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309 a und 311 a, c, die launenhaften Linien auf Tafel 314 a. Und man denkt
bei all diesen Formen wohl kaum an eine Wiederholung; auch bei dem
blühenden Reichtume auf Tafel 312 b und 306 a, b ist das wohl der Fall.
Selbst bei dem in Wirklichkeit symmetrischen Muster auf Tafel 302/3 wird
die Symmetrie durch die Freiheit der Linie und den weitgehenden Natu
ralismus jedenfalls weit überwogen.
Das angeführte Stück auf Tafel 307 bringt wohl den Entwurf auf
Tafel 283 a in Erinnerung, zeigt aber doch schon eine weit freiere Ent
wicklung und kühnere Durchbildung der Einzelheiten, sodaß es dem wirk
lichen Rokoko zugeschrieben werden kann.
An den übermütigen Motiven auf Tafel 307, 309 b oder 310 b allein
kann man das beinahe freche Leugnen jeder Überlieferung erkennen. Keine
andere Zeit hat bis dahin mit solchem Bewußtsein verblüffen wollen wie diese.
Sehr kräftig ist der einseitige Zug bei dem Stücke auf Tafel 305 a. Es
ist eine Weiterentwicklung der eben erwähnten Stoffe von Marot. Wenn
man die spätmittelalterlichen, einseitigen Granatapfelstoffe diesem entgegen
hält (zum Beispiele auf Tafel 150 oder 149 a), so wird man die Ähnlich
keit, aber auch den Unterschied der Zeiten deutlich erkennen; es ist alles
feiner, differenzierter und naturalistischer geworden.
Auffällig ist auch die Verwandtschaft in der Formbehandlung mit dem
Stoffe auf Tafel 304, der wohl auch erst der Rokokozeit angehört, dann
aber die symmetrischen Formen der früheren Zeit jedenfalls mehr als ge
wöhnlich bewahrt hat.
Dies gilt auch von dem bereits erwähnten Stoffmuster auf Tafel 300,
während die Stücke auf den Tafeln 301 und 312 a eine noch weit natura
listischere Fortentwicklung zeigen. Das Schema ist aber immer das alte.
Wir müssen eben immer bedenken, daß sich gewisse Typen noch
lange neben den kennzeichnendsten einer Zeit erhalten und daß ander
seits die später als kennzeichnend erscheinenden schon eine Zeitlang neben
anderen einherlaufen können.
Nirgends sieht man das so sehr wie in der Textilkunst, wo bei der
Weberei die Schwierigkeiten der Technik und die Überlieferung den Werk
stätten, bei der Stickerei die häuslichen Gewohnheiten vielfach hemmend
auf die Entwicklung einwirken.
Man wird auch empfinden, daß die Stoffe der letzten Zeit Ludwigs XIV.
sich ganz gut noch lange mit dem heranreifenden Rokoko vertragen konnten.
Man vergleiche die schon besprochene Tafel 300.
Allerdings geht ein Teil der Anwendungsarten verloren. Für Möbel
zum Beispiel werden häufig gobelinartige Überzüge vorgezogen, da sie in
ihrer freieren Ausführung derVorliebe für naturalistische Formen, Blumen-