273
gemacht; man erkennt deutlich die untergelegten Fäden und die atlasartig
quer darübergelegten, die wieder durch ganz feine Fäden zwischen jenen
niedergehalten werden. Und zwar tritt der Wechsel der Lage bei der
„broderie en gaufrure“ gruppenweise, bei der „broderie en satine“ bei
jedem Faden auf; die niederhaltenden Stiche verschwinden dabei fast völlig.
Wir haben dieses Verfahren übrigens früher (Seite 187) schon bei Gold
in Verwendung gesehen; die Absicht war jedenfalls, durch die Lage wech
selnden Glanz zu erzeugen. Für die Unterzugfäden wurde immer stark
gewachste Seide, für die oberen Gold oder Seide verwendet. Diese Stich
arten waren besonders auch für flaches Relief geeignet und erzeugten da
den Eindruck eines glänzenden Flutens der Oberfläche. Bemerkenswert ist
in dieser Beziehung das folgende im Jahre 1690 erwähnte Stück:»
„Quatre fauteuils et six sieges
plians couverts de tableaux de
broderie de point satine, rehausse
d’or et d’argent, representant les
elemens, saisons et autres sujets
par des figures et enfans dans les
bordures rondes et ovales de broderie
or et argent relevee, le reste desdits
sieges remplyd’ornemensde broderie
de point satine bleu rehausse d’ar
gent en maniere de pourcelaine, sur
un fonds de toille d’or trait. . .“
Zu dem Ausdrucke „pourcelaine“ siehe Seite 263. Wir haben hier
offenbar an eine gestickte Nachahmung ostasiatischer Formen zu denken.
Übrigens geht wohl auch das folgende Stück in der Technik auf
chinesische Vorbilder zurück (vgl. Seite 264). 2
„ un petit tableau peint sur \ „... ein kleines Bild auf Mohär
mohere, avec legere broderie repre- gemalt, mit leichter Stickerei die
sentant la Nuit. . .“ Nacht darstellend . . .“
Eine eigentümliche Abart der Flachstickerei, - die für die Barockzeit
sehr bezeichnend ist und vorher kaum vorkommt, ist die Chenillestickerei.
1 Inventar Ludwigs XIV., II., Seite 399, Nr. 144.3.
3 Nach Savary („Fendu“) verstand man unter „point fendu“ (gespaltenen Stich),
jene Art des Flachstiches, bei der man Stiche mit Zwischenräumen für nachher einzu
tragende Schattierungen aufsetzte.
„Vier Lehnstühle und sechs
Faltsessel, bedeckt mit gestickten
Bildern in Satinstich, gehöht mit
Gold und Silber, darstellend die
Elemente, Jahreszeiten und andere
Gegenstände durch Figuren und
Kinder in den kreisrunden und läng
lich-runden Umfassungen, in er
habener Gold- und Silberstickerei)
der Rest dieser Sitze ist ausgefüllt
mit Ornamenten, blaugestickt, in
Satinstich mit Silber gehöht, in der
Art der „Porcellane“, auf einem
Grunde von Stoff’ aus gezogenem
Golde...“
18