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Full text: Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei innerhalb des europäischen Kulturkreises von der spätantiken Zeit bis zum Beginne des XIX. Jahrhundertes, mit Ausschluss der Volkskunst : Textband

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gewissen geheimnisvollen Zauber verlieh. Hier gibt die arabische Schrift 
einen bestimmten Sinn; doch ist dies nicht immer der Fall. 1 
Die Inschriften der Alba sind ebenso wie die übrigen Goldstickereien 
aus ganz feinen, niedergenähten Golddrähten (nicht übersponnenen Fäden) 
ausgeführt; die zum Niedernähen benützte gelblich-weiße Seide bildet ganz 
klare Zickzacklinien. In den Säumen und besonders in den oberen Teilen 
der Alba tritt noch reiche Perlenstickerei hinzu. 
In den unteren Ärmelsäumen (vgl. Tafel 70c) finden sich schräg 
gestellte Quadrate, die durch breite Bänder getrennt sind; in den Quadraten 
sind abwechselnd einköpfige Adler und freie, nicht mit der Umfassung 
verwachsende Palmetten dargestellt; diese ähneln schon sehr den späteren 
Granatapfelmustern. 
In die oberen Ärmelstreifen bringen Vierpässe, 2 die auch in den 
Halsteilen eine Hauptrolle spielen, noch jene klare Gliederung, die wir 
von den früheren Kreisen her gewohnt sind, aber wieder in reicherer Form. 
Gegenüber den Ornamenten des Kaisermantels und besonders der 
Einsatzstreifen der Schuhe fällt die reiche Form des Rankenwerkes auf, das 
sich aus den Schwänzen der Greifen entwickelt und von einerGruppe immer 
weit in die darüberstehende hinaufreicht. Auffällig ist die Verschmelzung 
der Rankenlinien mit den Tieren. Im Geiste nahestehend sind die bereits 
besprochenen Gewebe auf Tafel 78 c, d. Das Stück auf Tafel 78 c wurde in 
einem ägyptischen Grabe gefunden, mag also ägyptisch-sarazenisch sein; 
doch ist dies nicht unbedingt sicher. Das mittlere Baumwerk ist dem auf 
Tafel 77 d in vieler Beziehung ähnlich. 
Verwandt in der Auffassung ist auch etwa die Rose an der Erztüre 
der Grabkapelle Boemunds zu Canosa, 3 bei der die schlanken Tierleiber, 
die lebendig behandelten Vögel und die fast klassischen Palmettenformen mit 
der rein orientalischen Linienverschlingung eine ganz eigenartige Ver 
bindung eingehen. 
Dabei hat das Ganze jene eigentümlich zierliche und etwas kühle 
Wirkung, wie wir sie als kennzeichnend für die weitere italienische Ent 
wicklung noch wiederfinden werden. 
© © © © 
Wir wollen nun noch einige, über verschiedene Orte verteilte Arbeiten 
erwähnen, die im Zusammenhänge mit den süditalienisch-sizilischen wohl 
am leichtesten ihre Erklärung finden. Doch soll hier keineswegs auf Voll- 
1 Man vergleiche hiezu auch das später (Seite 109) Gesagte. 
2 Bock a. a. O., Tafel 26, Nr. 40. 
3 H. W. Schulz und Ferd. v. Quast, „Denkmäler der Kunst des Mittelalters in Unter 
italien“ (Dresden 1860), Tafel XL1.
	        
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