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Full text: Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei innerhalb des europäischen Kulturkreises von der spätantiken Zeit bis zum Beginne des XIX. Jahrhundertes, mit Ausschluss der Volkskunst : Textband

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Bezüglich der Farbenwirkung möchte ich übrigens das eine hervor 
heben, daß die heute erhaltenen Stoffe natürlich zum großen Teile nicht 
mehr die ursprünglichen Farben aufweisen; so finden wir zum Beispiele in 
dem Inventare von Angers > eine Kappa, die einmal als blau, in späterer 
Zeit als violett und zuletzt als grau angeführt wird. 2 
Eine bemerkenswerte Eigentümlichkeit in der Farbenwirkung ist das 
Verstreuen kleiner Goldpartien über die Fläche, das wir übrigens schon aut 
Tafel53bemerkthaben. Besonders häufig kommenTiere mit goldenen Füssen 
oder Köpfen oder besonders Vögel mit goldenen Schnäbeln und Krallen vor. 
Man vergleiche auch die auf Seite 147 wiedergegebene Anführung 
eines lucchesischen Stoffes in dem Inventare von Sankt Peter in Rom, 
aus der man zugleich erkennt, daß diese Eigentümlichkeit schon beim 
Beginne der oberitalienischen Weberei ausgebildet vorlag. 
Ähnliche Erwähnungen kommen noch weit bis in das 15. Jahrhundert 
sehr häufig vor;= auch findet sich im Inventare von Angers ein Stück, 
auf dem Vögel goldene Köpfe und schwarze Augen haben. 4 
Es werden aber zum Beispiele auch goldene Löwen mit blauen Köpfen 
erwähnt, 5 sowie andere Tiere mit weißen Köpfen und Füßen.« 
Die Verteilung solcher goldener oder farbiger Flecke ist jedenfalls 
aus einem rein künstlerischen Bedürfnisse hervorgegangen; man wollte 
die Fläche beleben, bereichern und in gewissem Sinne auch farbig auflösen, 
wie es formell geschah. Demselben Zwecke dienen auch die früher schon 
eingehender besprochenen Kronen. 
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In technischer Beziehung wäre hervorzuheben, daß die Stoffe meist 
mit verschiedenfarbigen Ketten, also „aufgeschweift“ durchgeführt sind. 
Auch das Gold geht gewöhnlich durch die ganze Breite hindurch; doch 
gab es im 14. Jahrhundert auch schon wirklich broschierte Stoffe. 
1 A. a. O. 1885, Seite 307. 
. 2 Bezüglich der Farben in Beschreibungen sei erwähnt, daß „pers“ offenbar 
(persisch-) Blau bezeichnet. (Vgl. Labarte, a. a. O., Seite 388, Anmerkung 1.) „Ynde“, 
„yndee“ ist wohl (indisches) Ultramarinblau. — „Graigne“ (granum) ist ein Farbstoff 
(Scharlachbeere). Vgl. Labarte a. a. O., Seite 388, Anmerkung 2. - „Escarlate“ ist, neben 
bei bemerkt, keine Farbenbezeichnung, sondern der Name eines Leinengewebes. 
a Vgl. Rohault de Fleury, „La Messe” VII, 104, VIII, 188, Tafel DCXV; ferner Revue 
de l’art chretien 1884, Seite 275, 281, 282. 
4 A. a. O. 1885, Seite 178. 
5 Vgl. Gay I, Seite 587 zum Jahre 1361. 
. Im Inventare von Sant’Antonio in Padua 1385. Vgl. Bock, „Liturgische Gewandef, 
II, Seite 315.
	        
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