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Full text: Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei innerhalb des europäischen Kulturkreises von der spätantiken Zeit bis zum Beginne des XIX. Jahrhundertes, mit Ausschluss der Volkskunst : Textband

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Wandlungen der sarazenischen Kultur und Kunst nicht mehr unmittelbaren 
Anteil nahm, sondern nur soviel als überhaupt das Abendland. 
Naturgemäß lockerte sich auch der Zusammenhang mit dem äußer 
sten Vorposten des Islam, der iberischen Halbinsel. Am selbständigsten 
scheint aber das von einem ganz anderen Volksstamme bewohnte Persien 
geworden zu sein. 
Die größte äussere Wandlung der sarazenischen Welt war jedoch die 
endgiltige Vernichtung des Kalifates und die Gründung des tatarischen 
Weltreiches. 
Wie immer, konnte die Zertrümmerung einer Weltmacht und die 
Aufrichtung einer neuen nur deshalb erfolgen, weil die alte Macht schon in 
sich zerfallen war. Und eine neue Kultur und Kunst kann immer nur dann 
sich Eingang verschaffen, wenn die alte in Zersetzung begriffen oder selbst 
schon auf das Neue hingerichtet ist. 
Beides war in gewissem Sinne in den sarazenischen Landen der Fall, 
als die neue tatarische Weltmacht den Osten und Westen Asiens zu vereinen 
suchte; wenigstens die Zersetzung war vorhanden und eine außerordentliche 
Steigerung des Lebensgenusses, die, wie gezeigt, in der Kunst bereits zu 
einer gewissen Verfeinerung geführt hatte. Ob die sarazenische Welt zu einer 
tiefer greifenden und dauernden Erneuerung befähigt war, mußte die kom 
mende Zeit erweisen. Der äußere Anstoß war bedeutend genug. 
Was die Christen in den Kreuzzügen nicht erreicht hatten, das schien 
den Tataren nun zu gelingen: die Niederwerfung des Islam. 1258 wurde 
das Kalifat von Bagdad vernichtet und Syrien erobert; an der Grenze 
Ägyptens wendete sich allerdings das Kriegsglück, und Syrien ging wieder 
an Ägypten verloren. An Stelle des großen Khanates, das von China bis nahe 
an die Grenzen Deutschlands und Ägyptens reichte, traten nun Teilfürsten, 
aber immer noch unter der Oberherrschaft der in China herrschenden Groß 
khane. Insbesondere blieb auch Persien unter tatarischer Herrschaft und 
dadurch in Verbindung mit Ostasien. 1 
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Wir werden es also begreiflich finden, wenn sich jetzt in erhöhtem 
Maße chinesische Einflüsse in der Kunst des Orients geltend machen. 
Vorhanden waren sie ja schon immer bis zu einem gewissen Grade (siehe 
Seite 40); auch mögen sie in der letzten Zeit des Kalifates, als der Auf- 
i Nebenbei sei bemerkt, daß die Christen des Westens gerade erst unter tatarischer 
Herrschaft in das Innere Asiens vorzudringen wagten; denn die Tataren waren in ihrem 
Streben, den Islam niederzuwerfen, den Christen lange Zeit sehr günstig gesinnt. Heyd 
a. a. O. II., Seite 68 ff.
	        
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