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Full text: Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei innerhalb des europäischen Kulturkreises von der spätantiken Zeit bis zum Beginne des XIX. Jahrhundertes, mit Ausschluss der Volkskunst : Textband

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In einem französischen Gedichte des 13. Jahrhunderts „Li Romans 
d’Alixandre“ ist von „cendal de Russie“, also wohl chinesischem,über Ruß 
land eingeführtem Cendal die Rede.' Später gibt es auch Cendal aus 
Palermo, Mailand, Lucca und anderen italienischen Städten. Gegen Mitte des 
16. Jahrhunderts verschwindet der Ausdruck. 
Tiercelin ist wohl eine Abart von Cendal, vielleicht eine Mischung von 
Seide, Leinen und Wolle." 
Damast (Damaschino, drap de Damas) ist jedenfalls nach Damaskus 
genannt. Die Art der Weberei läßt sich für die ältere Zeit nicht feststellen; 
im 12. und 13. Jahrhundert ist Damast jedoch offenbar ein sehr reicher 
Stoff aus Seide oder Halbseide, auch mit Gold. 
Es ist unbekannt, wann der Ausdruck den heute üblichen Sinn ange 
nommen hat. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wird er aber so häufig 
gebraucht, daß er entschieden schon einen weniger wertvollen Stoff be 
zeichnen muß; 3 eine solche Entwertung ursprünglich auf das Beste 
beschränkter Ausdrücke kann man ja auf allen Gebieten beobachten. 
Bei einem Levantine genannten Stoffe ist die orientalische Herkunft 
wohl zweifellos; die Webeart ist jedoch kaum zu bestimmen. 
Maramato (Maramanto, marramas u. a.) scheint eine Art Gold 
brokat zu sein; der Name stammt aus dem Arabischen. *■ 
Mousselin (mosulin), der schon von Marco Polo erwähnt wird, 5 
bedeutet nicht nur die heute so genannte Stoffart, sondern allerlei Seiden- 
und Goldstoffe, soweit sie eben in Mossul hergestellt wurden. 
Orientalischer Herkunft scheinen auch die nacco (nacchetto) und 
nassit (nasith) genannten Stoffe zu sein.« 
Die Bezeichnungen Sandal, vielleicht dasselbe wie Cendal,' sowie 
Satanin oder Soudanin, lassen jedenfalls auch auf orientalische Herkunft 
schließen. Im Inventar Karls V. ist diesen Ausdrücken auch wieder die 
1 Man sprach auch von „paile esclavon“, „pales (!) de Rosie“ (slavischen, russi 
schen Stoffen), wie wir heute von „russischem“ Teesprechen, der ja auch nur über, nicht aus 
Rußland zu uns kommt. Vgl. auch Francisque-Michel a. a. O., I., Seite 313. 
2 Francisque-Michel a. a. O. I., Seite 216 ff. 
3 Vgl. Francisque-Michel II., a. a. O. Seite 216. 
' 4 Vgl. Labarte im Inventare Karls V., Seite 153, Anmerkung 1. 
• r > Gay a. a. O. I., Seite 582. 
11 Vgl. Seite 104 nascici und bei Gay I., Seite 586 eine französische Nachricht um 
das Jahr 1300 über „draps d’or appeles Naque ou Torquie“; Bock, „Liturgische Ge 
wänder“ II., Seite 313, Anmerkung 1. 
7 Revue de l’art chretien, 1885, Seite 300.
	        
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