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Full text: Künstlerische Entwicklung der Weberei und Stickerei innerhalb des europäischen Kulturkreises von der spätantiken Zeit bis zum Beginne des XIX. Jahrhundertes, mit Ausschluss der Volkskunst : Textband

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gemacht; man erkennt deutlich die untergelegten Fäden und die atlasartig 
quer darübergelegten, die wieder durch ganz feine Fäden zwischen jenen 
niedergehalten werden. Und zwar tritt der Wechsel der Lage bei der 
„broderie en gaufrure“ gruppenweise, bei der „broderie en satine“ bei 
jedem Faden auf; die niederhaltenden Stiche verschwinden dabei fast völlig. 
Wir haben dieses Verfahren übrigens früher (Seite 187) schon bei Gold 
in Verwendung gesehen; die Absicht war jedenfalls, durch die Lage wech 
selnden Glanz zu erzeugen. Für die Unterzugfäden wurde immer stark 
gewachste Seide, für die oberen Gold oder Seide verwendet. Diese Stich 
arten waren besonders auch für flaches Relief geeignet und erzeugten da 
den Eindruck eines glänzenden Flutens der Oberfläche. Bemerkenswert ist 
in dieser Beziehung das folgende im Jahre 1690 erwähnte Stück:» 
„Quatre fauteuils et six sieges 
plians couverts de tableaux de 
broderie de point satine, rehausse 
d’or et d’argent, representant les 
elemens, saisons et autres sujets 
par des figures et enfans dans les 
bordures rondes et ovales de broderie 
or et argent relevee, le reste desdits 
sieges remplyd’ornemensde broderie 
de point satine bleu rehausse d’ar 
gent en maniere de pourcelaine, sur 
un fonds de toille d’or trait. . .“ 
Zu dem Ausdrucke „pourcelaine“ siehe Seite 263. Wir haben hier 
offenbar an eine gestickte Nachahmung ostasiatischer Formen zu denken. 
Übrigens geht wohl auch das folgende Stück in der Technik auf 
chinesische Vorbilder zurück (vgl. Seite 264). 2 
„ un petit tableau peint sur \ „... ein kleines Bild auf Mohär 
mohere, avec legere broderie repre- gemalt, mit leichter Stickerei die 
sentant la Nuit. . .“ Nacht darstellend . . .“ 
Eine eigentümliche Abart der Flachstickerei, - die für die Barockzeit 
sehr bezeichnend ist und vorher kaum vorkommt, ist die Chenillestickerei. 
1 Inventar Ludwigs XIV., II., Seite 399, Nr. 144.3. 
3 Nach Savary („Fendu“) verstand man unter „point fendu“ (gespaltenen Stich), 
jene Art des Flachstiches, bei der man Stiche mit Zwischenräumen für nachher einzu 
tragende Schattierungen aufsetzte. 
„Vier Lehnstühle und sechs 
Faltsessel, bedeckt mit gestickten 
Bildern in Satinstich, gehöht mit 
Gold und Silber, darstellend die 
Elemente, Jahreszeiten und andere 
Gegenstände durch Figuren und 
Kinder in den kreisrunden und läng 
lich-runden Umfassungen, in er 
habener Gold- und Silberstickerei) 
der Rest dieser Sitze ist ausgefüllt 
mit Ornamenten, blaugestickt, in 
Satinstich mit Silber gehöht, in der 
Art der „Porcellane“, auf einem 
Grunde von Stoff’ aus gezogenem 
Golde...“ 
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