organifation bekam das Lehrerfeminar, nun Ecole normale
fuperieure genannt, durch Statut vom 30. März 1810. Es ward als Alumnat ür
300 Zöglinge eingerichtet, in zwei Sektionen, eine philologifch-hiftorifcie
und eine mathematifch-naturwiffenfchaftliche getheilt, der Eintitt
auf das Alter zwifchen 17 und 23 Jahren befchränkt und von dem Erfolge einerin
ihrem fchriftlichen Theile aufserhalb Paris auch vor den Provinzial-Schulbehördn
(Akademien) ablegbaren, in ihrem mündlichen Theile vor der Commiffion der Ecce
normale zu beftehenden Prüfung abhängig. Der Curs dauerte zwei Jahre, ln
erften follte der Stoff der Lycealclaffen repetirt und fo erweitert werden , dafs d?
Zöglinge am Schluffe desfelben eine Reifeprüfung als Bacheliers beftehen könntei
Im zweiten Jahre follten die einzelnen Disciplinen aufser den häuslichen Confe
renzen auch durch Befuch dreier Collegien am College de France oder an de
Sorbonne eines eingehenden Studiums theilhaftig werden, damit die Zögling«
eine Art abfchliefsender Prüfung als Licencies beftehen könnten , daneben abei