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Full text: Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei innerhalb des europäischen Kulturkreises von der spätantiken Zeit bis zum Beginne des XIX. Jahrhundertes, mit Ausschluss der Volkskunst : Textband

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Besonders entsprechen dem freien Zuge der späteren Zeit natur 
gemäß die Darstellungen von Vögeln; vor allem finden wir wieder Adler, 
und zwar später vorherrschend die naturalistischen, einköpfigen (z. B. See 
adler, vgl. Seite 116), während der zweiköpfige wohl schon mehr die Be 
deutung eines durch Überlieferung gegebenen Wappentieres anzunehmen 
beginnt. 
Der Falke ist wohl auch als Umformung des Adlers aufzufassen. 
Große Falken mit Ringen im Schnabel, wie wir sie übrigens auch bei Adlern 
bereits gefunden haben, sehen wir zum Beispiele auf einem Seidenstoffe in 
einer Kassette des Weifenschatzes. 1 
Pfauen scheinen immer noch beliebt zu sein, man vergleiche 
Tafel 117 a. 
Der Wiedehopf gilt dem Orientalen als Sinnbild des Weisen. Im 
Österreichischen Museum findet sich auch eine Borte mit der Darstellung 
des Wiedehopfes und einer verderbten arabischen Schrift: „es Sultän el-'ä 
lim“ („der Sultan, der Weise“). 3 
Eine ziemlich naturalistische Auffassung, die man etwa mit den oben 
erwähnten kämpfenden Drachen und Löwen auf eine Stufe stellen könnte, 
erkennen wir in einer Erwähnung des Schatzverzeichnisses von Saint- 
Pierre in Lille vom Jahre 1397: 3 
„Item, une cappe de drap d’or 
vermeil a hierons d’or tenans pissons 
en leur biec .. 
„Desgleichen eine Kappa von 
Goldstoff hochrot mit goldenen 
Reihern, die Fische in ihrem Schnabel 
halten . . .“ 
Schwäne wurden bereits gelegentlich erwähnt und finden sich auch 
auf erhaltenen Stoffen. Sie sind ein gutes Beispiel der individualistischen 
Umgestaltung der alten Motive, finden sich aber anscheinend erst in der 
späteren Zeit dieser Epoche. 
Hier sei ein Beispiel aus dem Inventare der Kathedrale zu Cambray 
angeführt: 
„Item, une cape vermeille, semee 
de cygnes d’or tenant un rolet en leur 
bec de lettres sarracinoises.“ 
„Desgleichen eine hochrote 
Kappa, bestreut mit goldenen 
Schwänen, die eine Rolle mit sa 
razenischer Schrift im Schnabel 
halten.“ 
1 W. A. Neumann, „Reliquienschatz des Hauses Braunschweig-Lüneburg“, Wien 
1891 Seite 226. 
2 Karabacek, „Susandschird“, Seite 142. 
s Deshaisnes a. a. O., Seite 754. 
4 Deshaisnes a. a. O., Seite 814.
	        
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