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Full text: Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei innerhalb des europäischen Kulturkreises von der spätantiken Zeit bis zum Beginne des XIX. Jahrhundertes, mit Ausschluss der Volkskunst : Textband

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Wie früh die lucchesische Weberei Bedeutung erlangt haben muß, 
sehen wir daraus, daß schon 1336 eine Genossenschaft der in Paris 
lebenden lucchesischen Kaufleute angeführt wird. * 
Solche Erwähnungen lucchesischer Kaufhäuser in Frankreich, Burgund 
und anderen Ländern gehen dann noch das ganze 14. und 15. Jahrhundert 
hindurch; so werden 1381 lucchesische Stoffhändler in den Rechnungen 
des Herzogs von Flandern- genannt, 1412 hören wir in einer Rechnung 
des Hofes von Burgund von einem „marchand de Lucqes“ in Paris, 1416 
in derselben Quelle von einem „marchand de Lucques“ in Brügge, ebenso 
auch in den Jahren 1432 und 1433. Aus den Anführungen geht auch 
zweifellos hervor, daß dieser lucchesische Handel vor allem kostbare Stoffe 
betraf. 3 Außer Lucchesen werden auch häufig Florentiner, Genuesen, 
Venetianer und Mailänder erwähnt. 4 
Italienische Händler finden wir im 14. Jahrhundert überhaupt schon 
zahlreich im Norden, so im Jahre 1393 Genueser Händler für Alabaster und 
Hautelisse in Paris und einen Florentiner Stoffhändler in Avignon, der wie 
die früher genannten mit dem Herzoge von Burgund in Verbindung tritt. - 
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Es ergibt sich nun die Frage, welche der bisher besprochenen Stoffe 
italienischer, welche orientalischer Herkunft sind. 
Bei vielen Stücken wird es wohl überhaupt nicht möglich sein, zu 
einem endgiltigen Ergebnisse zu gelangen, da die Italiener eben offenbar 
von der Nachahmung der sarazenischen Arbeiten ausgegangen sind. 
Wir wiesen schon oben (Seite 109) daraufhin, daß aus der wirklichen 
oder scheinbaren Richtigkeit oder Unrichtigkeit der arabischen Inschriften 
keine Sicherheit zu gewinnen ist. Abgesehen von allem anderen, können 
auch in echt sarazenischen Geweben die Schriften durch die Schwierig 
keiten der Webetechnik entstellt und umgekehrt wieder in italienischen 
Arbeiten richtige Vorbilder sehr gut wiedergegeben sein. 
Manchmal kann allerdings der Umstand, daß ital ienische Inschriften 
angebracht sind, entscheiden; zum Beispiele bei dem Stücke aul Tafel 11 / a. 
1 Francisque-Michel a. a. O. II., Seite 27. 
2 Deshaisnes a. a. O., Seite 580. 
s Francisque-Michel a. a. O., II., Seite 203 und 217. 
4 Zahlreiche Anführungen südlicher (orientalischer und italienischer) Stoffe und 
italienischer Händler in niederländischen Urkunden vom 13.—16. Jahrhundert bringt Jan Kalf 
in seinen „Bijdrage totgeschiedenis der middeleeuwsche Kunstweverij in Nederland“ in dem 
„Verlag von het St. Bernulphusgilde over 1900“ (Utrecht 1901) Seite 24 ff. Leider wurde 
diese verdienstliche Arbeit dem Verfasser erst unmittelbar vor Schluß des Werkes bekannt. 
s Deshaines a. a. O., Seite 709.
	        
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