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Full text: Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei innerhalb des europäischen Kulturkreises von der spätantiken Zeit bis zum Beginne des XIX. Jahrhundertes, mit Ausschluss der Volkskunst : Textband

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gehören gerade die in Spanien selbst erhaltenen oder dorther stammenden 
Stoffe zu den mit Gold und Silber am reichsten geschmückten. 
Der große Gold- und Silberreichtum der damaligen spanischen Welt 
macht mag wohl eine Hauptursache dieser verschwenderischen Fülle 
gewesen sein; doch dürfen wir in dem großen Pomp der spanischen Stoffe in 
gewissem Sinne zugleich ein Beharren in spätmittelalterlichen Vorstel 
lungen erkennen, wie sich ja auch in der sogenannten „spanischen Spitze“ 1 
das mittelalterliche Empfinden viel länger erhalten hat, als in den Arbeiten 
anderer Länder. Man kann sagen, Spanien ist, ohne zum klaren Bewußtsein 
des Renaissancetages gekommen zu sein, vom Mittelalter in die Barocke 
hinübergedämmert. Und mit der Barocke hat es dann überhaupt seine 
Kunstentwicklung abgeschlossen. 
Spanien war unter Karl V. und Philipp II. das reichste Land Europas 
und hatte aus arabischer Zeit noch eine hoch ausgebildete Seidenindustrie. 
Ein bemerkenswertes Beispiel eines Stoffes dieser Zeit bietet Tafel 232; er 
zeigt den Typus des Streumusters der Renaissance sehr deutlich. 2 
Seit Philipp III. geriet das Reich aber immer mehr in Unordnung. 
Es schädigten der lange Krieg gegen die Niederlande und, in der Industrie, 
besonders die Vertreibung von etwa 600.000 bis 700.000 Mauren, die zu 
den wichtigsten Gewerbetreibenden Spaniens gehörten; dazu kamen die 
drückende Steuererhöhung und die sinnlose Bekämpfung des Handels, 
so daß Spanien unter Philipp IV. trotz der reichen Minen Amerikas, die 
dem Lande zur Verfügung standen, völliger Verarmung anheim fiel. 
In der Weberei hat das christliche Spanien daher eigentlich niemals 
besondere Bedeutung erlangt, eher noch, wie wir sehen werden, in der 
Stickerei. 2 
@ @ @ ® 
1 Siehe des Verfassers „Entwicklungsgeschichte der Spitze“, Seite 77. 
2 Vgl. Fritz Minkus, „Ein Silberbrokat König Philipps II. von Spanien.“ (Mitteilungen 
des k. k. Österreichischen Museums 1897, Seite 469 ff.) 
3 Bemerkenswerte Arbeiten der spanischen Renaissance und Spätrenaissance sind 
die sogenannten Alcoradecken, gewebte Noppenteppiche, die meist spätere Renaissance 
muster, bisweilen aber auch orientalische Musterung zeigen. Im Budapester Kunstgewerbe 
museum befindet sich ein derartiges Stück mit ausgesparten Partien, die wohl für flach ein 
zuziehendes Gold berechnet waren, ähnlich wie bei persischen Arbeiten; die spanische 
Herkunft ist nach einer spanischen Inschrift unzweifelhaft. Sonst finden sich diese spanischen 
Arbeiten nur in einfacherer Ausführung vor, wie derbere Kleinasiaten, sogenannte Alt-Smyrna 
teppiche u. a. Auch in Italien gibt es ähnliche Arbeiten als sogenannte Abruzzendecken, die 
vielleicht aus dem spanischen Süden kamen. Jedenfalls steht die ganze spanische Teppich 
weberei in Zusammenhang mit der sarazenischen Vorliebe für geknüpfte Bodenbeläge und 
Wandbehänge.
	        
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