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Full text: Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei innerhalb des europäischen Kulturkreises von der spätantiken Zeit bis zum Beginne des XIX. Jahrhundertes, mit Ausschluss der Volkskunst : Textband

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geschichte des Heilandes; die Formengebung des 14. Jahrhunderts, wohl 
der ersten Hälfte, und die deutsche Herkunft sind nicht zu verkennen. 
Der Grund der Stickerei ist grobe Leinwand, die Umrisse sind in 
blauer Farbe angegeben. Die Umrahmungen bestehen aus Silber, der 
Grund durchaus aus Gold. Und zwar zeigen die silbernen Umrahmungen 
ein Würfelmuster; der goldene Grund ist so ausgeführt, „daß über unter 
legte Schnüre der kräftige Goldfaden aufgelegt und an den vertieften 
Stellen angeheftet wurde, eine Verfahrungsweise, welche bei den mittel 
alterlichen Goldstickereien häufig und schon frühzeitig auch bei byzan 
tinischen Stickereien in Anwendung kam.“ 1 Das Verfahren ist also 
ähnlich, wie das auf Tafel 5 d dargestellte. Das Innere der Figuren ist in 
unregelmäßigem Plattstiche aus farbenkräftiger Flockseide ausgeführt. 
Man vergleiche hier ferner die Mitra aus Arnoldstein in Kärnten 
(Tafel 182/3) und die Mitra aus Admont (Tafel 185 a). 2 
Bezüglich der technischen Durchführung wären bei der Mitra in 
Admont der reiche Perlenbesatz und die eigentümliche Grundbehandlung 
hervorzuheben. Der Grund der dreieckigen Felder besteht aus Goldfäden, 
die im Zickzack niedergenäht sind, der Grund der Aurifrisien aus schwarzer 
Flockseide, die mit dunkelroter Seide überstickt und mit Goldfäden netz 
förmig überzogen ist; die Figuren sind in unregelmäßigem Plattstiche aus 
geführt. Bei der Mitra aus Arnoldstein treten an die Stelle von Perlen 
kleine silberne Halbkugeln, die teilweise vergoldet sind. 
Als ein reiches architektonisches Beispiel bringen wir die fran 
zösische Arbeit auf Tafel 179 a und verweisen hier auf das gestickte Ante- 
pendium aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhundertes im Kloster Kamp 
bei Aldekerk. 3 
Reichere architektonische Gliederung mit kielbogenartigen Bogen 
und üppigen Krabben findet sich auch manchmal über ganze Flächen ver 
teilt, zum Beispiele auf der berühmten Kappa in San Giovanni im Lateran 
oder der des Papstes Pius II. in der Kathedrale zu Pienza, sowie an der 
Kappa des Museo civico zu Bologna (Tafel 184), die wohl mit Unrecht schon 
1 Heider a. a. O. Seite 31. 
2 Über die Mitra aus Arnoldstein: Ed. Freiherr v. Sacken „Die Mitra von Arnoldstein“, 
Mitteilungen der k. k. Zentralkommision 1882, Seite 26 ff.; über die Mitra in Admont: K. Lind, 
daselbst 1867, Seite 69 ff. und eingehender Bock, daselbst 1860, Seite 237, wo auch die 
andere Seite der Mitra abgebildet ist. — Es sind dies zwei Mitren „de auriphrygio in circulo 
et in titulo“ (mit Goldborten im Umkreise und im „Titel“); solche Mitren waren nur für 
exemte Bischöfe üblich, d. h. für solche, die direkt dem Papste unterstanden. 
s Vgl. Alex. Schnütgen, „Besticktes Antependium“, Zeitschrift für christliche 
Kunst 1888, Seite 123 ff.
	        
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